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Glossar Open Source

Glossar Open Source

Alle Fachbegriffe des Beitrags Die Geschichte von Open Source in alphabetischer Reihenfolge. Die Zahl am Ende nennt den Abschnitt, in dem der Begriff eingeführt wird.

A

  • Abhängigkeit – Fremdes Paket, das ein Programm beim Bau oder im Betrieb einbindet; Abhängigkeiten ziehen ihre eigenen nach sich und bilden die Lieferkette. 7
  • AGPL – Affero General Public License: Fassung der GPL, die das Copyleft auch auf Programme ausdehnt, die nur als Dienst im Netz betrieben werden; seit 2024 Lizenz von Elasticsearch, seit 2025 von Redis. 7
  • Android – Betriebssystem für Telefone mit Linux als Kern und einer Oberfläche unter der Apache-Lizenz, 2007 angekündigt, 2008 erschienen; läuft auf gut sieben von zehn Smartphones. 6
  • Apache – Webserver, 1995 aus Flicken für den Server des NCSA entstanden, ab 1996 der meistgenutzte; die Apache Software Foundation (1999) wurde das Vorbild aller Stiftungen. 4
  • Apache-Lizenz – Freizügige Lizenz der Apache Software Foundation; die Fassung 2.0 (2004) enthält als erste verbreitete Lizenz eine ausdrückliche Patenterlaubnis der Beitragenden. 5

B

  • Basar – Raymonds Bild für die Entwicklung von Linux: viele Beitragende, frühe und häufige Veröffentlichungen, Nutzer als Mitentwickler; Gegenbild zur Kathedrale. 4
  • Berkeley Software Distribution (BSD) – Unix-Variante der University of California, ab 1977 von Bill Joy zusammengestellt; brachte 1983 TCP/IP und die Sockets; nach dem Prozess mit AT&T ab 1994 frei (FreeBSD, NetBSD, OpenBSD). 2
  • Bermuda-Prinzipien – Vereinbarung des Genomprojekts von 1996, entzifferte Sequenzen binnen 24 Stunden freizugeben; machte offene Daten zur Norm der Biologie. 6
  • BSD-Lizenz – Freizügige Lizenz von Berkeley (1990), die alles erlaubt, solange der Urheberhinweis bleibt; die Pflicht zur Nennung in der Werbung wurde 1999 gestrichen. 3
  • Business Source License (BSL) – Source-available-Lizenz, die den Wettbewerb mit dem Hersteller untersagt und den Code nach einigen Jahren freigibt; 2023 von HashiCorp für Terraform gewählt. 7

C

  • Cloud – Vermietung von Rechenleistung und Diensten über das Netz, seit 2006 (Amazon); läuft auf Linux und offenen Werkzeugen, gibt aber als Dienst keinen Code weiter. 6
  • Compiler – Programm, das Quelltext in Maschinencode übersetzt. 1
  • Container – Verpackung eines Programms mit allem, was es braucht, so dass es überall gleich startet; Docker (2013) und Kubernetes (2014). 6
  • Contributor License Agreement (CLA) – Vereinbarung, mit der ein Beitragender einer Firma oder Stiftung das Recht einräumt, seinen Code unter beliebiger Lizenz zu verwenden; Voraussetzung der Lizenzwechsel von 2018 bis 2024. Der Linux-Kern verlangt stattdessen nur das Developer Certificate of Origin. 7
  • Copyleft – Stallmans Kunstgriff: Das Urheberrecht wird genutzt, um zu verlangen, dass geänderte und weitergegebene Fassungen unter derselben Lizenz und mit Quelltext bleiben; verwirklicht in der GPL. 3
  • Creative Commons – Lizenzen von 2002 für Texte, Bilder und Musik nach dem Vorbild freier Softwarelizenzen, in Abstufungen. 6
  • Cyber Resilience Act – EU-Verordnung von 2024, die Hersteller vernetzter Produkte für deren Sicherheit haftbar macht, mit Pflichten ab 2027; nimmt nichtkommerzielle Open-Source-Entwicklung aus. 7

