Die Geschichte von Open Source
Erstfassung 21. Oktober 2026, zuletzt geändert am 24. Oktober 2026 · Andreas Stockter
Open Source bezeichnet Software, deren Quelltext offenliegt und die jeder benutzen, lesen, verändern und weitergeben darf, weil ihr Urheber das in einer Lizenz erlaubt hat. Der Name ist seit 1998 in Gebrauch, die Sache ist älter als die Softwareindustrie. Heute steckt sie in fast allem, was rechnet: 97 Prozent der kommerziellen Programme, die eine Analyse 2025 untersuchte, enthalten offene Bausteine,1 sieben von zehn Smartphones laufen mit Android, dessen Kern Linux ist,2 alle 500 schnellsten Rechner der Welt laufen unter Linux,3 und die Server des Internets tun es in der großen Mehrheit. Wer Open Source sagt, meint zweierlei zugleich: eine rechtliche Form, die Lizenz, und eine Arbeitsweise, bei der Fremde über das Netz gemeinsam an einem Programm arbeiten. Freie Software ist der ältere Name für dieselbe Sache mit einem anderen Akzent: Freiheit des Nutzers als Prinzip, nicht Nutzen als Argument. Dieser Text verwendet beide Wörter dort, wo die Beteiligten sie verwendet haben.
Wie die Geschichte der KI, die Geschichte der Softwareentwicklung und die Geschichte des Internets folgt dieser Text einer Kette: Jede Epoche löst einen Engpass, den die vorherige offen gelassen hat, und schafft dabei den nächsten. Erst war der verschlossene Quelltext der Engpass, dann das verlorene gemeinsame System, dann der fehlende Kern, dann die Anerkennung durch die Wirtschaft, dann der Maßstab der Zusammenarbeit, dann Pflege, Geld und Vertrauen, zuletzt die Frage, was „offen“ heißt, wenn Staaten und Maschinen den Code nutzen. Die Geschichte der Softwareentwicklung streift Open Source in ihrem fünften Abschnitt; hier wird die Geschichte ganz erzählt. Jeder Fachbegriff wird an der Stelle fett gesetzt, an der er erklärt wird, und erst danach verwendet. Ein Glossar listet alle Begriffe alphabetisch.
Inhalt: 1 Vorgeschichte · 2 Unix und die Hacker · 3 GNU und Freie Software · 4 Linux und der Basar · 5 Open Source und die Firmen · 6 Git, GitHub, Infrastruktur · 7 Cloud, Lizenzen, Lieferkette · 8 Souveränität und KI · Kette · Zeitleiste · Weiterlesen · Quellen
1. Vorgeschichte: Software als Beigabe (1950er–1970er)
Quelltext und Programm. Ein Programm existiert in zwei Formen. Der Quelltext ist die Fassung, die Menschen schreiben und lesen, in einer Programmiersprache wie Fortran, C oder Python. Ein Compiler übersetzt ihn in Maschinencode, die Folge von Befehlen, die der Prozessor ausführt (die Geschichte der Softwareentwicklung erzählt, wie beides entstand). Maschinencode lässt sich ausführen, aber kaum lesen und nur mit großem Aufwand ändern; die Namen, Kommentare und die Gliederung, die den Quelltext verständlich machen, gehen bei der Übersetzung verloren. Wer ein Programm nur als Maschinencode bekommt, kann es benutzen, aber nicht nachvollziehen, was es tut, keinen Fehler beheben und es nicht an eigene Zwecke anpassen. Ob ein Programm offen oder verschlossen ist, entscheidet sich also an einer Frage: Bekommt der Nutzer den Quelltext, und was darf er damit tun?
Programme als Beigabe. In den 1950er Jahren wurde Software weder verkauft noch versteckt. Computer wurden gemietet, nicht gekauft, und der Hersteller lieferte die Programme, die er hatte, mit der Maschine, im Preis inbegriffen; den Rest schrieben die Kunden selbst. Jede Installation war anders, und was ein Rechenzentrum für seinen Rechner geschrieben hatte, musste das nächste anpassen. Daraus entstand ein Tausch: Im August 1955 gründeten Nutzer des IBM 701 in Los Angeles die Vereinigung SHARE, die Programme ihrer Mitglieder sammelte und auf Magnetband verteilte, mitsamt dem Quelltext, denn ohne ihn war ein Programm an einem anderen Ort nutzlos.4 Für die Rechner von DEC folgte 1961 die DECUS. An den Universitäten galt ohnehin die Regel der Wissenschaft: Was man gefunden hat, veröffentlicht man. Die Zeitschrift der ACM druckte ab 1960 Algorithmen als Quelltext in Algol ab, damit andere sie prüfen und verwenden konnten. Software war ein Nebenprodukt der Hardware und ein Gegenstand des Austauschs, kein Geschäft.
Das Unbundling. Das änderte sich mit einer Entscheidung von IBM. Am 23. Juni 1969 kündigte die Firma an, Software und Dienstleistungen vom 1. Januar 1970 an getrennt von der Hardware zu berechnen, auch unter dem Druck eines Kartellverfahrens, das die Regierung im Januar 1969 eröffnet hatte. Dieses Unbundling machte Software zur Ware mit eigenem Preis.5 Eine Softwareindustrie gab es schon in Ansätzen, Firmen wie Applied Data Research verkauften seit 1965 fertige Programme, aber nun wurde sie zum eigenen Zweig mit tausenden Firmen.6 Mit dem Preis kam das Geheimnis. Wer ein Programm verkauft, will nicht, dass der Kunde es kopiert und weitergibt, und wer es kopieren kann, zahlt nicht. Die Hersteller lieferten daher nur noch den Maschinencode, hielten den Quelltext als Geschäftsgeheimnis zurück und verkauften das Programm nicht, sondern vergaben eine Lizenz: eine Erlaubnis, es unter Bedingungen zu benutzen, die der Hersteller festlegt.
Das Urheberrecht. Dass eine Lizenz überhaupt nötig ist, liegt am Urheberrecht, dem Recht des Schöpfers eines Werks, dessen Vervielfältigung zu erlauben oder zu verbieten. Ob Programme Werke in diesem Sinn sind, war lange unklar; das amerikanische Copyright Office nahm sie ab 1964 vorsichtshalber zur Registrierung an. Eine Regierungskommission empfahl 1978 den Schutz, der Kongress schrieb ihn 1980 ins Gesetz, und 1983 entschied ein Berufungsgericht im Streit zwischen Apple und dem Nachbauer Franklin, dass auch der Maschinencode geschützt ist, nicht nur der Quelltext.7 In Deutschland nannte das Urheberrechtsgesetz Programme ab 1985 ausdrücklich, und eine europäische Richtlinie von 1991 vereinheitlichte den Schutz.8 Diese Entscheidungen schufen die Grundlage für beide Seiten: Weil der Urheber über Kopien bestimmt, kann er sie verbieten, und er kann sie unter Bedingungen erlauben. Alles, was später Open Source hieß, ist Urheberrecht, das zur Erlaubnis statt zum Verbot verwendet wird.
Der Brief an die Hobbyisten. Wie die neue Haltung aussah, zeigte ein Brief vom Februar 1976. Bill Gates, 20 Jahre alt, hatte mit Paul Allen einen BASIC-Interpreter für den Heimcomputer Altair geschrieben, und die Mitglieder des Homebrew Computer Club in Kalifornien, der Keimzelle der Heimcomputer, kopierten das Lochstreifenband untereinander. In seinem „Open Letter to Hobbyists“ rechnete Gates vor, dass die meisten Nutzer das Programm gestohlen hätten, und fragte, wer unter diesen Umständen noch gute Software schreiben solle.9 Der Brief markiert den Übergang: Für die Generation, die mit dem Heimcomputer kam, war Software von Anfang an Ware, in Folie eingeschweißt und ohne Quelltext.
Der Engpass. Am Ende dieser Epoche hatte der Nutzer eines Programms etwas in der Hand, das er nicht lesen konnte. Wenn es einen Fehler hatte, musste er auf den Hersteller warten; wenn es ihm nicht passte, konnte er es nicht ändern; wenn der Hersteller es aufgab, starb es mit ihm. Der verschlossene Quelltext war der Engpass, und die erste Antwort kam von einem System, das in einem Nebenraum der Telefongesellschaft entstanden war.
Selbst ausprobieren. Jedes Smartphone enthält Open Source, und die Lizenzen verlangen, die Urheber zu nennen. Auf Android: Einstellungen → Über das Telefon (oder System) → Rechtliche Hinweise → Open-Source-Lizenzen; auf dem iPhone: Einstellungen → Allgemein → Info → Rechtliche Hinweise. Die Liste ist hunderte Bildschirmseiten lang. Auch der Browser zeigt sie: In Firefox öffnet die Adresse about:license die Lizenzen aller enthaltenen Bausteine, in Chrome chrome://credits.
2. Unix und die Hacker (1969–1983)
Unix. 1969 begannen Ken Thompson und Dennis Ritchie in den Bell Laboratories, der Forschungsabteilung des Telefonmonopols AT&T, auf einem ausrangierten Kleinrechner PDP-7 ein Betriebssystem zu schreiben, das sie Unix nannten. Es war klein, bestand aus Werkzeugen, die sich über Datenströme verbinden ließen, und wurde 1973 in der eigens dafür entworfenen Sprache C neu geschrieben, so dass es sich mit vertretbarem Aufwand auf andere Rechner übertragen ließ. 1974 beschrieben die beiden es in einer Fachzeitschrift.10 Was Unix für diese Geschichte wichtig macht, ist weniger die Technik als der Vertrag, unter dem es verbreitet wurde. Ein Kartellvergleich von 1956 verpflichtete AT&T, sich auf das Telefongeschäft zu beschränken und ihre Patente zu lizenzieren; Software zu verkaufen war der Firma verwehrt.11 Also gab Bell Labs Unix gegen eine geringe Gebühr an Universitäten ab, ohne Unterstützung, ohne Gewähr, aber mit dem vollständigen Quelltext. Gerade das zwang die Nutzer, das System selbst zu verstehen und zu verbessern.
Das Buch von Lions. 1976 schrieb John Lions an der Universität New South Wales in Sydney für seine Studenten einen Kommentar zur sechsten Ausgabe von Unix: der gesamte Quelltext des Kerns, rund 9.000 Zeilen, mit Erläuterungen Zeile für Zeile. Das Buch wurde in Fotokopien um die Welt gereicht, weil AT&T den Nachdruck nach einem Lizenzwechsel untersagte, und blieb zwanzig Jahre das meistkopierte Dokument der Informatik, bis es 1996 wieder erscheinen durfte.12 Eine Generation von Programmierern lernte an diesem Text, wie ein Betriebssystem gebaut ist. Das war die Kultur, die Unix hervorbrachte: Der Quelltext war Lehrbuch, Werkzeug und Gesprächsgegenstand zugleich.
Berkeley. An der University of California in Berkeley, wohin Thompson 1975 für ein Jahr zurückgekehrt war, begannen Studenten, Unix zu erweitern. Bill Joy stellte 1977 die erste Berkeley Software Distribution (BSD) zusammen, ein Band mit Ergänzungen zu AT&Ts Unix, darunter der Editor vi und eine Pascal-Umgebung. Ab 1980 finanzierte die Forschungsagentur DARPA die Arbeit, weil sie für das ARPANET ein gemeinsames Betriebssystem brauchte, und 4.2BSD von 1983 enthielt die erste verbreitete Umsetzung der Internetprotokolle TCP/IP, mit der Schnittstelle der Sockets, die bis heute jedes Programm benutzt, das über das Netz spricht (die Geschichte des Internets erzählt, wie die Protokolle entstanden).13 BSD wurde zum Unix der Universitäten und Forschungsnetze. Wer es nutzen wollte, brauchte aber weiterhin eine Lizenz von AT&T, denn es enthielt deren Code.
Die Hacker. Parallel dazu war am MIT eine eigene Kultur gewachsen, deren Mitglieder sich Hacker nannten: Programmierer, die ein System bis in den letzten Winkel verstehen wollen und ihre Kunst am Umgehen von Grenzen messen. Das Wort meinte Könnerschaft, nicht Einbruch; die zweite Bedeutung kam erst in den 1980er Jahren durch Presse und Gerichte hinzu. Im Labor für Künstliche Intelligenz gab es keine Passwörter, jeder durfte jedes Programm lesen und ändern, und der Journalist Steven Levy fasste die ungeschriebenen Regeln 1984 als „Hacker-Ethik“ zusammen, deren Kern lautete, dass Information frei fließen solle.14 Richard Stallman, seit 1971 am Labor, erlebte 1980 ein Ereignis, das er später als Wendepunkt beschrieb: Für den neuen Laserdrucker des Labors, ein Geschenk von Xerox, bekam er den Quelltext der Steuersoftware nicht, weil deren Autor eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben hatte. Er konnte den Drucker nicht so verbessern, wie er es mit dem alten getan hatte, und niemand durfte ihm helfen.15
Die Wende. Zu Beginn der 1980er Jahre zerbrach die Welt, in der Quelltext selbstverständlich war, an zwei Stellen zugleich. Am MIT gründeten Mitglieder des Labors 1980 die Firmen Symbolics und LMI, um Lisp-Maschinen zu verkaufen, warben die besten Hacker ab und stellten die Software der Maschinen unter Verschluss; innerhalb von zwei Jahren war die Gemeinschaft des Labors zerstreut.15 Bei AT&T löste sich 1982 die Fessel von 1956: Die Firma willigte in ihre Zerschlagung ein, die am 1. Januar 1984 wirksam wurde, und durfte im Gegenzug in das Computergeschäft einsteigen.16 Unix wurde zum Produkt. System III (1982) und System V (1983) kosteten kommerzielle Kunden zehntausende Dollar, die Lizenz für die Universitäten wurde strenger, und schon die siebte Ausgabe von 1979 hatte verboten, den Quelltext in der Lehre zu verwenden; Lions’ Buch durfte nicht mehr nachgedruckt werden. Hersteller wie Sun, HP und IBM bauten aus System V und BSD eigene Varianten, die untereinander unverträglich waren und deren Quelltext sie zurückhielten; die „Unix-Kriege“ der folgenden Jahre waren ein Streit um Standards zwischen verschlossenen Produkten.
