Glossar Venture Capital
Glossar Venture Capital
Alle Fachbegriffe des Beitrags Die Geschichte des Venture Capitals in alphabetischer Reihenfolge. Die Zahl am Ende nennt den Abschnitt, in dem der Begriff eingeführt wird.
A
- Accelerator – Programm, das Gründerteams für wenige Monate Geld, Betreuung und Zugang zu Geldgebern gibt, gegen einen kleinen Anteil; Y Combinator (2005) war das erste. 7
- ARD – American Research and Development Corporation, 1946 in Boston von Doriot, Flanders und Compton gegründet; die erste Venture-Capital-Gesellschaft, berühmt für DEC. 2
- Ausstieg (Exit) – Verkauf der Anteile eines Fonds durch Börsengang oder Übernahme der Firma; ohne ihn bleibt jeder Gewinn auf dem Papier. 3
B
- Bayh-Dole Act – US-Gesetz von 1980, das Universitäten die Patente aus staatlich bezahlter Forschung überträgt; Grundlage der Lizenzbüros und vieler Ausgründungen. 4
- Bewertung – Wert, den eine Finanzierungsrunde einer Firma zuschreibt, vor dem neuen Geld (pre-money) oder danach (post-money); bestimmt, wie viele Anteile ein Betrag kauft. 5
- Biotechnologie – Feld, das mit Genentech (1976) als zweites großes Gebiet des Wagniskapitals neben der Informationstechnik entstand. 4
- Börsengang (IPO) – Erstverkauf von Aktien einer Firma an das Publikum; seit Netscape 1995 auch für Firmen ohne Gewinn, seit Sarbanes-Oxley 2002 selten geworden. 3
- Business Angel – Reich gewordener Gründer oder Manager, der eigenes Geld und Rat in der frühesten Phase gibt; seit den 2000er Jahren eine eigene Stufe vor den Fonds. 7
C
- Carried Interest – Anteil der General Partners am Gewinn eines Fonds, meist zwanzig Prozent, nachdem die Limited Partners ihr Geld zurückhaben. 3
- Corporate Venture Capital – Beteiligungen eines Konzerns an Startups aus eigenem Geld, um Märkte und Technik früh zu sehen; Intel Capital (1991) war der Vorreiter. 5
D
- Down Round – Finanzierungsrunde zu niedrigerer Bewertung als die vorige; häufig nach der Zinswende 2022. 8
- Dual-Class-Struktur – Zwei Aktienklassen, von denen eine mehr Stimmrechte trägt; seit Googles Börsengang 2004 das Mittel, mit dem Gründer die Kontrolle behalten. 7
- Due Diligence – Prüfung von Technik, Markt, Verträgen und Menschen einer Firma vor einer Beteiligung. 5
E
- Einhorn – Privatfirma mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar; 2013 von Aileen Lee geprägt, als es 39 gab. 7
- Endowment – Stiftungsvermögen einer Universität; seit den 1980er Jahren neben den Pensionskassen die wichtigsten Limited Partners, mit Yale als Vorreiter. 4
- ERISA – Rentengesetz der USA von 1974; die Auslegung seiner Prudent-Man-Regel 1979 öffnete den Pensionskassen das Wagniskapital. 4
F
- Fairchildren – Die Firmen und Fonds, die aus Fairchild Semiconductor hervorgingen, von Intel bis Kleiner Perkins und Sequoia. 3
- Family Office – Verwaltung eines Familienvermögens; vor 1946 die wichtigste Quelle von Wagniskapital, bei BioNTech 2008 wieder. 1
- Finanzierungsrunde – Abschnitt, in dem eine Firma gegen neue Anteile Geld aufnimmt; nach den Aktienserien Seed, Series A, B, C genannt, jede an Ziele der vorigen gebunden. 5
- Fonds – Vertrag auf Zeit, meist zehn Jahre, in dem Limited Partners Geld einlegen und General Partners es in zwanzig bis dreißig Firmen anlegen. 3
G
- General Partner – Manager eines Fonds, der alle Entscheidungen trifft und mit Gebühr und Carried Interest bezahlt wird. 3
- Get big fast – Lehre der Internetjahre nach Bezos: In einem neuen Markt gewinnt, wer zuerst groß ist; Verluste sind der Preis dafür. 6
I
- Interne Verzinsung (IRR) – Jährliche Rendite, mit der Fonds ihre Ergebnisse angeben; ohne das Vielfache des Einsatzes irreführend. 2
J
- JOBS Act – US-Gesetz von 2012, das Börsengänge erleichterte und die Aktionärsgrenze für die Offenlegungspflicht von 500 auf 2.000 hob; erlaubte das lange Privatbleiben. 7
L
- Lean Startup – Methode nach Eric Ries (2011): früh ein Minimalprodukt bauen, messen, lernen, statt lange zu planen. 7
- Limited Partner – Geldgeber eines Fonds, der nur mit seiner Einlage haftet und sich nicht einmischt: Pensionskassen, Stiftungen, Family Offices, Staatsfonds. 3
- Limited Partnership – Rechtsform des Fonds seit 1959: Geldgeber als haftungsbeschränkte stille Partner, Manager als General Partners, Laufzeit zehn Jahre; frei von den Regeln für Publikumsgesellschaften. 3
- Liquidationspräferenz – Recht der Vorzugsaktien, beim Verkauf der Firma zuerst den Einsatz zurückzuerhalten, bevor die Gründer etwas bekommen. 5
M
- Management Fee – Jährliche Gebühr der General Partners, meist zwei Prozent des Fonds, für Gehälter und Büro. 3
N