D

  • Debian – 1993 von Ian Murdock gegründete Distribution, die als Gemeinschaftsprojekt ohne Firma besteht; ihr Gesellschaftsvertrag und die Debian Free Software Guidelines (1997) wurden die Vorlage der Open Source Definition. 4
  • Digitale Souveränität – Fähigkeit eines Staates oder einer Organisation, die eigene Infrastruktur zu verstehen, zu ändern und zu betreiben, ohne von einem Hersteller abhängig zu sein; seit den 2020er Jahren die Begründung für Open Source in Behörden. 8
  • Distribution – Zusammenstellung aus Linux-Kern, GNU-Werkzeugen, Anwendungen und Installationsprogramm, die ein benutzbares Betriebssystem ergibt; etwa Debian, Slackware, SUSE, Red Hat. 4
  • Doppellizenz – Geschäftsmodell, bei dem ein Programm kostenlos unter der GPL und gegen Geld unter einer anderen Lizenz angeboten wird; etwa MySQL und Qt. 5

E

  • European Union Public Licence (EUPL) – Lizenz der Europäischen Kommission (2007) mit schwachem Copyleft, in allen Amtssprachen gleichermaßen verbindlich, für Software der Verwaltungen. 7

F

  • Fork – Abspaltung des Quelltexts eines Projekts in ein neues unter neuem Namen, die jede Open-Source-Lizenz erlaubt; auf GitHub auch die eigene Kopie für einen Pull Request. 6
  • Free Software Foundation (FSF) – 1985 von Stallman gegründete Stiftung, die GNU trägt, die GPL herausgibt und die Definition freier Software pflegt. 3
  • Freie Software – Software, die die vier Freiheiten gewährt; der ältere Name für dieselbe Sache wie Open Source, mit der Freiheit des Nutzers als Begründung. 3
  • Freizügige Lizenz – Lizenz (permissive license), die alles erlaubt, auch den Einbau in verschlossene Produkte, meist nur mit der Pflicht zum Urheberhinweis; MIT, BSD, Apache. 3

G

  • GCC – GNU C Compiler, erschienen 1987; der Compiler, mit dem die Industrie freie Software annahm, lange bevor sie die Begründung teilte. 3
  • Gemeinfreiheit – Verzicht auf alle Rechte an einem Werk (Public Domain), etwa bei SQLite; CC0 (2009) ist die Erklärung dafür. 5
  • Git – Verteilte Versionsverwaltung, die Torvalds im April 2005 für den Linux-Kern schrieb; heute das Werkzeug fast aller Programmierer. 6
  • GitHub – Dienst von 2008, der Git-Projekte beherbergt und den Pull Request einführte; über 180 Millionen Konten, seit 2018 im Besitz von Microsoft. 6
  • GNU – „GNU’s Not Unix“: das freie, zu Unix verträgliche Betriebssystem, das Stallman 1983 ankündigte; lieferte Compiler, Editor, Shell und Werkzeuge, aber keinen fertigen Kern. 3
  • GNU General Public License (GPL) – Copyleft-Lizenz der FSF: Fassung 1 von 1989, Fassung 2 von 1991 (Lizenz des Linux-Kerns), Fassung 3 von 2007. 3

H

  • Hacker – Programmierer, der ein System bis in den letzten Winkel verstehen will; am MIT der 1960er und 1970er Jahre eine Kultur des Teilens, erst später auch ein Wort für Einbrecher. 2
  • Heartbleed – Fehler in OpenSSL, bekannt am 7. April 2014, der das Auslesen von Serverspeicher erlaubte; machte sichtbar, dass die Infrastruktur des Netzes von wenigen Unbezahlten gepflegt wird. 6

K

  • Kathedrale – Raymonds Bild für die Entwicklung durch ein geschlossenes Team, das selten und nach langer Prüfung veröffentlicht. 4
  • KDE – Grafische Arbeitsumgebung für Linux, 1996 von Matthias Ettrich begonnen; der Streit um die Lizenz der Bibliothek Qt führte zu GNOME und 2000 zur Freigabe von Qt. 4
  • Kern (Kernel) – Teil eines Betriebssystems, der Prozessor, Speicher und Geräte verwaltet und den Programmen zuteilt; bei GNU fehlte er, Linux lieferte ihn. 3
  • Kernel Enforcement Statement – Erklärung der Linux-Entwickler von 2017, Lizenzverstöße zuerst mit einer Frist zur Heilung zu ahnden; Antwort auf Abmahnungen, denen es um Geld ging. 7
  • Kryptokriege – Streit der 1990er Jahre um die Ausfuhr starker Verschlüsselung aus den USA; endete 1999 mit der Einstufung von Quelltext als geschützter Rede und 2000 mit der Freigabe veröffentlichten Codes. 8