Der Engpass. Die Gemeinschaft hatte ein gemeinsames System gehabt, an dem jeder lesen, lernen und mitbauen konnte, und sie verlor es. Unix gehörte AT&T, BSD hing an AT&Ts Lizenz, und die Werkzeuge, auf denen das Netz der Universitäten lief, waren plötzlich Betriebsgeheimnis. Wer die alte Arbeitsweise behalten wollte, musste ein ganzes System neu schreiben, von Grund auf, ohne eine Zeile fremden Codes, und er musste es rechtlich so absichern, dass ihm nicht wieder jemand den Quelltext wegnehmen konnte.
Selbst ausprobieren. Die Werkzeuge von Unix sind heute auf fast jedem Rechner. Auf einem Mac, unter Linux oder in der Android-App Termux zeigt uname -a den Kern, und cat /proc/version zeigt unter Linux auch, mit welchem Compiler er übersetzt wurde. ls | wc -l verbindet zwei Werkzeuge über einen Datenstrom, genau wie 1973: Das erste kann nicht zählen, das zweite nicht auflisten, zusammen zählen sie die Dateien im Verzeichnis.
3. GNU und die Freie Software (1983–1991)
Die Ankündigung. Am 27. September 1983 erschien in der Newsgroup net.unix-wizards eine Nachricht mit der Überschrift „new UNIX implementation“. Richard Stallman kündigte an, vom folgenden Thanksgiving an ein vollständiges, zu Unix verträgliches Betriebssystem zu schreiben und es jedem zu geben, der es brauchen könne. Er nannte es GNU, ein Kürzel für „GNU’s Not Unix“, und bat um Rechner, Geld und Mitarbeit.17 Im Januar 1984 kündigte er seine Stelle am MIT, damit das Institut keine Ansprüche auf das System erheben konnte, und begann, allein, mit einem Editor.
Das Manifest und die vier Freiheiten. Im März 1985 erklärte Stallman im „GNU Manifesto“ sein Ziel und seine Begründung: Software zu teilen sei die goldene Regel unter Programmierern, und wer einen Nutzer daran hindere, ein Programm weiterzugeben oder zu ändern, breche die Solidarität der Gemeinschaft.18 Er nannte seine Sache Freie Software und musste von Anfang an erklären, dass „frei“ nicht „kostenlos“ meint: frei wie in Freiheit, nicht wie in Freibier. Die Free Software Foundation (FSF), die er im Oktober 1985 gründete, fasste die Definition später in vier Freiheiten: Ein Programm ist frei, wenn jeder es zu jedem Zweck ausführen, seinen Quelltext studieren und ändern, Kopien weitergeben und geänderte Fassungen veröffentlichen darf. Der Zugang zum Quelltext ist dabei keine Freiheit für sich, sondern die Voraussetzung der zweiten und der vierten.19 Diese Definition unterscheidet nicht nach Preis, Zweck oder Person. Software, die man gratis bekommt, aber nicht ändern darf, ist nicht frei; Software, die man teuer kauft und dann mit allen Freiheiten besitzt, ist es.
Die Werkzeuge. Ein Betriebssystem besteht aus hunderten Programmen, und Stallman begann mit denen, die jeder Programmierer täglich braucht. GNU Emacs, der Editor, erschien 1985, der Debugger GDB 1986, und im März 1987 die erste Fassung des GCC, des GNU C Compilers, der bald besser optimierte als die Compiler der Hersteller und auf mehr Rechnern lief als irgendein anderer.20 Dazu kamen make, die Shell Bash (1989), die C-Bibliothek und die Dutzende kleinen Werkzeuge, aus denen Unix besteht. Die Qualität dieser Programme war das Argument, das die Industrie überzeugte, lange bevor sie die Begründung teilte: Wer einen Compiler für einen neuen Prozessor brauchte, nahm den GCC. Ebenfalls Mitte der 1980er Jahre entstand am MIT das X Window System, die Grundlage grafischer Oberflächen auf Unix, und mit ihm eine Lizenz, die heute als MIT-Lizenz die meistverwendete der Welt ist: wenige Sätze, die alles erlauben, solange der Urheberhinweis erhalten bleibt.21
Copyleft. Die Freiheit zu geben war einfach; schwierig war, sie zu erhalten. Wer sein Programm in die Gemeinfreiheit entließ, musste zusehen, wie Firmen es nahmen, verbesserten und als verschlossenes Produkt verkauften; genau das geschah mit X, das jeder Hersteller in eine eigene, unfreie Fassung einbaute. Stallmans Antwort war ein juristischer Kunstgriff, den er Copyleft nannte: Er behielt das Urheberrecht und erlaubte darauf gestützt jedem, das Programm zu kopieren, zu ändern und weiterzugeben, unter einer einzigen Bedingung: Wer es weitergibt, geändert oder nicht, muss es unter denselben Bedingungen weitergeben, mit Quelltext, und darf keine Beschränkung hinzufügen. Die Freiheit wird vererbt, und das Urheberrecht, das sonst Kopien verbietet, erzwingt hier, dass sie frei bleiben. Zuerst stand das in der Lizenz von Emacs (1985), ab Februar 1989 in einer Lizenz für alle GNU-Programme, der GNU General Public License (GPL); die Fassung 2 vom Juni 1991 ist bis heute die Lizenz des Linux-Kerns.22 Für Bibliotheken, die auch in unfreie Programme eingebunden werden sollten, schuf die FSF 1991 eine abgeschwächte Form, die Library (später Lesser) GPL.
Freizügig oder Copyleft. Damit standen sich zwei Lizenzfamilien gegenüber, und der Streit zwischen ihnen hält an. Die freizügigen Lizenzen (permissive licenses) von Berkeley und MIT erlauben alles, auch den Einbau in verschlossene Produkte; die BSD-Lizenz von 1990 verlangte neben dem Urheberhinweis noch eine Nennung in der Werbung, eine Klausel, die Berkeley 1999 strich.23 So kam der TCP/IP-Code aus Berkeley in fast jedes Betriebssystem, auch in Windows, ohne dass die Hersteller etwas zurückgeben mussten. Die GPL verlangt die Rückgabe und schließt damit aus, dass freie Software unfrei wird; dafür meiden Firmen sie, die ihre Änderungen behalten wollen. Die eine Seite sagt, Freiheit heiße auch die Freiheit, Software einzuschließen; die andere, eine Freiheit, die beim ersten Weiterreichen endet, sei keine. Beide Lizenzfamilien gelten als frei im Sinn der FSF, und beide sind in der heutigen Softwarewelt allgegenwärtig.
BSD vor Gericht. In Berkeley versuchte man unterdessen, das eigene Unix von AT&T zu lösen. 1989 erschien die Networking Release 1, der Netzwerkcode ohne eine Zeile von AT&T, 1991 die Net/2, bei der Freiwillige fast das ganze System neu geschrieben hatten; nur sechs Dateien fehlten. Eine Firma namens Berkeley Software Design (BSDi) ergänzte sie und verkaufte ab 1992 ein vollständiges Unix für PCs für 995 Dollar. AT&Ts Tochter Unix System Laboratories verklagte BSDi und die Universität wegen Verletzung ihrer Urheberrechte und Geschäftsgeheimnisse. Der Prozess endete im Januar 1994 mit einem Vergleich, nach dem drei Dateien entfernt und einige geändert wurden, und im Juni 1994 erschien 4.4BSD-Lite als freie Grundlage, aus der FreeBSD, NetBSD und 1995 OpenBSD hervorgingen.24 Für die Geschichte zählt die Zeit dazwischen: Zwei Jahre lang, 1992 und 1993, war unklar, ob man BSD überhaupt benutzen durfte, und genau in diesen zwei Jahren wuchs ein anderer Kern heran.
Minix. Andrew Tanenbaum, Professor in Amsterdam, hatte 1987 für sein Lehrbuch über Betriebssysteme ein kleines Unix-ähnliches System geschrieben, Minix, dessen 12.000 Zeilen Quelltext im Buch abgedruckt waren, weil AT&T die Lehre mit dem echten Unix untersagt hatte.25 Minix lief auf einem PC, und Studenten in aller Welt lasen es. Seine Lizenz erlaubte aber nicht, geänderte Fassungen frei zu verbreiten, und Tanenbaum wollte es als Lehrmittel klein halten, statt es als Werkzeug wachsen zu lassen.
Der fehlende Kern. 1990 hatte GNU fast alles: Compiler, Editor, Shell, Bibliothek, Werkzeuge. Was fehlte, war der Kern (Kernel), der Teil des Systems, der Prozessor, Speicher und Geräte verwaltet und den Programmen zuteilt. Die FSF hatte sich für einen Mikrokern auf der Grundlage von Mach entschieden, den GNU Hurd, dessen Entwicklung 1990 begann und sich über Jahre hinzog.26 Freie Software war eine Werkzeugsammlung ohne Fundament; wer sie benutzen wollte, brauchte dazu ein unfreies Unix. Der Engpass war der Kern.
Selbst ausprobieren. Die GNU-Werkzeuge melden sich selbst: bash --version oder gcc --version zeigen in der zweiten Zeile „Copyright (C) … Free Software Foundation, Inc.“ und die Lizenz, meist „GPLv3+“. Wer wissen will, was das Copyleft genau verlangt, liest den Abschnitt 3 der GPL in der Fassung 2 (gnu.org/licenses/gpl-2.0.html): Er regelt in wenigen Absätzen, wie der Quelltext beim Weitergeben eines Programms mitzuliefern ist.
4. Linux und der Basar (1991–1997)
Ein Hobby aus Helsinki. Am 25. August 1991 schrieb ein 21-jähriger Student der Universität Helsinki in die Newsgroup comp.os.minix, er arbeite an einem freien Betriebssystem, „nur ein Hobby, wird nicht groß und professionell wie gnu“, für PCs mit dem Prozessor 386, und bat um Wünsche. Linus Torvalds hatte Minix auf seinem neuen Rechner benutzt und sich über dessen Grenzen geärgert; aus einem Programm zum Umschalten zwischen zwei Aufgaben war ein Kern geworden. Am 17. September legte er die Version 0.01 auf einen Server der Universität, am 5. Oktober die Version 0.02, die mit dem GCC und der Bash lief: Die Werkzeuge von GNU hatten endlich einen Kern, nur nicht den geplanten.27 Das Programm hieß Linux, ein Name, den der Verwalter des Servers gewählt hatte, weil Torvalds seinen eigenen Vorschlag „Freax“ für eitel hielt. Seine erste Lizenz verbot die kommerzielle Nutzung; im Januar 1992 stellte Torvalds mit der Version 0.12 das System unter die GPL, weil andere ihm Erweiterungen schickten und er nichts verlangen wollte, was sie nicht auch mit seinem Code tun durften.28 Mit dieser Entscheidung war Linux an die Werkzeuge gebunden, die es nutzte, und an deren Lizenz; die FSF nennt das System deshalb GNU/Linux.
Die Debatte mit Tanenbaum. Am 29. Januar 1992 schrieb Tanenbaum in dieselbe Newsgroup unter der Überschrift „LINUX is obsolete“: Ein monolithischer Kern wie Linux sei ein Rückschritt gegenüber Mikrokernen, und ein System, das nur auf dem 386 laufe, habe keine Zukunft. Torvalds antwortete am selben Tag, scharf und mit Argumenten.29 Der Streit wurde zum Lehrstück, nicht wegen seines Ausgangs, sondern wegen seiner Form: Ein Student widersprach öffentlich einem Professor, die ganze Welt las mit, und entschieden wurde nicht durch Autorität, sondern durch den Code, der funktionierte. Genau so würde die Gemeinschaft um Linux von nun an ihre Fragen klären.
Das Modell. Linux war das erste große Programm, das von Anfang an über das Internet entstand. Wer eine Änderung hatte, schickte sie als Patch, als Liste der geänderten Zeilen, per E-Mail; Torvalds las, prüfte, nahm an oder lehnte ab und veröffentlichte neue Fassungen, sobald sie liefen, manchmal täglich. Die Version 1.0 vom März 1994 hatte 176.000 Zeilen, die Version 2.0 vom Juni 1996 lief auf mehreren Prozessoren und auf anderen Architekturen als dem PC und hatte 780.000 Zeilen.30 Mit den Beteiligten wuchsen die Rollen: Maintainer (Betreuer) übernahmen Teilbereiche wie ein Dateisystem oder einen Treiber, sammelten die Patches dafür und reichten sie gebündelt weiter, und die Mailingliste linux-kernel wurde zum Ort, an dem alles besprochen wurde, offen und archiviert. Es gab keine Firma, keinen Plan und keinen Vertrag, nur die Lizenz und die Regel, dass der Code zählt.