- NASDAQ – Elektronische Börse seit 1971, die junge Firmen mit geringen Auflagen aufnahm und zum Ausstiegsmarkt des Wagniskapitals wurde. 3
- Neuer Markt – Segment der Frankfurter Börse für Wachstumsfirmen von 1997 bis 2003; brachte Deutschland Gründer und Fonds, dann Fälschungen, Verluste und Misstrauen. 6
P
- PayPal-Mafia – Gründer und frühe Mitarbeiter von PayPal, die nach dem Verkauf 2002 Tesla, SpaceX, LinkedIn, YouTube und den Founders Fund gründeten oder finanzierten. 6
- Pensionskasse – Vermögen für Betriebsrenten; seit 1979 in den USA der größte Geldgeber der Fonds, in Europa bis heute weitgehend ausgeschlossen. 4
- Plattform – Dienst, der Anbieter und Nutzer zusammenbringt und mit jedem Teilnehmer für alle wertvoller wird; Geschäftsmodell von Uber, Airbnb und den sozialen Netzen. 7
- Portfolio – Die Beteiligungen eines Fonds, meist zwanzig bis dreißig Firmen, von denen die meisten scheitern. 3
- Potenzgesetz – Verteilung der Ergebnisse eines Fonds, bei der wenige Treffer fast den ganzen Gewinn bringen; in den Daten von Horsley Bridge sechs Prozent der Beteiligungen sechzig Prozent der Gewinne. 7
- Private Equity – Im engeren Sinn der kreditfinanzierte Kauf reifer Firmen; teilt mit dem Wagniskapital Rechtsform und Gebühren, sonst nichts. 5
- Prudent-Man-Regel – Grundsatz des Rentengesetzes ERISA, nach dem Treuhänder nur umsichtig anlegen dürfen; seit 1979 auf das ganze Portfolio bezogen, was Wagnisse erlaubt. 4
S
- SAFE – Simple Agreement for Future Equity, von Y Combinator 2013 veröffentlicht: Versprechen auf Anteile bei der nächsten Runde statt einer Bewertung heute. 7
- Sand Hill Road – Straße in Menlo Park am Rand von Stanford, Sitz von Kleiner Perkins, Sequoia und vielen weiteren Fonds; Synonym für das Wagniskapital. 3
- Sarbanes-Oxley Act – US-Gesetz von 2002 nach den Bilanzskandalen, das börsennotierten Firmen geprüfte Kontrollsysteme vorschreibt und kleine Börsengänge unwirtschaftlich machte. 6
- Secondary – Verkauf bestehender Anteile, etwa von Mitarbeitern oder frühen Fonds, an neue Geldgeber ohne Kapitalerhöhung; seit DST bei Facebook 2009 üblich. 7
- Seed-Runde – Erste kleine Finanzierung einer Firma, oft von Business Angels oder Seed-Fonds, bevor ein größerer Fonds einsteigt. 7
- Small Business Investment Company (SBIC) – Private Gesellschaft mit staatlicher Lizenz und staatlichen Darlehen nach dem Gesetz von 1958; Lehrjahre vieler Wagniskapitalgeber. 2
- Software as a Service – Software, die als Abonnement über das Netz verkauft wird; seit Salesforce (2004) ein Lieblingsfeld der Fonds, weil die Einnahmen planbar sind. 7
- SPAC – Leere, schon börsennotierte Gesellschaft, mit der eine Firma durch Verschmelzung an die Börse kommt; 2021 gingen 613 davon an die Börse. 8
- Spiele – Feld des Wagniskapitals seit Atari (1975), Sequoias erster Beteiligung, bis Zynga, Supercell und Roblox. 4
- Staatsfonds – Anlagevermögen eines Staates, etwa Saudi-Arabiens, Abu Dhabis oder Singapurs; seit dem Vision Fund 2017 die größten Geldgeber der Megarunden. 8
T
- Term Sheet – Unverbindliche Zusammenfassung der Bedingungen einer Beteiligung, über die verhandelt wird, bevor die Verträge geschrieben werden. 5
- Token – Digitale Einheit einer Kryptowährung, die ohne Rechte an einer Firma verkauft wird; 2017 das Mittel, mit dem Kryptoprojekte Milliarden einsammelten. 8
V
- Venture Capital – Wagniskapital: Geld gegen Anteile an einer jungen Firma, deren Scheitern wahrscheinlicher ist als ihr Erfolg; die wenigen Treffer bezahlen die vielen Verluste. 1
- Venture-Capital-Gesellschaft – Unternehmen, dessen einziger Zweck es ist, fremdes Geld in junge Firmen zu wagen und sie zu betreuen; die erste war ARD 1946. 2
- Verwässerung – Schrumpfen des Anteils der bisherigen Eigentümer, wenn eine Runde neue Anteile ausgibt; der Wert des kleineren Anteils kann dennoch steigen. 5
- Vesting – Regel, nach der Gründer und Mitarbeiter ihre Anteile über Jahre verdienen und zurücklassen, wenn sie vorher gehen. 5
- Vision Fund – Fonds von SoftBank, 2017 mit 93 Milliarden Dollar geschlossen, überwiegend aus Staatsfonds; schrieb Milliardenschecks und verlor mit WeWork. 8
- Vorzugsaktien – Aktien mit Vorrechten, vor allem der Liquidationspräferenz, die Fonds statt gewöhnlicher Aktien erhalten. 5
W
- Wachstumskapital – Geld von Hedgefonds, Staatsfonds und Konzernen für Firmen, die den Beweis schon erbracht haben; ließ Firmen seit 2009 lange privat bleiben. 7
Y
- Yozma – Israelisches Programm von 1993, das mit hundert Millionen Dollar zehn Fonds mit ausländischen Partnern anstieß und sich 1997 zurückzog. 6
Zuletzt aktualisiert am