L

  • LAMP – Kürzel der c’t (1998) für Linux, Apache, MySQL und PHP, den kostenlosen Baukasten für Dienste im Web. 4
  • LGPL – Lesser (ursprünglich Library) General Public License der FSF (1991): schwaches Copyleft für Bibliotheken, die auch in unfreie Programme eingebunden werden dürfen. 3
  • Lieferkette – Die Kette der Abhängigkeiten, aus denen ein Programm zusammengesetzt ist; verwundbar durch Fehler, Sabotage oder Hintertüren tief im Baum (left-pad, Log4Shell, xz). 7
  • Linus’ Gesetz – Raymonds Formel „Mit genügend Augen sind alle Fehler flach“: Bei genügend Prüfern wird jeder Fehler schnell gefunden. 4
  • Linux – Betriebssystemkern, den Linus Torvalds 1991 begann und 1992 unter die GPL stellte; mit den GNU-Werkzeugen das freie System, das heute Server, Telefone und Supercomputer trägt; Version 7.0 im April 2026. 4
  • Linux Foundation – 2007 aus den Open Source Development Labs entstandene Stiftung, die den Namen Linux schützt, Torvalds bezahlt und mit Beiträgen der Industrie Projekte trägt. 5
  • Lizenz – Erlaubnis, ein Programm unter Bedingungen zu benutzen, die der Rechteinhaber festlegt; bei verschlossener Software beschränkt sie, bei Open Source erlaubt sie. 1
  • Log4Shell – Lücke in der Java-Bibliothek Log4j, bekannt am 10. Dezember 2021, die mit einer Textzeile fremden Code ausführen ließ; Lehrstück über die Lieferkette. 7

M

  • Maintainer (Betreuer) – Person, die einen Teilbereich eines Projekts verantwortet, Patches prüft und zusammenführt; im Linux-Kern seit den 1990er Jahren die Hierarchie unter Torvalds. 4
  • Maschinencode – Die Folge von Befehlen, die der Prozessor ausführt; aus dem Quelltext übersetzt, für Menschen kaum lesbar. 1
  • Minix – Kleines Unix-ähnliches Lehrsystem von Andrew Tanenbaum (1987), dessen Quelltext im Lehrbuch stand; Vorbild und Anstoß für Linux. 3
  • MIT-Lizenz – Kürzeste und meistverwendete freizügige Lizenz, Mitte der 1980er Jahre am MIT für das X Window System entstanden. 3
  • Mozilla Public License (MPL) – Lizenz mit schwachem Copyleft je Datei, 1998 für Mozilla geschrieben, seit Fassung 2.0 (2012) mit der GPL verträglich; Lizenz von Firefox und LibreOffice. 5

N

  • Nachhaltigkeit – Frage, ob die Pflege offener Software, von der alle leben, bezahlt wird und ihre Träger durchhalten; seit Heartbleed (2014) der Kern der Debatte. 6

O

  • Open Source – Software, deren Quelltext offenliegt und die jeder benutzen, lesen, ändern und weitergeben darf; Name von 1998, Definition der OSI mit zehn Kriterien. 5
  • Open Source Definition – Zehn Kriterien der OSI (1998, aus den Debian-Richtlinien), die eine Lizenz erfüllen muss: freie Weitergabe, Quelltext, abgeleitete Werke, kein Ausschluss von Personen oder Zwecken. 5
  • Open Source Initiative (OSI) – 1998 von Perens und Raymond gegründete Organisation, die den Begriff pflegt und Lizenzen prüft. 5
  • Open Source Intelligence (OSINT) – Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen durch Nachrichtendienste; teilt mit Open-Source-Software nur das Wort. 8
  • Open-Source-Steward – Rolle im Cyber Resilience Act: Organisation, die Open-Source-Projekte betreut und dafür leichtere Pflichten trägt als ein Hersteller. 7

P

  • Paketverwaltung – Verteilung von Programmen als Pakete mit Angabe ihrer Abhängigkeiten und ein Werkzeug zum Installieren und Aktualisieren; dpkg, RPM, später npm und pip. 4
  • Patch – Liste geänderter Zeilen, mit der eine Änderung an einen Betreuer geschickt wird; die Form der Mitarbeit per E-Mail. 4
  • Pull Request – Bitte an den Betreuer, eine Änderung aus einem Fork zu übernehmen, mit öffentlicher Diskussion; von GitHub 2008 eingeführt. 6

Q

  • Quelltext – Fassung eines Programms, die Menschen schreiben und lesen, in einer Programmiersprache; Grundlage jeder Änderung. 1

R

  • Research Software Engineer – Beruf, seit 2012 so benannt, der Software für die Forschung so baut und pflegt, dass sie nachprüfbar bleibt und den Aufsatz überlebt. 6