Distributionen. Ein Kern allein ist kein Betriebssystem. Dass Linux benutzbar wurde, verdankt es den Distributionen: Zusammenstellungen aus Kern, GNU-Werkzeugen, X, Anwendungen und einem Installationsprogramm, die jemand getestet und auf Datenträger gebracht hat. 1992 erschienen die ersten, 1993 Slackware von Patrick Volkerding und Debian, das Ian Murdock im August ankündigte und das als Gemeinschaftsprojekt ohne Firma bis heute besteht.31 In Nürnberg hatte sich 1992 die Firma S.u.S.E. gegründet, deren Distribution 1994 als erste deutsche erschien; in North Carolina folgte im November 1994 Red Hat. Mit den Distributionen kam die Paketverwaltung: Jedes Programm wird als Paket mit Angaben darüber verteilt, welche anderen Pakete es braucht, und ein Werkzeug installiert, aktualisiert und entfernt es samt Abhängigkeiten, dpkg bei Debian, RPM bei Red Hat. Debian legte 1997 in einem „Gesellschaftsvertrag“ fest, dass die Distribution ganz aus freier Software bestehen und nichts verbergen werde, und definierte in zehn Punkten, welche Lizenzen als frei gelten; diese Debian Free Software Guidelines wurden ein Jahr später zur Vorlage für die Definition von Open Source.32
Das Netz als Werkstatt. Linux war nicht allein. Das Internet, das in denselben Jahren öffentlich wurde (die Geschichte des Internets erzählt davon), lief auf freier Software, bevor jemand sie so nannte: das Namensystem auf BIND, die Post auf sendmail, die ersten Webserver auf dem Programm des NCSA. Als dessen Entwicklung 1994 stockte, sammelten acht Betreiber von Webservern im Februar 1995 ihre Flicken für das Programm zu einem gemeinsamen Server, den sie Apache nannten; im April 1996 war er nach den Zählungen von Netcraft der meistgenutzte Webserver der Welt und blieb es mehr als zwei Jahrzehnte.33 Die Apache Group entschied im Konsens, per Abstimmung auf der Mailingliste, und wurde 1999 zur Apache Software Foundation, der Vorform aller späteren Stiftungen. Dazu kamen Sprachen und Datenbanken, die jeder kostenlos bekam: Perl (1987), Python (1991), PHP (1995), MySQL (1995), PostgreSQL (1996). Die Zeitschrift c’t prägte 1998 für die Kombination aus Linux, Apache, MySQL und PHP das Kürzel LAMP: der Baukasten, mit dem jeder ohne Lizenzgebühr einen Dienst im Web starten konnte.34
KDE und GNOME. Dass die Gemeinschaft ihre Lizenzen ernst nahm, zeigte ein Streit um die Oberfläche. Matthias Ettrich, Student in Tübingen, rief am 14. Oktober 1996 zum Bau einer grafischen Arbeitsumgebung für Linux auf, die so bequem sein sollte wie Windows: KDE. Er baute auf die Bibliothek Qt der norwegischen Firma Trolltech, deren Lizenz Änderungen verbot. Für Debian und die FSF war KDE damit nicht frei, und im August 1997 begann Miguel de Icaza in Mexiko mit GNOME ein zweites Projekt mit demselben Ziel und ganz freien Bausteinen. Der Druck wirkte: Trolltech lockerte die Lizenz 1998 und stellte Qt im Jahr 2000 unter die GPL.35 Seither gibt es zwei große Oberflächen, und der Streit, ob man unfreie Teile dulden darf, um schneller voranzukommen, kehrt in jeder Generation wieder.
Die Kathedrale und der Basar. Warum funktionierte das? Eric Raymond, Programmierer und Chronist der Hacker-Kultur, stellte im Mai 1997 auf dem Linux-Kongress in Würzburg einen Aufsatz vor, der die Antwort zu geben versuchte: „The Cathedral and the Bazaar“. Die großen Programme, auch die von GNU, seien wie Kathedralen gebaut, von wenigen Meistern, in Ruhe, mit Veröffentlichung erst nach Fertigstellung. Linux sei ein Basar: Jeder trage bei, Veröffentlichungen kämen früh und oft, und die Nutzer würden als Mitentwickler behandelt. Daraus leitete er Regeln ab, von denen eine als Linus’ Gesetz bekannt wurde: Mit genügend Augen sind alle Fehler flach, das heißt, bei genügend Prüfern findet sich für jeden Fehler schnell jemand, dem er offensichtlich ist. Raymond belegte die Regeln an seinem eigenen Programm fetchmail, das er nach dem Vorbild von Linux entwickelt hatte.36 Der Aufsatz war weniger eine Theorie als eine Werbeschrift, und als solche wirkte er.
Der Engpass. Bis 1997 hatte sich gezeigt, dass Fremde über das Netz ein Betriebssystem bauen können, das mit den Produkten der Industrie mithält. Was fehlte, war die Industrie selbst. Firmen scheuten die GPL, weil ihre Juristen sie nicht kannten, sie scheuten das Wort „frei“, das nach kostenlos und nach Politik klang, und sie hatten niemanden, den sie anrufen konnten, wenn etwas nicht lief. Linux stand auf Servern, die Administratoren ohne Wissen ihrer Vorgesetzten aufgesetzt hatten. Damit es offiziell werden konnte, brauchte die Sache einen Namen, den ein Vorstand aussprechen mochte, und einen Beweis, dass man damit Geld verdienen kann.
Selbst ausprobieren. Torvalds’ erste Nachricht vom 25. August 1991 steht noch im Archiv der Newsgroups (Suche nach „What would you like to see most in minix“ in Google Groups). Die Mailingliste des Kerns ist unter lore.kernel.org zu lesen, mit jeder Nachricht seit den 1990er Jahren: Wer dort einen Tag verfolgt, sieht das Modell in Betrieb, Patches, Einwände, Zusagen. In Termux zeigt cat /proc/version, welcher Kern im eigenen Telefon läuft und wer ihn wann übersetzt hat.
5. Der Name Open Source und die Firmen (1998–2004)
Netscape. Der Beweis kam von einer Firma in Not. Netscape, dessen Browser 1995 das Web geöffnet hatte, verlor den Browserkrieg gegen Microsoft, das den Internet Explorer kostenlos mit Windows auslieferte (die Geschichte des Internets erzählt den Krieg). Am 22. Januar 1998 kündigte Netscape an, den Quelltext der nächsten Fassung seines Browsers freizugeben, und am 31. März 1998 lag er unter dem Namen Mozilla im Netz.37 Die Verantwortlichen beriefen sich ausdrücklich auf Raymonds Aufsatz: Wenn die eigene Firma den Browser nicht mehr halten konnte, sollte es die Welt tun. Es dauerte Jahre, bis aus dem Quelltext ein brauchbares Programm wurde, Firefox 1.0 erschien im November 2004, aber die Entscheidung einer bekannten Firma, ihr wichtigstes Produkt zu öffnen, war das Signal, auf das die Bewegung gewartet hatte.
Der Name. Zwei Wochen später, am 3. Februar 1998, trafen sich in Palo Alto einige Beteiligte, darunter Raymond und Larry Augustin, der Gründer der Firma VA Research, um zu beraten, wie sich die Gelegenheit nutzen ließe. Christine Peterson, die ein Institut für Nanotechnologie leitete, schlug einen neuen Namen vor, der das Missverständnis „kostenlos“ und den Beigeschmack des Moralischen vermeiden sollte: Open Source.38 Der Name setzte sich in wenigen Wochen durch, Torvalds übernahm ihn, und Ende Februar gründeten Bruce Perens und Raymond die Open Source Initiative (OSI), die ihn pflegen sollte. Perens schrieb aus den Debian-Richtlinien die Open Source Definition: Eine Lizenz gilt als Open Source, wenn sie die freie Weitergabe erlaubt, den Quelltext zugänglich macht, abgeleitete Werke zulässt, niemanden und keinen Verwendungszweck ausschließt, auch nicht das Militär oder die Konkurrenz, und nicht an ein bestimmtes Produkt gebunden ist, insgesamt zehn Kriterien.39 Die OSI prüft seither Lizenzen und führt eine Liste der anerkannten, heute über hundert.
Zwei Namen, eine Sache. Stallman lehnte den neuen Namen ab und tut es bis heute: Er verschweige, worum es gehe, nämlich die Freiheit des Nutzers, und mache aus einer ethischen Frage eine Entwicklungsmethode.40 In der Praxis meinen beide Namen fast dieselbe Menge von Programmen und Lizenzen; die Definitionen der FSF und der OSI führen in fast allen Fällen zum selben Urteil. Der Unterschied liegt in der Begründung, und er prägt bis heute zwei Lager: Die eine Seite spricht von Rechten und Pflichten, die andere von Qualität und Kosten. Wer sich nicht entscheiden will, sagt FOSS oder FLOSS, Free and Open Source Software.
Halloween. Dass die Sache ernst genommen wurde, zeigte der Gegner. Im Oktober 1998 gelangten interne Memoranden von Microsoft an Raymond, der sie zu Halloween veröffentlichte. Darin hieß es, Open Source sei eine unmittelbare Bedrohung für Umsatz und Plattform von Microsoft, die Qualität von Linux sei kommerziellen Produkten ebenbürtig, und als Gegenmittel wurde empfohlen, offene Protokolle um eigene Erweiterungen zu ergänzen, damit die freien Programme den Anschluss verlören.41 Die Dokumente waren für die Bewegung mehr wert als jede Werbung: Der größte Softwarehersteller der Welt hielt sie für gefährlich.
Das Geld. 1998 kündigten Oracle und Informix ihre Datenbanken für Linux an, IBM nahm den Apache in seinen eigenen Webserver auf, und im Dezember 2000 erklärte IBMs Vorstandschef Louis Gerstner, die Firma werde im folgenden Jahr eine Milliarde Dollar in Linux stecken.42 Die Börse folgte: Red Hat ging am 11. August 1999 an die Börse, der Kurs stieg am ersten Tag von 14 auf 52 Dollar, und VA Linux stellte am 9. Dezember 1999 mit einem Anstieg von 698 Prozent am ersten Handelstag einen Rekord auf, der bis heute steht.43 Wie man mit freier Software Geld verdient, war damit noch nicht beantwortet, und die Antworten, die sich fanden, bestimmen die Branche bis heute. Red Hat verkaufte ab 2002 nicht das Programm, sondern ein Abonnement auf geprüfte Fassungen, Aktualisierungen und Hilfe, das Modell des Supports. MySQL und Trolltech boten ihre Programme unter zwei Lizenzen an, kostenlos unter der GPL für alle, die ihr eigenes Produkt ebenfalls öffneten, und gegen Geld für alle anderen, das Modell der Doppellizenz. Hardwarehersteller wie IBM, HP und Intel bezahlten Entwickler, damit Linux auf ihren Maschinen lief, weil sie Maschinen verkauften, nicht Betriebssysteme. Und Sun gab 2000 sein Büropaket als OpenOffice.org frei, um Microsoft Office eine Konkurrenz zu machen, die es mit einem verschlossenen Produkt nie bekommen hätte.
Ballmer und SCO. Der Widerstand wechselte die Form. Im Juni 2001 nannte Microsofts Vorstandschef Steve Ballmer Linux ein Krebsgeschwür, das sich im Sinn des geistigen Eigentums an alles hefte, was es berühre; gemeint war die GPL, die jeden Code, der mit ihr verbunden wird, unter ihre Bedingungen stellt.44 Im März 2003 verklagte die Firma SCO Group, die glaubte, die Rechte an Unix erworben zu haben, IBM auf eine Milliarde Dollar, weil Linux angeblich Code aus Unix enthalte, und schrieb an 1.500 Firmen, sie hätten für Linux Lizenzgebühren zu zahlen. Der Prozess zog sich über Jahre; 2007 entschied ein Gericht und 2010 eine Jury, dass die Urheberrechte an Unix gar nicht bei SCO lagen, sondern bei Novell, und SCO ging in die Insolvenz.45 Linux hatte den ersten großen rechtlichen Angriff überstanden und war dadurch glaubwürdiger geworden. Zugleich zeigte der Fall, dass ein Projekt ohne Firma einen rechtlichen Ort braucht: 2000 gründeten die Hersteller die Open Source Development Labs, die Torvalds ab 2003 bezahlten, damit er sich ganz dem Kern widmen konnte, und die 2007 in der Linux Foundation aufgingen, einer Stiftung, die den Namen schützt, Konferenzen veranstaltet und mit Mitgliedsbeiträgen der Industrie die Arbeit am Kern trägt.46
Vor Gericht in Deutschland. Ob die GPL überhaupt vor Gericht Bestand hat, war bis 2004 nie geprüft worden. Harald Welte, Entwickler des Linux-Netzwerkcodes, gründete in diesem Jahr das Projekt gpl-violations.org und ging gegen Hersteller vor, die Linux in Routern verkauften, ohne den Quelltext mitzuliefern. Am 19. Mai 2004 untersagte das Landgericht München I der Firma Sitecom den Vertrieb eines solchen Geräts: das erste Urteil weltweit, das die GPL durchsetzte, gefolgt von weiteren in Frankfurt und Berlin.47 Im selben Monat beschloss der Münchner Stadtrat, die Verwaltung der Stadt von Windows auf Linux umzustellen, ein Projekt namens LiMux, das 2013 vollendet war und 2017 wieder rückgängig gemacht wurde.48 Deutschland war in diesen Jahren ein Zentrum der Bewegung: SUSE in Nürnberg, KDE, der LinuxTag seit 1996, die Fachzeitschriften und ein öffentlicher Dienst, der früher als andere fragte, ob er seine Software nicht lieber besitzen sollte.
