Glossar Projektmanagement
Glossar Projektmanagement
Alle Fachbegriffe des Beitrags Die Geschichte des Projektmanagements in alphabetischer Reihenfolge. Die Zahl am Ende nennt den Abschnitt, in dem der Begriff eingeführt wird.
A
- Agil – Bezeichnung für jedes Vorgehen, das in kurzen Abschnitten liefert, aus dem Gelieferten lernt und den Plan dem Gelernten anpasst; nach dem Manifest für agile Softwareentwicklung von 2001. 6
- All-up-Testing – Muellers Entscheidung von 1963, die Saturn V beim ersten Flug mit allen Stufen zugleich zu erproben statt Stufe für Stufe; sparte Apollo die Zeit, die das Jahrzehnt brauchte. 4
B
- Backlog – Nach Wert geordnete Liste aller Wünsche an das Produkt, aus der das Team den obersten Teil für den nächsten Sprint auswählt; wird nach jedem Sprint neu geordnet. 6
- Balkenplan – Diagramm mit den Vorgängen als Zeilen und der Zeit als Achse, jeder Vorgang ein Balken von Anfang bis Ende, oft mit einem zweiten Balken für das Geschaffte; Henry Gantt 1910 bis 1917, Name von Wallace Clark 1922; zeigt, wann etwas geschieht, nicht, wovon es abhängt. 2
C
- Concurrency – Gleichzeitige Entwicklung von Teilen, die eigentlich nacheinander entstehen müssten, um Zeit zu sparen; Prinzip der amerikanischen Raketenprogramme ab 1954 (Atlas), Vorläufer im Manhattan-Projekt. 3
- Critical Path Method – CPM, Verfahren von Kelley und Walker (DuPont, Remington Rand, 1957), das aus Vorgängen, Dauern und Abhängigkeiten ein Netz bildet und für jeden Vorgang frühesten und spätesten Anfang berechnet. 3
- Critical-Chain-Methode – Goldratts Übertragung der Theorie der Engpässe auf Projekte (1997): Die Puffer werden aus den einzelnen Vorgängen genommen und als gemeinsamer Puffer an das Projektende gelegt. 5
D
- DevOps – Zusammenarbeit von Entwicklung und Betrieb mit gemeinsamer Verantwortung und automatisierter Auslieferung; nach dem Vortrag von Allspaw und Hammond (Flickr, 2009) und den DevOpsDays in Gent (2009). 6
F
- Fast-Tracking – Beginn der Ausführung, bevor die Planung abgeschlossen ist, um Zeit zu gewinnen; gelang beim Empire State Building 1931 und scheiterte in Sydney, Berlin und Hamburg. 2
- Fertigstellungswert – Earned Value, Wert der tatsächlich fertigen Arbeit zum Planpreis; mit Planwert und Istkosten ergeben sich Termin- und Kostenindex und eine Hochrechnung der Endkosten; Pflicht für Auftragnehmer des Pentagons seit 1967. 4
H
- hybrides Projektmanagement – Verbindung klassischer Phasen, Meilensteine und Budgets mit agiler Arbeit innerhalb der Phasen; seit den 2010er Jahren das häufigste Vorgehen in Unternehmen. 7
K
- Kanban – Steuerung der Arbeit über eine Tafel mit Spalten für die Schritte, Karten für die Aufgaben und einer Obergrenze gleichzeitiger Aufgaben je Spalte; aus Toyotas Fertigung, für Wissensarbeit von Anderson (2004, Buch 2010). 6
- KI-Agent – Programm aus Sprachmodell und Werkzeugen, das im Projekt Aufgaben anlegt, zuordnet, verfolgt, Risiken meldet und Berichte erzeugt; in Jira seit 2025, als Copilot in Microsofts Werkzeugen; nimmt dem Projektleiter das Aufschreibbare ab, nicht das Urteil. 8
- Konfigurationsmanagement – Vorschrift, dass jede Änderung an einem Bauteil beantragt, geprüft, genehmigt und in allen Unterlagen nachgeführt wird, so dass jederzeit feststeht, was gebaut ist; aus den Raketenprogrammen der Luftwaffe, bei Apollo zur Regel geworden. 4
- kritischer Weg – Kette der Vorgänge ohne Puffer, deren Summe die Projektdauer ist; verzögert sich ein Vorgang auf dem kritischen Weg, verzögert sich das Projekt. 3
L
- Lean – Lehre aus dem Produktionssystem von Toyota, Verschwendung zu vermeiden und den Fluss der Arbeit am Bedarf auszurichten; im Westen seit Womack und Jones (1990), Grundlage von Kanban und DevOps. 6
- Lenkungsausschuss – Gremium aus Auftraggeber, Nutzern und Lieferanten, das über dem Projektleiter steht und die Phasen freigibt; Kern von PRINCE (1989) und PRINCE2 (1996). 5
M
- magisches Dreieck – Zeit, Kosten und Umfang als die drei Größen, die jedes Projekt zugleich begrenzen: Wer eine Ecke bewegt, bewegt die anderen; nach Barnes (1969). 5
- Matrixorganisation – Organisation, in der jeder Mitarbeiter zugleich seiner Fachabteilung und einem Projekt gehört; der Projektleiter verantwortet das Ergebnis, der Abteilungsleiter die Leute; aus der Luftfahrt der 1960er Jahre. 4