S

  • Schwaches Copyleft – Copyleft, das nur für die Bibliothek oder die einzelne Datei gilt und den Einbau in unfreie Programme erlaubt; LGPL, MPL, EPL, CDDL. 5
  • SELinux – Von der NSA entwickeltes Rechtemodell, im Dezember 2000 unter der GPL freigegeben, seit 2003 im Linux-Kern; lässt jedem Prozess nur die Rechte, die eine Regel ihm zuweist, und arbeitet allein auf dem eigenen Rechner. 8
  • SHARE – 1955 gegründete Vereinigung der Nutzer von IBM-Rechnern, die Programme mit Quelltext tauschte; die erste Form der Zusammenarbeit an Software. 1
  • Sockets – Schnittstelle von 4.2BSD (1983), über die Programme Netzverbindungen aufbauen; bis heute in jedem Betriebssystem. 2
  • Software Bill of Materials (SBOM) – Stückliste aller Bestandteile eines Programms, seit 2021 in den USA von Lieferanten der Regierung verlangt. 7
  • Softwarepatent – Patent auf eine Idee statt auf einen bestimmten Quelltext; die EU-Richtlinie dazu lehnte das Parlament 2005 ab. 5
  • Source available – Modell, bei dem der Quelltext lesbar ist, die Lizenz aber Nutzer oder Zwecke ausschließt (SSPL, BSL); nach der Definition der OSI kein Open Source. 7
  • Sovereign Tech Fund – Förderung des Bundes seit 2022 für die Pflege von Grundbausteinen, die alle nutzen und niemand bezahlt; seit 2024 Sovereign Tech Agency. 7
  • SPDX – Kurzcodes der Linux Foundation (seit 2010) für Lizenzen, etwa „GPL-2.0-only“, mit denen Quelldateien und Stücklisten die Lizenz maschinenlesbar nennen. 7
  • SSPL – Server Side Public License von MongoDB (2018): verlangt von jedem, der das Programm als Dienst anbietet, den gesamten Dienst zu öffnen; von der OSI nicht als Open Source anerkannt. 7
  • Stiftung – Neutraler Träger eines Projekts, der Name und Marke hält und die Mitsprache regelt; Apache, Eclipse, Linux Foundation, Cloud Native Computing Foundation. 6
  • Support – Geschäftsmodell, bei dem nicht das Programm verkauft wird, sondern geprüfte Fassungen, Aktualisierungen und Hilfe im Abonnement; Red Hat seit 2002. 5

T

  • Tivoisierung – Aussperren geänderter freier Software durch Signaturen auf einem Gerät, benannt nach dem Videorekorder TiVo; von der GPL 3 untersagt, vom Linux-Kern nicht übernommen. 6

U

  • Unbundling – IBMs Entscheidung von 1969, Software getrennt von der Hardware zu berechnen; machte Software zur Ware. 1
  • Unix – Betriebssystem der Bell Labs (1969), das wegen eines Kartellvergleichs mit Quelltext an Universitäten ging und die Kultur des Teilens begründete; nach 1984 Produkt von AT&T. 2
  • Unverträglichkeit – Zwei Lizenzen sind unverträglich, wenn Code unter beiden nicht zu einem Programm verbunden werden darf; etwa GPL 2 und CDDL, weshalb ZFS nicht in den Linux-Kern darf. 5
  • Urheberrecht – Recht des Schöpfers eines Werks, über dessen Vervielfältigung zu bestimmen; für Programme seit 1980 (USA) und 1985 (Deutschland) ausdrücklich; Grundlage jeder Lizenz. 1

V

  • Verteilte Versionsverwaltung – Versionsverwaltung, bei der jeder Beteiligte die vollständige Geschichte des Projekts besitzt und ohne zentralen Server arbeitet; Git. 6
  • Vier Freiheiten – Definition freier Software der FSF: ein Programm zu jedem Zweck ausführen, seinen Quelltext studieren und ändern, Kopien weitergeben, geänderte Fassungen veröffentlichen. 3

X

  • X Window System – Grundlage grafischer Oberflächen auf Unix, Mitte der 1980er Jahre am MIT entstanden; Ursprung der MIT-Lizenz. 3
  • xz – Kompressionswerkzeug, in das ein Unbekannter 2022 bis 2024 eine Hintertür einbaute, entdeckt am 29. März 2024; Lehrstück über Vertrauen in der Lieferkette. 7
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