Patente und Lizenzen. Zwei Fragen blieben offen. Die erste war das Softwarepatent: Während das Urheberrecht einen bestimmten Quelltext schützt, schützt ein Patent eine Idee, und wer ein Patent hält, kann auch den verklagen, der dieselbe Idee unabhängig umgesetzt hat. Für Open Source, dessen Autoren weder Patente noch Anwälte haben, war das eine Bedrohung. Als die Europäische Kommission Patente auf Software erleichtern wollte, mobilisierte die Bewegung, und das Europäische Parlament lehnte die Richtlinie am 6. Juli 2005 mit 648 zu 14 Stimmen ab.49 Die Apache-Lizenz 2.0 vom Januar 2004 schrieb als erste verbreitete Lizenz ausdrücklich hinein, dass jeder Beitragende die Nutzung seiner Patente erlaubt. Die zweite Frage war die Zahl der Lizenzen: Jede Firma, die ihr Produkt öffnete, schrieb eine eigene, und bis 2004 hatte die OSI rund sechzig anerkannt, von denen viele untereinander unverträglich waren, so dass sich Code unter der einen nicht mit Code unter der anderen verbinden ließ.
Schwaches Copyleft und Unverträglichkeit. Zwischen den beiden Lagern entstand eine Mitte. Die LGPL erlaubt seit 1991, eine freie Bibliothek in ein unfreies Programm einzubinden, solange die Bibliothek selbst frei bleibt. Netscape schrieb 1998 für Mozilla eine Lizenz, aus der die Mozilla Public License wurde: Das Copyleft gilt nur für die einzelne Datei, so dass sich freie und unfreie Dateien in einem Programm mischen lassen; die Eclipse Public License (2004) und Suns CDDL (2005) folgten dem Muster. Dieses schwache Copyleft ist der Kompromiss, auf dem Firefox, LibreOffice und viele Werkzeuge der Industrie stehen. Mit der Vielfalt kam die Unverträglichkeit: Code unter zwei Lizenzen lässt sich nur dann zu einem Programm verbinden, wenn jede Lizenz die Bedingungen der anderen zulässt. Die GPL 2 verträgt sich nach Lesart der FSF weder mit der Apache-Lizenz 2.0 noch mit der CDDL, weshalb das Dateisystem ZFS, das Sun 2005 freigab, bis heute nicht Teil des Linux-Kerns werden darf; die Fassung 2.0 der Mozilla-Lizenz (2012) wurde eigens so geschrieben, dass sie mit der GPL zusammengeht.50 Am anderen Ende des Spektrums steht der Verzicht auf jedes Recht: Die Datenbank SQLite (2000) ist gemeinfrei, ihr Autor hat alle Ansprüche aufgegeben, und Creative Commons schuf 2009 mit CC0 eine Erklärung, mit der ein Urheber dasselbe tun kann, soweit das Recht seines Landes es zulässt.51
Der Engpass. Open Source war 2004 in der Wirtschaft angekommen. Die Werkzeuge der Zusammenarbeit stammten aber noch aus den 1990er Jahren: E-Mail, Mailinglisten und Versionsverwaltungen mit einem zentralen Server, an dem nur die Eingeweihten schreiben durften. Beim Linux-Kern, inzwischen Millionen Zeilen und tausend Beitragende, hatte Torvalds 2002 aus Not ein verschlossenes Programm gewählt, BitKeeper, das ihm der Hersteller kostenlos überließ, unter Protest der eigenen Gemeinschaft. Der Maßstab der Zusammenarbeit war dem Werkzeug entwachsen.
Selbst ausprobieren. Welche Lizenz ein Programm hat, steht meist in seinem Paket. pip show requests nennt bei Python-Paketen in der Zeile „License“ die Lizenz, npm view express license bei JavaScript-Paketen, und bei Debian und Ubuntu liegt zu jedem Paket die Datei /usr/share/doc/PAKET/copyright. Die Liste der anerkannten Lizenzen mit ihren Texten führt die OSI unter opensource.org/licenses; wer eine für ein eigenes Projekt sucht, findet unter choosealicense.com eine Auswahlhilfe von GitHub.
6. Git, GitHub und die Infrastruktur der Welt (2005–2014)
Git. Im April 2005 entzog der Hersteller von BitKeeper dem Kern die kostenlose Lizenz, nachdem ein Entwickler aus dem Umfeld das Protokoll des Programms untersucht hatte. Torvalds stand ohne Werkzeug da, sah sich die freien Alternativen an und fand keine, die mit tausend Beitragenden und einem Patch pro Minute umgehen konnte. Er schrieb ein eigenes. Der erste Commit von Git stammt vom 7. April 2005, binnen weniger Tage verwaltete Git seinen eigenen Quelltext, und die Kernversion 2.6.12 vom Juni 2005 war die erste, die damit entstand.52 Git ist eine verteilte Versionsverwaltung: Jeder Beteiligte hat eine vollständige Kopie der ganzen Geschichte des Projekts, kann ohne Netz und ohne Erlaubnis arbeiten, Zweige anlegen und wieder zusammenführen, und jeder Stand ist durch einen kryptografischen Prüfwert benannt, so dass niemand die Geschichte unbemerkt ändern kann (die Geschichte der Softwareentwicklung beschreibt, wie damit gearbeitet wird). Es gibt keinen Server, der die Wahrheit hält; die Wahrheit ist, was der Maintainer übernimmt. Im Juli 2005 übergab Torvalds die Betreuung von Git an Junio Hamano, der sie bis heute innehat. Dass Git in zehn Jahren zum Werkzeug fast aller Programmierer wurde, verdankt es einem zweiten Projekt.
GitHub. 2008 gründeten drei Programmierer in San Francisco einen Dienst, der Git-Projekte im Netz beherbergte und ihnen eine Oberfläche gab: GitHub. Seine Erfindung war der Pull Request: Wer zu einem fremden Projekt beitragen will, legt mit einem Klick eine eigene Kopie an, einen Fork, ändert darin, was er ändern will, und bittet den Betreuer, die Änderung zu übernehmen; die Bitte wird zur Diskussion mit Kommentaren Zeile für Zeile, und am Ende steht die Übernahme oder die Ablehnung, für alle sichtbar. Das war nichts anderes als der Patch per E-Mail, aber ohne Mailingliste, ohne Etikette, ohne Einstiegshürde, und mit einem Profil, auf dem jeder Beitrag verzeichnet war. GitHub machte Open Source zu etwas, das man nebenbei tun konnte, und zur Visitenkarte: Arbeitgeber sahen sich die Profile an. Die Zahlen zeigen die Wirkung: 100 Millionen Konten im Januar 2023, über 180 Millionen im Herbst 2025, 36 Millionen davon im letzten Jahr hinzugekommen.53 Mit der Bequemlichkeit kam die Abhängigkeit: Der größte Teil der offenen Software der Welt liegt seither bei einer einzigen Firma, die seit 2018 Microsoft gehört.
Android und die Cloud. Während die Werkzeuge sich wandelten, wurde Open Source zur Grundlage der Industrie, die sie im vorigen Abschnitt noch bekämpft hatte. Am 5. November 2007 kündigte eine Allianz um Google ein Betriebssystem für Telefone an, Android, mit Linux als Kern und einer Nutzeroberfläche unter der Apache-Lizenz; die erste Fassung erschien im September 2008.54 Weil jeder Hersteller Android ohne Gebühr nehmen und anpassen durfte, lief es 2024 auf gut sieben von zehn Smartphones der Welt, das verbreitetste Betriebssystem, das es je gab.2 Offen ist daran der Kern, nicht das Ganze: Die Dienste von Google, der App Store, die Karten, sind verschlossen und an Verträge gebunden, und wer Android ohne sie ausliefert, wie Amazon oder die chinesischen Hersteller, bekommt ein System ohne die Teile, die Nutzer erwarten. Googles Browser Chrome (2008) baut auf dem offenen Chromium auf, dessen Darstellungskern von Apples WebKit abstammt, und WebKit von KHTML, dem Browserkern, den KDE-Entwickler 1998 geschrieben hatten: Der Code einer Gruppe Freiwilliger steckt heute in jedem iPhone und in Microsofts Edge. Die Cloud, die Vermietung von Rechenleistung über das Netz, die Amazon 2006 begann, lief von Anfang an auf Linux, und die Werkzeuge, mit denen sie betrieben wird, entstanden offen: Hadoop (2006) zum Rechnen auf tausenden Maschinen, nach Vorbildern aus Googles Veröffentlichungen, Docker (2013) für Container, in denen ein Programm mit allem, was es braucht, verpackt und überall gestartet werden kann, und Kubernetes (2014), das Google aus seinem internen System ableitete und 2015 einer Stiftung übergab, um Container im Großen zu verwalten.55 Seit November 2017 laufen alle 500 Rechner der Liste der schnellsten Computer unter Linux.3 Die Infrastruktur der Welt, Telefone, Server, Clouds, Supercomputer, war offen, auch wenn die Dienste darauf es nicht waren.
GPLv3 und die Stiftungen. Am 29. Juni 2007 veröffentlichte die FSF nach anderthalb Jahren öffentlicher Beratung die dritte Fassung der GPL. Sie schloss Lücken, die sich in sechzehn Jahren aufgetan hatten: Geräte, die freie Software enthielten, aber geänderte Fassungen durch Signaturen aussperrten, die FSF nannte das nach dem Videorekorder TiVo Tivoisierung, Patentabkommen, mit denen ein Hersteller seine Kunden schützte und alle anderen nicht, und die Unverträglichkeit mit der Apache-Lizenz.56 Torvalds lehnte die neue Fassung für den Kern ab; er fand, eine Lizenz solle den Code regeln, nicht die Hardware, auf der er läuft, und Linux blieb bei der GPL 2. Die Bewegung hatte nun zwei Copyleft-Lizenzen und einen Riss. In derselben Zeit verschob sich das Gewicht zu den freizügigen Lizenzen: Auf GitHub standen 2015 45 Prozent der Projekte mit Lizenz unter der MIT-Lizenz, 11 Prozent unter der Apache-Lizenz und 22 Prozent unter einer Fassung der GPL.57 Die neue Generation wollte, dass ihr Code benutzt wird, und fragte weniger, wozu. Was neben die Lizenz als Ordnungsmacht trat, war die Stiftung: die Apache Software Foundation (1999), Eclipse (2004), die Linux Foundation (2007), später OpenStack (2012) und die Cloud Native Computing Foundation (2015), neutrale Eigentümer von Namen und Marke, mit Regeln für Mitsprache und mit Beiträgen der Firmen, die so zusammenarbeiten konnten, ohne einander den Code zu überlassen.
Oracle und die Forks. Was geschieht, wenn der Eigentümer eines offenen Projekts das Vertrauen verliert, zeigte das Jahr 2010. Oracle übernahm im Januar Sun Microsystems und damit MySQL, OpenOffice.org, Java und Solaris. Die Antwort der Gemeinschaften war der Fork: die Abspaltung des Quelltexts in ein neues Projekt unter neuem Namen, die jede Open-Source-Lizenz erlaubt. Der Erfinder von MySQL hatte schon 2009 MariaDB begonnen, die Entwickler von OpenOffice.org gründeten im September 2010 die Document Foundation und LibreOffice, aus OpenSolaris wurde illumos, aus dem Werkzeug Hudson 2011 Jenkins.58 In allen Fällen folgten die Beitragenden dem Fork, und der ursprüngliche Zweig verlor an Bedeutung. Der Fork ist das Vetorecht der Gemeinschaft: Niemand kann ein offenes Projekt einsperren, weil jeder den Code mitnehmen darf, und schon die Möglichkeit zwingt die Eigentümer zur Rücksicht. Oracle verklagte zugleich Google, weil Android die Schnittstellen von Java nachgebaut hatte; der Streit ging bis zum Obersten Gerichtshof der USA, der 2021 entschied, dass die Übernahme der Schnittstellen erlaubt war.59 Ein anderer Ausgang hätte das Nachbauen verträglicher Programme, auf dem Unix, GNU und Linux beruhen, in Frage gestellt.
Jenseits der Software. Die Idee wanderte. Wikipedia (2001) ließ jeden mitschreiben und stellte die Texte unter eine Lizenz nach dem Vorbild der GPL, Creative Commons schuf 2002 Lizenzen für Texte, Bilder und Musik mit denselben Freiheiten und Abstufungen, OpenStreetMap (2004) sammelte eine Weltkarte von Freiwilligen, die Budapester Erklärung von 2002 forderte den freien Zugang zu wissenschaftlichen Aufsätzen, und ab 2005 entstand mit dem Arduino offene Hardware, deren Baupläne jeder nachbauen darf; der Prozessorbefehlssatz RISC-V (2010) ist heute die offene Alternative zu den Lizenzen von ARM.60 Offenheit, einmal als Lizenz formuliert, erwies sich als Prinzip, das sich auf jedes Werk anwenden lässt.
Die Wissenschaft. Die Forschung, die das Teilen von Quelltext einst vorgelebt hatte, wurde zu seiner größten Nutzerin. Die Statistiksprache R, 1993 in Neuseeland begonnen und seit 1995 unter der GPL, löste in den Fachbereichen die teuren Pakete ab; für Python entstanden SciPy (2001) und NumPy (2006) für das Rechnen mit Datenfeldern und 2014 Jupyter, das Notizbuch, in dem Code, Ergebnis und Erläuterung zusammenstehen und das zur Form wurde, in der Datenanalysen veröffentlicht werden.61 Das Genomprojekt hatte 1996 auf den Bermudas vereinbart, jede entzifferte Sequenz binnen 24 Stunden freizugeben, und machte offene Daten zur Norm der Biologie; Bioinformatik, Astronomie und Klimaforschung bauen ihre Werkzeuge seither als gemeinsame Projekte.62 Die KI-Forschung lief von Anfang an auf offenen Bibliotheken: Google gab 2015 TensorFlow frei, Facebook 2017 PyTorch, und fast jede Arbeit der folgenden Jahre, die Geschichte der KI erzählt davon, erschien mit Code auf GitHub.63 Zugleich kehrte sich die Forderung um: Zeitschriften wie Science und Nature verlangen seit 2011 und 2014, dass zu einem Aufsatz der Code zugänglich ist, damit andere das Ergebnis nachrechnen können, Förderer schreiben es in ihre Bedingungen, und seit 2012 gibt es den Beruf des Research Software Engineer, der Forschungssoftware so baut, dass sie den Aufsatz überlebt.64 Offener Code wurde Teil der wissenschaftlichen Methode, so wie die Veröffentlichung selbst.