- Meilenstein – Ereignis von besonderer Bedeutung im Projektablauf, meist das Ende einer Phase, an dem geprüft wird, ob der Plan noch gilt; Begriff der DIN 69901 (1980). 5
N
- Netzplan – Darstellung eines Projekts als Netz aus Vorgängen und ihren Abhängigkeiten, aus dem sich kritischer Weg und Puffer berechnen lassen; CPM und PERT (1957/58), in Frankreich die Méthode des potentiels Métra (Roy, 1958), in Deutschland genormt in DIN 69900 (1979). 3
P
- Planungsfehlschluss – Neigung, Dauer und Kosten eines Vorhabens zu unterschätzen, weil man sich seinen Ablauf ohne Überraschungen vorstellt; Kahneman und Tversky (1979), von Flyvbjerg als Hauptursache der Überschreitungen bei Großprojekten belegt. 7
- PMBOK Guide – A Guide to the Project Management Body of Knowledge, Lehrbuch des Project Management Institute, erste Auflage 1996 mit neun Wissensgebieten und 37 Prozessen, siebte Auflage 2021 mit zwölf Prinzipien, achte Auflage 2025 mit sechs; Grundlage von ISO 21500 und ISO 21502. 5
- PMP – Project Management Professional, Zertifikat des PMI seit 1984, das Erfahrung und eine Prüfung über den PMBOK Guide verlangt; über eine Million Inhaber. 5
- Program Evaluation and Review Technique – PERT, Netzplanverfahren der US-Marine für die Polaris (1958) mit drei Schätzungen je Vorgang, optimistisch, wahrscheinlich, pessimistisch, aus denen eine erwartete Dauer und die Wahrscheinlichkeit eines Termins folgen. 3
- Projekt – Vorhaben mit einem einmaligen Ziel, einem Anfang und einem Ende, im Unterschied zum Betrieb, der dasselbe wiederholt; das Wort kommt vom lateinischen proiectum, der Entwurf, und war im 17. Jahrhundert ein Schimpfwort für die Pläne der Projektemacher. 1
- Projektleiter – Person, die ein Projekt über die Grenzen der Abteilungen hinweg plant, steuert und für Ergebnis, Termin und Kosten verantwortet, meist ohne dass ihr die Beteiligten unterstellt sind; beschrieben von Gaddis (1959). 3
- Projektmanagement – Planung, Steuerung und Verantwortung eines Vorhabens mit einmaligem Ziel, gesetzter Frist und begrenztem Budget; als Beruf seit den Rüstungs- und Raumfahrtprogrammen der 1950er und 1960er Jahre, als Lehre seit den Normen der 1980er. Einleitung
- Projektsoftware – Programme, die Vorgänge, Abhängigkeiten, Termine, Ressourcen und Kosten verwalten und Pläne und Berichte erzeugen; Microsoft Project (1984), später Jira (2002) und Trello (2011). 5
- Projektstrukturplan – Work Breakdown Structure, Zerlegung eines Vorhabens wie ein Baum in Teile, Teilteile und Arbeitspakete, so dass jedes Blatt einer verantworten, schätzen und abrechnen kann; amtlich seit dem PERT/COST-Leitfaden von Verteidigungsministerium und NASA (1962). 3
- Puffer – Zeit, um die sich ein Vorgang verschieben darf, ohne den Endtermin zu verschieben; Vorgänge auf dem kritischen Weg haben keinen. 3
R
- Referenzklassenprognose – Schätzung eines Vorhabens aus den Ergebnissen einer Klasse ähnlicher, abgeschlossener Projekte statt aus dem eigenen Plan; Flyvbjerg und Kahneman, vom britischen Finanzministerium 2004 vorgeschrieben. 7
S
- Scrum – Rahmenwerk aus Rollen, Ereignissen und Artefakten, in dem ein selbstorganisiertes Team in Sprints jeweils ein nutzbares Stück Produkt fertigstellt und den Plan danach neu ordnet; Sutherland und Schwaber, 1993 bis 1995, nach einem Aufsatz von Takeuchi und Nonaka (1986). 6
- Spiralmodell – Vorgehen von Boehm (1986), das ein Projekt in immer größeren Runden dieselben Schritte durchlaufen lässt und in jeder Runde das größte Risiko zuerst angeht; erstes anerkanntes Modell der Software in Schleifen statt Phasen. 5
- Sprint – Fester Abschnitt von meist zwei bis vier Wochen in Scrum, in dem das Team ein lieferbares Inkrement fertigstellt, mit Planung am Anfang, Review und Retrospektive am Ende. 6
- Stage-Gate-Prozess – Produktentwicklung in Stufen mit Toren dazwischen, an denen entschieden wird, ob das Vorhaben weitergeht, umgebaut oder beendet wird; Cooper (1990). 5
W
- Wasserfallmodell – Entwicklung in festen, aufeinanderfolgenden Phasen, Anforderungen, Entwurf, Programmierung, Test, Betrieb, mit vollständiger Dokumentation an jedem Übergang; nach einem Bild von Royce (1970), der davor warnte. 4
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