Heartbleed. Am 7. April 2014 wurde ein Fehler in OpenSSL bekannt, der Bibliothek, die auf einem großen Teil aller Server die Verschlüsselung von HTTPS besorgt. Der Fehler, Heartbleed genannt, erlaubte jedem, Teile des Arbeitsspeichers eines Servers auszulesen, Passwörter und Schlüssel eingeschlossen, und er hatte zwei Jahre unbemerkt im Code gestanden; nach Messungen waren zu Beginn ein Viertel bis die Hälfte der meistbesuchten HTTPS-Server verwundbar.65 Als die Welt hinsah, fand sie ein Projekt, das von einem einzigen Vollzeitentwickler getragen wurde und etwa 2.000 Dollar Spenden im Jahr erhielt, während Firmen mit Milliardenumsätzen es kostenlos nutzten.66 Linus’ Gesetz hatte eine Lücke: Augen schauen dorthin, wo es interessant ist, nicht dorthin, wo es wichtig ist. Die Linux Foundation gründete binnen drei Wochen die Core Infrastructure Initiative, in der Amazon, Google, Microsoft, Facebook und andere Geld für die Pflege solcher Grundbausteine gaben, und das Wort, das die Debatte seither prägt, heißt Nachhaltigkeit: ob die Arbeit, von der alle leben, bezahlt wird und ob ihre Träger durchhalten.
Der Engpass. Die Infrastruktur der Welt war 2014 offen und zugleich in den Händen weniger Freiwilliger. Die Firmen, die am meisten davon hatten, allen voran die Betreiber der Clouds, gaben am wenigsten zurück, und die Lizenzen, die das Zurückgeben bei der Weitergabe erzwangen, griffen nicht, weil ein Dienst im Netz nichts weitergibt. Pflege, Geld und Vertrauen waren die Engpässe der nächsten Epoche.
Selbst ausprobieren. In jedem mit Git verwalteten Projekt zeigt git shortlog -sn | head die Beitragenden mit der Zahl ihrer Änderungen und git log --oneline | wc -l die Zahl aller Änderungen. Auf GitHub steht dasselbe unter „Insights“ → „Contributors“. Wer selbst beitragen will, sucht in einem Projekt nach Aufgaben mit der Markierung „good first issue“, liest die Datei CONTRIBUTING.md und schickt einen ersten Pull Request; ein Tippfehler in der Dokumentation ist der klassische Anfang.
7. Cloud, Lizenzen und Lieferkette (seit 2014)
Microsofts Wende. Am 20. Oktober 2014 sagte Microsofts neuer Vorstandschef Satya Nadella in San Francisco „Microsoft loves Linux“ und zeigte, dass ein Fünftel der Maschinen in Microsofts eigener Cloud unter Linux lief. Im November 2014 gab die Firma die Grundlage ihrer Programmierplattform .NET frei, 2015 den Editor Visual Studio Code, der binnen weniger Jahre der verbreitetste Editor der Welt wurde, 2016 trat sie der Linux Foundation bei und baute einen Linux-Kern in Windows ein, und am 4. Juni 2018 kaufte sie GitHub für 7,5 Milliarden Dollar.67 Die Firma, deren Chef Linux ein Krebsgeschwür genannt hatte, war der größte Beitragende auf GitHub. Der Grund war kein Sinneswandel, sondern die Cloud: Microsoft verdiente an der Vermietung von Rechnern, und auf gemieteten Rechnern wollten die Kunden Linux. Im Oktober 2018 kündigte IBM an, Red Hat für 34 Milliarden Dollar zu übernehmen, die größte Übernahme einer Softwarefirma bis dahin.68 Open Source war ein Geschäft in der Größenordnung der Konzerne geworden, und die Konzerne waren die Käufer.
Die Cloud und die Lizenzkämpfe. Die Cloud löste den Streit aus, den der vorige Abschnitt angekündigt hatte. Firmen wie MongoDB, Elastic, Redis und HashiCorp hatten ihre Programme offen entwickelt und lebten davon, sie als Dienst zu betreiben. Amazon Web Services nahm die Programme, wie die Lizenz es erlaubte, bot sie als eigenen Dienst an und behielt die Einnahmen. Die GPL griff nicht, weil die Programme freizügig lizenziert waren, und selbst die GPL hätte nichts verlangt, denn wer ein Programm als Dienst betreibt, gibt es nicht weiter. Die Hersteller antworteten mit neuen Lizenzen: MongoDB im Oktober 2018 mit der Server Side Public License, die von jedem, der das Programm als Dienst anbietet, verlangt, den gesamten Dienst zu öffnen, Elastic im Januar 2021 mit derselben, HashiCorp im August 2023 mit der Business Source License, die den Wettbewerb mit dem Hersteller untersagt, Redis im März 2024. Möglich war das, weil diese Firmen von jedem Beitragenden vorab eine Vereinbarung verlangt hatten, einen Contributor License Agreement, der ihnen das Recht gibt, den gesamten Code neu zu lizenzieren. Der Linux-Kern kennt das nicht: Jeder Beitragende behält sein Urheberrecht und bestätigt seit 2004 mit dem Developer Certificate of Origin nur, dass er den Code beitragen darf; seine Lizenz kann niemand ändern, weil man tausende Urheber fragen müsste, und deshalb bleibt der Kern bei der GPL 2.69 Die OSI erkannte keine davon als Open Source an, weil sie Nutzer und Zwecke ausschließen; die Hersteller nannten ihr Modell Source available: Der Quelltext ist zu lesen, aber nicht frei. Die Antwort der Gemeinschaften war der Fork unter dem Dach einer Stiftung: Amazon selbst spaltete 2021 OpenSearch von Elasticsearch ab, aus Terraform wurde OpenTofu, aus Redis Valkey, beide unter der Linux Foundation. Elastic kehrte 2024 und Redis 2025 zu einer Open-Source-Lizenz zurück, der AGPL, einer Fassung der GPL, die das Copyleft auch auf Dienste im Netz ausdehnt.70 Das Muster war jedes Mal dasselbe: Lizenzwechsel, Fork, Abwanderung der Beitragenden, manchmal Rückkehr. Es bestätigte, was der Fork seit 2010 bedeutete, und zeigte zugleich, dass das Geschäftsmodell der Hersteller offener Software nicht geklärt ist.
Vor Gericht, Fortsetzung. Ob die Lizenzen halten, wurde weiter geprüft. 2008 entschied das Bundesberufungsgericht der USA im Fall Jacobsen gegen Katzer, dass die Bedingungen einer Open-Source-Lizenz, hier der Artistic License für eine Modellbahnsoftware, Bedingungen des Urheberrechts sind, deren Verletzung wie eine unerlaubte Kopie verfolgt werden kann, und nicht bloß Vertragsklauseln; seither steht die Durchsetzbarkeit auch in den USA fest.71 In Deutschland zeigte sich die Kehrseite. Christoph Hellwig, einer der Kernentwickler, verklagte 2015 in Hamburg VMware, weil dessen Betriebssystem Linux-Code enthalte; die Gerichte wiesen die Klage 2016 und 2019 ab, weil er nicht genau genug nachweisen konnte, welche Zeilen von ihm stammten, und der Fall endete ohne Antwort auf die eigentliche Frage.72 Patrick McHardy, einst Betreuer des Netzwerkcodes, verfolgte ab 2014 Dutzende Hersteller mit einstweiligen Verfügungen und Vertragsstrafen, nicht um Quelltext zu erhalten, sondern Geld; die Kernentwickler schlossen ihn aus und verpflichteten sich 2017 in einem Kernel Enforcement Statement, Verstöße zuerst mit einer Frist zur Heilung zu ahnden, wie es die GPL 3 vorsieht, damit die Lizenz ein Werkzeug der Gemeinschaft bleibt und keines der Abmahner.73 Und seit 2021 klagt die Software Freedom Conservancy in Kalifornien gegen den Fernsehhersteller Vizio, nicht als Urheberin, sondern als Käuferin eines Geräts, mit der Begründung, die GPL verspreche jedem Kunden den Quelltext; Das Gericht ließ die Klage Ende 2023 zur Verhandlung zu und entschied 2024 und 2025 über Teilfragen; die Hauptverhandlung war im Herbst 2026 für das Jahresende angesetzt. Ein Erfolg würde die Durchsetzung von den Urhebern auf die Nutzer ausweiten.74
Die Lieferkette. Ein Programm von heute wird nicht geschrieben, sondern zusammengesetzt. Eine Webanwendung bindet einige Dutzend Bibliotheken direkt ein, jede davon weitere, und am Ende hängen hunderte oder tausende Pakete darin, die ein Werkzeug wie npm für JavaScript oder pip für Python beim Bau selbsttätig aus einem öffentlichen Verzeichnis lädt. Diese Abhängigkeiten sind die Lieferkette der Software, und sie ist so verwundbar wie jede Lieferkette. Im März 2016 löschte ein verärgerter Autor sein Paket left-pad aus dem Verzeichnis von npm, elf Zeilen, die eine Zeichenkette mit Leerzeichen auffüllen, und tausende Projekte ließen sich nicht mehr bauen, weil irgendwo tief in ihrer Kette dieses Paket stand.75 Im November 2018 übergab der Betreuer eines Pakets mit zwei Millionen Abrufen pro Woche die Pflege an einen hilfsbereiten Fremden, der eine Schadfunktion zum Stehlen von Kryptowährung einbaute. Am 10. Dezember 2021 wurde Log4Shell bekannt, eine Lücke in Log4j, einer Bibliothek zum Schreiben von Protokolldateien, die in fast jeder Java-Anwendung der Welt steckt und mit einer einzigen Textzeile die Ausführung fremden Codes erlaubte; die Betreuer, Freiwillige, arbeiteten die Nächte durch, während Behörden weltweit Alarm schlugen.76 Und am 29. März 2024 meldete Andres Freund, ein Entwickler bei Microsoft, der sich über eine halbe Sekunde Verzögerung beim Anmelden gewundert hatte, eine Hintertür in xz, einem Kompressionswerkzeug, das in fast jeder Linux-Distribution steckt: Ein Unbekannter unter dem Namen Jia Tan hatte sich über zwei Jahre durch hilfreiche Beiträge das Vertrauen des einzigen, überlasteten Betreuers erworben, die Mitbetreuung übernommen und einen Zugang eingebaut, der den Anmeldedienst SSH jedes betroffenen Servers geöffnet hätte. Die Hintertür wurde wenige Wochen vor der Auslieferung in die großen Distributionen entdeckt, durch Zufall.77 Der Fall zeigte beides: wie dünn die Decke ist, ein einzelner Mensch zwischen der Welt und ihrer Infrastruktur, und dass die Offenheit die Entdeckung überhaupt erst erlaubte.
Antworten. Die Antworten kamen aus drei Richtungen. Die Technik: Eine Software Bill of Materials (SBOM), eine Stückliste aller Bestandteile eines Programms, soll sichtbar machen, was in der Kette steckt, und nennt die Lizenz jedes Bausteins mit einem SPDX-Kennzeichen, einem seit 2010 gepflegten Kurzcode wie „GPL-2.0-only“ oder „MIT“, den auch der Linux-Kern seit 2017 in jeder Datei führt;78 die amerikanische Regierung verlangte die Stückliste 2021 von ihren Lieferanten, die Open Source Security Foundation (2020) entwickelt Werkzeuge zum Prüfen und Signieren von Paketen, und Debian arbeitet seit 2013 daran, dass sich jedes Paket aus dem Quelltext bitgenau nachbauen lässt, damit ein manipuliertes Paket auffällt.79 Das Geld: GitHub schuf 2019 die Möglichkeit, Entwickler direkt zu bezahlen, Stiftungen und Firmen richteten Fonds ein, und in Deutschland begann im Oktober 2022 der Sovereign Tech Fund, mit Bundesmitteln die Pflege von Grundbausteinen zu bezahlen, die alle nutzen und niemand bezahlt, seit 2024 als Sovereign Tech Agency auf Dauer gestellt.80 Das Recht: Die Europäische Union verabschiedete 2024 den Cyber Resilience Act, der Hersteller vernetzter Produkte für deren Sicherheit haftbar macht, mit Meldepflichten seit September 2026 und vollen Pflichten ab Dezember 2027. Ein erster Entwurf hätte auch die Freiwilligen getroffen, die ein Paket pflegen; nach Protesten der Stiftungen nahm das Gesetz nichtkommerzielle Entwicklung aus und schuf die Rolle des Open-Source-Stewards, einer Organisation, die Projekte betreut und dafür leichtere Pflichten trägt.81 Für den öffentlichen Dienst forderte die Free Software Foundation Europe seit 2017 „Public Money, Public Code“: Was mit öffentlichem Geld bezahlt wird, soll öffentlich sein, und Schleswig-Holstein beschloss 2024 als erstes Bundesland, seine Verwaltung auf freie Büro- und Betriebssoftware umzustellen.82 Die Europäische Kommission hat für Verwaltungen seit 2007 eine eigene Lizenz, die European Union Public Licence, mit schwachem Copyleft und in allen Amtssprachen gleichermaßen verbindlich, damit eine Behörde Software unter einem Recht weitergeben kann, das sie kennt.83 Auch die Politik erreichte den Kern: Im Oktober 2024 strichen die Betreuer des Linux-Kerns elf russische Entwickler aus der Liste der Verantwortlichen, mit Verweis auf Sanktionen; zum ersten Mal entschied eine Regierung mit darüber, wer an dem gemeinsamen System mitarbeiten darf.84
Der Engpass. Die Antworten auf Geld und Vertrauen sind gefunden, wenn auch nicht abgeschlossen: Forks unter neutralem Dach, Stücklisten, Fonds und Gesetze. Verschoben hat sich die Frage selbst. Offener Code ist nicht mehr nur das Werkzeug von Programmierern und Firmen, sondern Grundlage staatlicher Infrastruktur und Rohstoff der Sprachmodelle, und beide, Staaten wie Maschinen, nehmen das Wort „offen“ für sich in Anspruch, ohne dass klar wäre, ob es noch dasselbe bedeutet.
Selbst ausprobieren. Die eigene Lieferkette lässt sich zählen: In einem Projekt mit Node.js zeigt npm ls --all | wc -l die Zahl aller eingebundenen Pakete, in einem Python-Projekt pip install pipdeptree && pipdeptree den Baum der Abhängigkeiten. Die Seite deps.dev von Google zeigt für jedes Paket aus npm, PyPI, Maven oder Cargo, wovon es abhängt, unter welcher Lizenz es steht und welche bekannten Lücken es hat; die Lücken selbst sind unter osv.dev und cve.org verzeichnet, Log4Shell unter der Nummer CVE-2021-44228, die Hintertür in xz unter CVE-2024-3094.
8. Souveränität und KI (seit 2022)
Staat, Militär und Souveränität. Der Staat, der in dieser Geschichte als Förderer (ARPA), Gesetzgeber und Kunde (München, Schleswig-Holstein) auftrat, ist auch als Nutzer und Beitragender dabei, bis in die Verteidigung. Die amerikanische NSA gab im Dezember 2000 unter der GPL SELinux frei, ein Sicherheitsmodell, das jedem Prozess nur die Rechte lässt, die eine Regel ihm zuweist, und das nichts nach außen meldet; es wurde 2003 Teil des Linux-Kerns und schützt seither Server und jedes Android-Telefon, und 2019 folgte Ghidra, das Werkzeug der Behörde zum Zerlegen fremder Programme.85 Das US-Verteidigungsministerium stellte offene Software 2009 per Weisung gekaufter Software gleich und ermunterte seine Dienststellen 2022, eigene Beiträge nach außen zu geben; der Zerstörer Zumwalt der Navy fährt mit Red Hat Linux.86 Die französische Gendarmerie stellte ab 2008 ihre rund 70.000 Rechner schrittweise auf Ubuntu um, der größte Umstieg einer Behörde.87 Russland und China bauten ihre Behörden- und Militärsysteme auf eigene Linux-Distributionen, Astra Linux und Kylin, um von amerikanischen Herstellern unabhängig zu sein; dass offener Code jedem dient, auch dem Gegner, war der Hintergrund, als die Kernentwickler 2024 die russischen Betreuer strichen.88 Im Krieg in der Ukraine fliegen die billigen Drohnen beider Seiten mit offener Steuersoftware wie Betaflight und ArduPilot, die Hobbyisten für den Modellflug geschrieben hatten; die Drohnen, mit denen die Ukraine im Juni 2025 russische Flugplätze angriff, steuerte nach Auswertung der veröffentlichten Aufnahmen ArduPilot.89 Ob offener Code überhaupt kontrolliert werden kann, hatten die Kryptokriege der 1990er Jahre geklärt: Als die USA die Ausfuhr starker Verschlüsselung verboten, erschien der Quelltext von PGP 1995 als gedrucktes Buch, das als Rede frei ausgeführt werden durfte, und ein Berufungsgericht entschied 1999, dass Quelltext unter dem Schutz der Meinungsfreiheit steht; im Januar 2000 gab die Regierung die Kontrolle über veröffentlichten Code auf.90 Die Nachrichtendienste selbst sprechen seit Jahrzehnten von „Open Source Intelligence“, wenn sie Zeitungen, Funk und Netz auswerten; das Wort ist älter als die Software und hat mit ihr nichts zu tun.91 Was alle Staaten seit den 2020er Jahren digitale Souveränität nennen, die Fähigkeit, die eigene Infrastruktur zu verstehen, zu ändern und zu betreiben, ohne einen Hersteller um Erlaubnis zu fragen, ist Stallmans Freiheit, ein Programm zu studieren und zu ändern, auf den Staat übertragen.
KI und die Frage, was offen heißt. Seit 2021 schreiben Sprachmodelle Code (die Geschichte der KI und die Geschichte der Softwareentwicklung erzählen davon), und sie haben ihn aus den offenen Quelltexten gelernt, die auf GitHub liegen. Ob das Lernen die Lizenzen verletzt, die eine Nennung der Urheber verlangen, ist Gegenstand einer Klage gegen GitHub und Microsoft seit November 2022, die bisher weitgehend abgewiesen wurde.92 Die Betreuer spüren die Modelle von zwei Seiten: Sie bekommen Beiträge und Fehlermeldungen, die Maschinen in Masse erzeugen und die Menschen in Masse prüfen müssen, der Betreuer von curl klagte 2024 über eine Flut wertloser, von KI geschriebener Sicherheitsmeldungen, und zugleich bauen die Firmen, die mit den Modellen verdienen, auf Code, dessen Pflege sie nicht bezahlen. Umgekehrt wurde das Wort „offen“ zum Streitfall wie 1998: Meta nennt seine Modelle Llama Open Source, obwohl ihre Lizenz große Konkurrenten ausschließt, und die OSI veröffentlichte im Oktober 2024 eine Definition für offene KI-Modelle, die neben den Gewichten auch den Code und Angaben zu den Trainingsdaten verlangt; das chinesische DeepSeek gab im Januar 2025 die Gewichte seines Modells R1 unter der MIT-Lizenz frei.93 Die Frage, die SHARE 1955 beantwortet hatte, stellt sich bei den Modellen neu: Was muss man bekommen, um ein Werk verstehen, ändern und weitergeben zu können?
Wo die Kette steht. 2026 ist Open Source die Regel, nicht die Ausnahme. Am 12. April 2026 gab Torvalds die Version 7.0 des Linux-Kerns frei, 35 Jahre nach der ersten, mit über 40 Millionen Zeilen, zu denen inzwischen rund 2.000 Entwickler je Version beitragen, die meisten von ihnen von Firmen bezahlt.94 Fast jedes kommerzielle Programm besteht überwiegend aus offenen Bausteinen, und die größten Softwarefirmen der Welt sind die größten Beitragenden. Was das wert ist, haben Ökonomen 2024 geschätzt: Den vorhandenen offenen Code einmal neu zu schreiben kostete 4,15 Milliarden Dollar; ihn in jeder Firma zu ersetzen, die ihn nutzt, 8,8 Billionen, weil Firmen ohne ihn das Dreieinhalbfache für Software ausgeben müssten. Für die Europäische Union bezifferte eine Studie der Kommission den Beitrag zur Wirtschaftsleistung auf 65 bis 95 Milliarden Euro im Jahr, gerechnet für 2018.95 Der verschlossene Quelltext, der Engpass der ersten Epoche, ist für die Infrastruktur beseitigt; die Dienste darauf, die Plattformen und die Modelle, sind so verschlossen wie je. Offen bleibt, was seit Heartbleed offen ist: wer die Arbeit bezahlt, von der alle leben, wer den Menschen vertraut, die sie tun, und was „offen“ bedeutet, wenn das Werk kein Quelltext mehr ist.
Selbst ausprobieren. Unter Fedora oder Red Hat Enterprise Linux zeigt der Befehl getenforce, ob SELinux, das von der NSA entwickelte und seit 2003 im Kern enthaltene Rechtemodell, Verstöße nur meldet oder verhindert; die Antwort lautet dort „Enforcing“. Es arbeitet allein auf dem eigenen Rechner und sendet nichts an die Behörde. Auf jedem Android-Telefon läuft es seit 2014 ebenso scharf, nur kann der Nutzer es weder abfragen noch abschalten. Der Quelltext von ArduPilot liegt unter github.com/ArduPilot/ardupilot, mit jeder Änderung seit 2009; wer hineinsieht, findet dieselbe Steuerung, die Modellflieger verbessern und Armeen einsetzen. Was „offen“ bei Modellen heißt, zeigt huggingface.co: Die Modellkarte von DeepSeek-R1 nennt als Lizenz MIT, die von Llama 3 eine „Community License“ mit Bedingungen; wer beide liest, sieht den Unterschied, um den seit 2023 gestritten wird.
Die Kette in Kurzform
- Die Rechenzentren der 1950er und 1960er tauschen Quelltext, weil Software noch keine Ware ist; das Unbundling (1969) und das Urheberrecht (1980) machen sie zur Ware, und der Quelltext verschwindet.
- Unix (1969–1983) gibt den Universitäten ein gemeinsames System mit Quelltext; die Zerschlagung von AT&T (1984) macht es zum Produkt, und die Gemeinschaft verliert ihr System.
- GNU (1983–1991) schreibt die Werkzeuge neu und sichert sie mit dem Copyleft; es fehlt der Kern.
- Linux und das Netz (1991–1997) liefern den Kern und eine Arbeitsweise, bei der Fremde über das Netz zusammenarbeiten; der Wirtschaft fehlen Name und Beweis.
- Open Source (1998–2004) gibt beides: Name, Definition, Geschäftsmodelle, überstandene Prozesse; die Werkzeuge der Zusammenarbeit sind dem Maßstab nicht gewachsen.
- Git und GitHub (2005–2014) machen die Zusammenarbeit zur Massenpraxis, Android und Cloud machen Open Source zur Infrastruktur der Welt; Heartbleed zeigt, dass sie von wenigen Unbezahlten abhängt.
- Cloud, Lizenzkämpfe und Lieferkette (seit 2014) beantworten die Fragen nach Geld und Vertrauen mit neuen Lizenzen, Forks unter neutralem Dach, Stücklisten, Fonds und Gesetzen; dabei wird offener Code zur Grundlage von Staaten und zum Rohstoff der Sprachmodelle.
- Souveränität und KI (seit 2022): Staaten bauen ihre Unabhängigkeit auf offenen Code, Sprachmodelle lernen aus ihm und werden selbst „offen“ genannt; was man bekommen muss, um ein Werk zu verstehen und zu ändern, ist wieder die offene Frage.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1955 | Gründung von SHARE, der ersten Nutzervereinigung mit Programmtausch |
| 1969 | IBM kündigt das Unbundling an; Thompson und Ritchie beginnen Unix |
| 1974 | Ritchie und Thompson beschreiben Unix in der CACM |
| 1976 | Gates: „Open Letter to Hobbyists“; Lions’ Kommentar zu Unix V6 |
| 1977 | Joy stellt die erste Berkeley Software Distribution zusammen (erschienen 1978) |
| 1980 | Urheberrechtsschutz für Programme im US-Gesetz; Stallman und der Xerox-Drucker |
| 1983 | 4.2BSD mit TCP/IP; Apple v. Franklin; Stallman kündigt GNU an (27. September) |
| 1984 | Zerschlagung von AT&T wirksam; Levy: „Hackers“; X Window System |
| 1985 | GNU Manifesto; Free Software Foundation; GNU Emacs; Programme im deutschen Urheberrechtsgesetz |
| 1987 | GCC; Tanenbaum: Minix; Perl |
| 1989 | GNU GPL Version 1; BSD Networking Release 1 |
| 1991 | GPL Version 2 (Juni); Torvalds kündigt Linux an (25. August), Version 0.01 (17. September); Python; BSD Net/2 |
| 1992 | Linux unter der GPL (Januar); Tanenbaum–Torvalds-Debatte; USL verklagt BSDi; Gründung von S.u.S.E. |
| 1993 | Slackware; Debian; FreeBSD und NetBSD |
| 1994 | Linux 1.0 (März); Vergleich im BSD-Prozess; 4.4BSD-Lite; Red Hat Linux 1.0 |
| 1995 | Apache (Februar); MySQL; PHP; OpenBSD |
| 1996 | Bermuda-Prinzipien (Februar); Apache meistgenutzter Webserver (April); Linux 2.0; KDE angekündigt (Oktober); erster LinuxTag |
| 1997 | Raymond: „The Cathedral and the Bazaar“ (Mai); Debian Social Contract und DFSG (Juli); GNOME |
| 1998 | Netscape gibt Quelltext frei (Januar/März), Mozilla Public License; „Open Source“ geprägt (3. Februar); OSI; LAMP in der c’t; Halloween-Dokumente |
| 1999 | Apache Software Foundation; Red Hat (August) und VA Linux (Dezember) an der Börse; Werbeklausel aus der BSD-Lizenz gestrichen; Bernstein-Urteil: Quelltext ist geschützte Rede (Mai) |
| 2000 | IBM: eine Milliarde Dollar für Linux; OpenOffice.org; Qt unter der GPL; Open Source Development Labs; NSA gibt SELinux frei (Dezember) |
| 2001 | Ballmer: „Linux is a cancer“; Wikipedia |
| 2002 | Red Hat Enterprise Linux; Creative Commons |
| 2003 | SCO verklagt IBM (März) |
| 2004 | Apache-Lizenz 2.0; LG München I setzt die GPL durch (19. Mai); Münchner LiMux-Beschluss; Firefox 1.0 |
| 2005 | Git (April); OpenSolaris unter der CDDL; EU-Parlament lehnt Softwarepatent-Richtlinie ab (6. Juli); Arduino |
| 2006 | Amazon Web Services; Hadoop; Sun gibt Java frei |
| 2007 | EUPL (Januar); GPL Version 3 (29. Juni); Linux Foundation; Android angekündigt (November) |
| 2008 | GitHub (April); Jacobsen v. Katzer (August); Android 1.0; Chromium; Gendarmerie beginnt Umstieg auf Ubuntu |
| 2009 | US-Verteidigungsministerium: Open Source gilt als handelsübliche Software |
| 2010 | Oracle übernimmt Sun; LibreOffice; Oracle verklagt Google; RISC-V |
| 2013 | Docker; LiMux abgeschlossen |
| 2014 | Heartbleed (7. April); Core Infrastructure Initiative; Kubernetes; „Microsoft loves Linux“; .NET quelloffen |
| 2015 | Visual Studio Code; Cloud Native Computing Foundation; TensorFlow |
| 2016 | left-pad (März); Microsoft tritt der Linux Foundation bei |
| 2017 | Kernel Enforcement Statement (Oktober); alle Top-500-Rechner unter Linux (November); München beschließt Rückkehr zu Windows; „Public Money, Public Code“; PyTorch |
| 2018 | Microsoft kauft GitHub (Juni); MongoDB: SSPL (Oktober); IBM kündigt Kauf von Red Hat an (Oktober); event-stream |
| 2019 | NSA gibt Ghidra frei; GitHub Sponsors; IBM schließt Kauf von Red Hat ab |
| 2020 | Open Source Security Foundation |
| 2021 | Elastic: Lizenzwechsel und Fork OpenSearch; Oberster Gerichtshof: Google v. Oracle; US-Dekret zur SBOM; Conservancy verklagt Vizio (Oktober); Log4Shell (Dezember) |
| 2022 | Sovereign Tech Fund (Oktober); Klage gegen GitHub Copilot (November) |
| 2023 | 100 Millionen Konten auf GitHub; HashiCorp: Business Source License; OpenTofu |
| 2024 | Harvard-Studie zum Wert offener Software (Januar); Redis-Lizenzwechsel und Valkey (März); xz-Hintertür entdeckt (29. März); Schleswig-Holstein beschließt Umstieg; Open Source AI Definition (Oktober); Cyber Resilience Act in Kraft (Dezember) |
| 2025 | DeepSeek-R1 unter MIT-Lizenz (Januar); Redis zurück zur AGPL (Mai); über 180 Millionen Konten auf GitHub |
| 2026 | Linux 7.0 (12. April) |
Weiterlesen
- Steven Levy: Hackers. Heroes of the Computer Revolution. Doubleday, Garden City 1984 (Neuausgabe O’Reilly 2010). Die Kultur, aus der alles kam, von den Modellbahnern am MIT bis zu den Heimcomputern.
- Sam Williams, Richard Stallman: Free as in Freedom 2.0. Free Software Foundation, Boston 2010. Die Biografie Stallmans, in der zweiten Fassung von ihm selbst kommentiert; frei im Netz.
- Eric S. Raymond: The Cathedral & the Bazaar. O’Reilly, Sebastopol 1999 (deutsch bei O’Reilly 2001). Die Aufsätze, die der Bewegung ihr Selbstbild und ihren Namen gaben; frei im Netz.
- Linus Torvalds, David Diamond: Just for Fun. The Story of an Accidental Revolutionary. HarperBusiness, New York 2001 (deutsch: Just for Fun. Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte, Hanser 2001). Die Entstehung von Linux aus der Sicht seines Autors.
- Glyn Moody: Rebel Code. Linux and the Open Source Revolution. Perseus, Cambridge, MA 2001. Die Erzählung der Jahre 1991 bis 2000 nach Gesprächen mit den Beteiligten.
- Steven Weber: The Success of Open Source. Harvard University Press, Cambridge, MA 2004. Die politikwissenschaftliche Erklärung, warum die Zusammenarbeit Fremder funktioniert.
- Volker Grassmuck: Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2002 (2. Auflage 2004). Die deutsche Gesamtdarstellung von Urheberrecht, Lizenzen und Geschichte; frei im Netz.
- Nadia Eghbal: Working in Public. The Making and Maintenance of Open Source Software. Stripe Press, San Francisco 2020. Wie Open Source im Zeitalter von GitHub funktioniert und woran ihre Betreuer leiden.
Quellen
Die Chronik stützt sich auf die Originalarbeiten, Lizenztexte, Gerichtsentscheidungen und zeitgenössischen Berichte, die in den Fußnoten genannt sind.
Black Duck (2025): Open Source Security and Risk Analysis Report 2025. Burlington, MA. 97 Prozent von 965 untersuchten kommerziellen Codebasen enthalten Open-Source-Komponenten, 86 Prozent davon mit bekannten Schwachstellen. ↩︎
StatCounter: Mobile Operating System Market Share Worldwide, Jahresmittel 2024: Android 71,7 Prozent, iOS 27,9 Prozent. ↩︎ ↩︎
TOP500 (2017): List November 2017. Seit dieser Liste laufen alle 500 aufgeführten Rechner unter Linux. ↩︎ ↩︎
Armer, P. (1980): SHARE – A Eulogy to Cooperative Effort. Annals of the History of Computing 2(2), 122–129; Akera, A. (2001): Voluntarism and the Fruits of Collaboration: The IBM User Group, Share. Technology and Culture 42(4), 710–736. Gründung im August 1955 in Los Angeles. ↩︎
Grad, B. (2002): A Personal Recollection: IBM’s Unbundling of Software and Services. IEEE Annals of the History of Computing 24(1), 64–71. Ankündigung am 23. Juni 1969, wirksam ab 1. Januar 1970. ↩︎
Campbell-Kelly, M. (2003): From Airline Reservations to Sonic the Hedgehog. A History of the Software Industry. MIT Press, Cambridge, MA, Kapitel 4 und 5. ↩︎
National Commission on New Technological Uses of Copyrighted Works (1978): Final Report. Washington; umgesetzt im Computer Software Copyright Act vom 12. Dezember 1980 (17 U.S.C. §§ 101, 117). Apple Computer, Inc. v. Franklin Computer Corp., 714 F.2d 1240 (3d Cir. 1983). ↩︎
Gesetz zur Änderung von Vorschriften auf dem Gebiet des Urheberrechts vom 24. Juni 1985 (BGBl. I S. 1137): Programme für die Datenverarbeitung in § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG; Richtlinie 91/250/EWG vom 14. Mai 1991 über den Rechtsschutz von Computerprogrammen, umgesetzt in §§ 69a–69g UrhG (1993). ↩︎
Gates, B. (1976): An Open Letter to Hobbyists. Homebrew Computer Club Newsletter 2(1), 31. Januar 1976, S. 2 (datiert auf den 3. Februar 1976). ↩︎
Ritchie, D. M., Thompson, K. (1974): The UNIX Time-Sharing System. Communications of the ACM 17(7), 365–375. ↩︎
United States v. Western Electric Co. and American Telephone and Telegraph Co., Final Judgment (Consent Decree), D.N.J., 24. Januar 1956. Zu den Folgen für Unix: Salus, P. H. (1994): A Quarter Century of UNIX. Addison-Wesley, Reading, MA, Kapitel 7. ↩︎
Lions, J. (1976): A Commentary on the Sixth Edition UNIX Operating System. University of New South Wales, Sydney; Nachdruck mit Genehmigung: Peer-to-Peer Communications, San Jose 1996. ↩︎
McKusick, M. K. (1999): Twenty Years of Berkeley Unix. From AT&T-Owned to Freely Redistributable. In: DiBona, C., Ockman, S., Stone, M. (Hg.): Open Sources. Voices from the Open Source Revolution. O’Reilly, Sebastopol, 31–46. ↩︎
Levy, S. (1984): Hackers. Heroes of the Computer Revolution. Doubleday, Garden City, NY. Die „Hacker-Ethik“ in Kapitel 2. ↩︎
Williams, S. (2002): Free as in Freedom. Richard Stallman’s Crusade for Free Software. O’Reilly, Sebastopol, Kapitel 1 (der Drucker) und 6 (Symbolics); überarbeitet mit Stallman als Free as in Freedom 2.0, Free Software Foundation, Boston 2010. ↩︎ ↩︎
United States v. American Telephone and Telegraph Co., Modification of Final Judgment, 552 F. Supp. 131 (D.D.C. 1982), wirksam 1. Januar 1984. Zu den Unix-Lizenzen danach: Salus 1994 (wie Anm. consent1956), Kapitel 15 und 18. ↩︎
Stallman, R. (1983): new UNIX implementation. Beitrag in net.unix-wizards und net.usoft, 27. September 1983. ↩︎
Stallman, R. (1985): The GNU Manifesto. Dr. Dobb’s Journal 10(3), März 1985, 30–35. Die Free Software Foundation wurde am 4. Oktober 1985 eingetragen. ↩︎
Free Software Foundation: What is Free Software? The Free Software Definition, gnu.org, seit 1996 gepflegt; Vorform in: GNU’s Bulletin 1(1), Februar 1986. ↩︎
Stallman, R. (1987): GNU C compiler beta test release. Ankündigung vom 22. März 1987 (GCC 0.9); GNU Emacs 1985, GDB 1986, Bash 1989. ↩︎
Saltzer, J. H. (2020): The Origin of the “MIT License”. IEEE Annals of the History of Computing 42(4), 94–98; Haff, G. (2019): The mysterious history of the MIT License. opensource.com, 26. April 2019. Die Lizenz entstand zwischen 1985 und 1988 für das X Window System. ↩︎
Free Software Foundation (1989): GNU General Public License, Version 1, Februar 1989; Version 2, Juni 1991; GNU Library General Public License, Version 2, Juni 1991 (seit 1999 Lesser GPL). Zum Copyleft: Stallman, R. (1999): The GNU Operating System and the Free Software Movement. In: Open Sources (wie Anm. mckusick1999), 53–70. ↩︎
Regents of the University of California: BSD-Lizenz, Fassung von 1990 mit vier Klauseln; Hopkins, W. (1999): Memorandum: Deletion of advertising clause from BSD license. University of California, Berkeley, 22. Juli 1999. ↩︎
Unix System Laboratories, Inc. v. Berkeley Software Design, Inc. und Regents of the University of California, Civ. No. 92-1667 (D.N.J. 1992); Vergleich im Januar 1994; 4.4BSD-Lite im Juni 1994. Darstellung bei McKusick 1999 (wie Anm. mckusick1999). ↩︎
Tanenbaum, A. S. (1987): Operating Systems. Design and Implementation. Prentice-Hall, Englewood Cliffs, NJ. Minix 1.0 lag dem Buch bei. ↩︎
Free Software Foundation: GNU Hurd, Entwicklung seit 1990 auf dem Mikrokern Mach; zur Verzögerung Stallman 1999 (wie Anm. gpl). ↩︎
Torvalds, L. (1991): What would you like to see most in minix? Beitrag in comp.os.minix, 25. August 1991; Free minix-like kernel sources for 386-AT, 5. Oktober 1991 (Version 0.02). Version 0.01 vom 17. September 1991 auf ftp.funet.fi. ↩︎
Torvalds, L., Diamond, D. (2001): Just for Fun. The Story of an Accidental Revolutionary. HarperBusiness, New York. Linux 0.12 vom Januar 1992 mit der GPL als Lizenz. ↩︎
Tanenbaum, A. S. (1992): LINUX is obsolete. Beitrag in comp.os.minix, 29. Januar 1992, und die folgende Debatte mit Torvalds; abgedruckt in: Open Sources (wie Anm. mckusick1999), Anhang A. ↩︎
Zeilenzahlen des Linux-Kerns: 0.01 (1991) 10.239 und 1.0 (1994) 176.250 Zeilen nach den Quellpaketen; 2.2 (1999) 1.800.847, 2.4 (2001) 3.377.902 und 2.6.0 (2003) 5.929.913 nach der Zusammenstellung in Wikipedia: Linux kernel (Stand 2025); Phoronix: Linux Kernel At 19.5 Million Lines Of Code (Juni 2015), 27,8 Millionen Zeilen Anfang 2020, 39,8 Millionen bei Version 6.13 (Januar 2025), 43,9 Millionen im Entwicklungszyklus von 7.2 (Juni 2026). Die Zählweisen, mit oder ohne Kommentare und Dokumentation, unterscheiden sich; die Größenordnung ist davon unberührt. ↩︎
Murdock, I. (1993): New release under development; suggestions requested. Beitrag in comp.os.linux.development, 16. August 1993. Slackware 1.0 (Volkerding) am 17. Juli 1993; S.u.S.E. gegründet am 2. September 1992 in Nürnberg, erste eigene Distribution 1994; Red Hat Linux 1.0 am 3. November 1994. ↩︎
Perens, B. (1997): Debian Social Contract und Debian Free Software Guidelines, Version 1.0, 5. Juli 1997, nach dem Entwurf vom 4. Juli auf der Debian-Mailingliste. ↩︎
Fielding, R. T. (1999): Shared Leadership in the Apache Project. Communications of the ACM 42(4), 42–43; Netcraft Web Server Survey, April 1996: Apache erstmals der meistgenutzte Webserver; Apache Software Foundation gegründet im Juni 1999. ↩︎
Kunze, M. (1998): Let there be light. LAMP: Freeware web publishing system for professionals. c’t 12/1998, S. 230. Erste Verwendung des Kürzels LAMP. ↩︎
Ettrich, M. (1996): New Project: Kool Desktop Environment (KDE). Beitrag in de.comp.os.linux.misc, 14. Oktober 1996; GNOME angekündigt von Miguel de Icaza und Federico Mena am 15. August 1997; Qt unter der GPL seit Version 2.2 (September 2000). ↩︎
Raymond, E. S. (1997): The Cathedral and the Bazaar. Vortrag beim Linux-Kongress, Würzburg, 27. Mai 1997; Buchfassung: The Cathedral & the Bazaar. O’Reilly, Sebastopol 1999. „Given enough eyeballs, all bugs are shallow.“ ↩︎
Netscape Communications (1998): Netscape announces plans to make next-generation Communicator source code available free on the net. Pressemitteilung, 22. Januar 1998; Freigabe des Quelltexts am 31. März 1998 unter mozilla.org; Firefox 1.0 am 9. November 2004. ↩︎
Peterson, C. (2018): How I coined the term ‘open source’. opensource.com, 1. Februar 2018. Treffen am 3. Februar 1998 in Palo Alto. ↩︎
Open Source Initiative (1998): The Open Source Definition, Version 1.0, nach den Debian Free Software Guidelines; heute Version 1.9. Gründung der OSI im Februar 1998 durch Bruce Perens und Eric Raymond. ↩︎
Stallman, R. (1998): Why “Free Software” is better than “Open Source”. gnu.org; seit 2007 unter dem Titel Why Open Source misses the point of Free Software. ↩︎
Valloppillil, V. (1998): Open Source Software. A (New?) Development Methodology. Internes Memorandum, Microsoft, 11. August 1998; veröffentlicht von Eric Raymond als Halloween Document I, 1. November 1998. ↩︎
IBM (2000): IBM to invest $1 billion in Linux in 2001. Ankündigung von Louis V. Gerstner, 12. Dezember 2000. Oracle und Informix kündigten ihre Datenbanken für Linux im Juli 1998 an; IBM nahm Apache im Juni 1998 in WebSphere auf. ↩︎
Red Hat, Inc.: Börsengang am 11. August 1999, Ausgabepreis 14 Dollar, Schlusskurs 52 Dollar; VA Linux Systems, Inc.: Börsengang am 9. Dezember 1999, Ausgabepreis 30 Dollar, Schlusskurs 239,25 Dollar (plus 698 Prozent). Red Hat Enterprise Linux seit 2002 im Abonnement. ↩︎
Ballmer, S. (2001): Interview. Chicago Sun-Times, 1. Juni 2001: „Linux is a cancer that attaches itself in an intellectual property sense to everything it touches.“ ↩︎
The SCO Group, Inc. v. International Business Machines Corp., Klage vom 6. März 2003 (D. Utah); The SCO Group, Inc. v. Novell, Inc., Urteil vom 10. August 2007 und Geschworenenspruch vom 30. März 2010: Die Urheberrechte an Unix liegen bei Novell. SCO beantragte im September 2007 Gläubigerschutz. ↩︎
Open Source Development Labs, gegründet 2000; Torvalds dort angestellt seit Juni 2003; Zusammenschluss mit der Free Standards Group zur Linux Foundation am 21. Januar 2007. ↩︎
Landgericht München I, Urteil vom 19. Mai 2004, Az. 21 O 6123/04 (Welte gegen Sitecom Deutschland GmbH): erste gerichtliche Durchsetzung der GPL; Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 6. September 2006, Az. 2-6 O 224/06 (D-Link); Landgericht Berlin, Beschluss vom 21. Februar 2006, Az. 16 O 134/06. ↩︎
Landeshauptstadt München: Stadtratsbeschluss zur Migration auf Linux (LiMux), 28. Mai 2004; Abschluss der Migration 2013; Beschluss zur Rückkehr zu Windows, 15. Februar 2017. ↩︎
Europäisches Parlament: Ablehnung des Gemeinsamen Standpunkts zur Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen, 6. Juli 2005, 648 zu 14 Stimmen bei 18 Enthaltungen. Apache License, Version 2.0, Januar 2004, Abschnitt 3 (Patentlizenz). ↩︎
GNU Library General Public License, Version 2, Juni 1991; Netscape Public License und Mozilla Public License, Version 1.0, 1998, Version 1.1, 1999, Version 2.0, 3. Januar 2012 (mit der GPL verträglich); Eclipse Public License, Version 1.0, 2004; Common Development and Distribution License (CDDL), Version 1.0, Sun Microsystems, Dezember 2004; OpenSolaris mit ZFS, Juni 2005. ↩︎
Free Software Foundation: Various Licenses and Comments about Them, gnu.org, laufend gepflegte Liste der mit der GPL verträglichen und unverträglichen Lizenzen; Software Freedom Conservancy (2016): GPL Violations Related to Combining ZFS and Linux, 25. Februar 2016. SQLite: Copyright-Erklärung (gemeinfrei seit 2000), sqlite.org/copyright.html; Creative Commons: CC0 1.0 Universal, 2009. ↩︎
Torvalds, L. (2005): Kernel SCM saga. Beitrag auf der Linux-Kernel-Mailingliste, 6. April 2005; erster Commit von Git am 7. April 2005 („Initial revision of ‘git’, the information manager from hell“); Linux 2.6.12 vom 17. Juni 2005 als erste mit Git verwaltete Version; Junio Hamano betreut Git seit dem 26. Juli 2005. ↩︎
GitHub (2025): Octoverse 2025. Über 180 Millionen Entwicklerkonten, 36 Millionen davon im Berichtsjahr neu; 100 Millionen im Januar 2023. GitHub gegründet 2008 von Chris Wanstrath, Tom Preston-Werner und P. J. Hyett, Start am 10. April 2008. ↩︎
Open Handset Alliance (2007): Industry Leaders Announce Open Platform for Mobile Devices. Pressemitteilung, 5. November 2007; Android 1.0 am 23. September 2008; Quelltext im Android Open Source Project unter der Apache-Lizenz 2.0, der Kern unter der GPL 2. ↩︎
Hykes, S. (2013): The future of Linux Containers. Vortrag auf der PyCon, Santa Clara, 15. März 2013 (Docker); Google (2014): Ankündigung von Kubernetes, 10. Juni 2014; Cloud Native Computing Foundation seit Juli 2015. Apache Hadoop (Cutting, Cafarella), 2006, nach Ghemawat, S., Gobioff, H., Leung, S.-T. (2003): The Google File System, und Dean, J., Ghemawat, S. (2004): MapReduce. ↩︎
Free Software Foundation (2007): GNU General Public License, Version 3, 29. Juni 2007; Torvalds, L. (2006): Beitrag auf der Linux-Kernel-Mailingliste, 25. Januar 2006: Der Kern bleibt bei der GPL 2. ↩︎
Balter, B. (2015): Open source license usage on GitHub.com. GitHub Blog, 9. März 2015. MIT 45 Prozent, GPL 2 13 Prozent, Apache 2.0 11 Prozent, GPL 3 9 Prozent, BSD 3-Klausel 5 Prozent. ↩︎
The Document Foundation: Ankündigung vom 28. September 2010 (LibreOffice); MariaDB seit 2009 (Michael Widenius); Oracles Übernahme von Sun Microsystems abgeschlossen am 27. Januar 2010; illumos August 2010; Jenkins Februar 2011. ↩︎
Google LLC v. Oracle America, Inc., 593 U.S. ___ (2021), Urteil vom 5. April 2021 (6 zu 2): Die Übernahme der Java-Schnittstellen in Android war Fair Use. ↩︎
Creative Commons: erste Lizenzen veröffentlicht am 16. Dezember 2002; Wikipedia seit 15. Januar 2001 unter der GNU Free Documentation License, seit Juni 2009 unter CC BY-SA; OpenStreetMap seit 2004 (Steve Coast); Budapest Open Access Initiative, 14. Februar 2002; Arduino 2005; Waterman, A., Lee, Y., Patterson, D., Asanović, K. (2011): The RISC-V Instruction Set Manual, Volume I. UC Berkeley, Technical Report UCB/EECS-2011-62. ↩︎
Ihaka, R., Gentleman, R. (1996): R: A Language for Data Analysis and Graphics. Journal of Computational and Graphical Statistics 5(3), 299–314; R unter der GPL seit Juni 1995; SciPy seit 2001; Oliphant, T. E. (2006): Guide to NumPy; Project Jupyter seit 2014, hervorgegangen aus IPython (2001). ↩︎
Summary of Principles Agreed at the First International Strategy Meeting on Human Genome Sequencing (Bermuda Principles), Hamilton, Bermuda, 25.–28. Februar 1996. ↩︎
Abadi, M. u. a. (2016): TensorFlow: A System for Large-Scale Machine Learning. 12th USENIX Symposium on Operating Systems Design and Implementation, 265–283; Freigabe am 9. November 2015 unter der Apache-Lizenz 2.0. Paszke, A. u. a. (2019): PyTorch: An Imperative Style, High-Performance Deep Learning Library. Advances in Neural Information Processing Systems 32; erste Freigabe im Januar 2017 unter der BSD-Lizenz. ↩︎
Hanson, B., Sugden, A., Alberts, B. (2011): Making Data Maximally Available. Science 331(6018), 649 (Pflicht zur Zugänglichkeit von Code seit Februar 2011); Nature (2014): Code share. Nature 514, 536, 30. Oktober 2014; Hettrick, S. (2016): A not-so-brief history of Research Software Engineers. Software Sustainability Institute, Edinburgh; der Name entstand 2012. ↩︎
CVE-2014-0160 (Heartbleed), veröffentlicht am 7. April 2014; Durumeric, Z. u. a. (2014): The Matter of Heartbleed. Proceedings of the 2014 Internet Measurement Conference, 475–488: anfangs 24 bis 55 Prozent der HTTPS-Server unter den meistbesuchten Websites verwundbar. ↩︎
Marquess, S. (2014): Of Money, Responsibility, and Pride. OpenSSL Software Foundation, 12. April 2014: etwa 2.000 Dollar Spenden im Jahr, ein Vollzeitentwickler. Linux Foundation (2014): Core Infrastructure Initiative, 24. April 2014. ↩︎
Microsoft: „Microsoft loves Linux“, Satya Nadella, 20. Oktober 2014; .NET Core quelloffen seit 12. November 2014; Visual Studio Code April 2015, quelloffen seit November 2015; Beitritt zur Linux Foundation am 16. November 2016; Übernahme von GitHub angekündigt am 4. Juni 2018 (7,5 Milliarden Dollar), abgeschlossen am 26. Oktober 2018. ↩︎
IBM (2018): IBM to acquire Red Hat. Pressemitteilung, 28. Oktober 2018 (34 Milliarden Dollar); abgeschlossen am 9. Juli 2019. ↩︎
Developer Certificate of Origin, Version 1.0, Mai 2004, Version 1.1, 2005, als „Signed-off-by“-Zeile in jedem Beitrag zum Linux-Kern (Documentation/process/submitting-patches.rst); Beitragsvereinbarungen: Elastic Contributor Agreement, HashiCorp Contributor License Agreement, MongoDB Contributor Agreement, Redis Contributor License Agreement, jeweils Stand 2024. ↩︎
MongoDB: Server Side Public License, 16. Oktober 2018; Elastic: Lizenzänderung angekündigt am 14. Januar 2021, Rückkehr zur AGPL im August 2024; Amazon Web Services: OpenSearch, 12. April 2021; HashiCorp: Business Source License für Terraform, 10. August 2023, OpenTofu unter der Linux Foundation seit September 2023; Redis: Lizenzwechsel am 20. März 2024, Valkey (Linux Foundation) am 28. März 2024, Redis 8 unter der AGPL seit Mai 2025. Open Source Initiative (2021): The SSPL is Not an Open Source License, 19. Januar 2021. ↩︎
Jacobsen v. Katzer, 535 F.3d 1373 (Fed. Cir. 2008), Urteil vom 13. August 2008. ↩︎
Landgericht Hamburg, Urteil vom 8. Juli 2016, Az. 310 O 89/15 (Hellwig gegen VMware); Hanseatisches Oberlandesgericht, Urteil vom 28. Februar 2019, Az. 5 U 146/16; Software Freedom Conservancy (2015): Conservancy Announces Funding for GPL Compliance Lawsuit, 5. März 2015. ↩︎
Linux Kernel Community Enforcement Statement, 16. Oktober 2017, im Quelltext des Kerns unter Documentation/process/kernel-enforcement-statement.rst; Kroah-Hartman, G. (2017): Linux Kernel Community Enforcement Statement FAQ, 16. Oktober 2017; netfilter core team (2016): Statement regarding Patrick McHardy, netfilter.org. ↩︎
Software Freedom Conservancy v. Vizio, Inc., Superior Court of California, County of Orange, Klage vom 19. Oktober 2021; Ablehnung von Vizios Antrag auf Abweisung im summarischen Verfahren am 29. Dezember 2023; Teilentscheidungen vom 26. März 2024 und 23. Dezember 2025; Hauptverhandlung nach Angaben der Conservancy für Ende 2026 angesetzt (Software Freedom Conservancy: Vizio Lawsuit, Stand 27. Februar 2026). ↩︎
Koçulu, A. (2016): I’ve just liberated my modules. 23. März 2016 (left-pad entfernt am 22. März 2016); event-stream: Hinweis in GitHub-Issue 116 vom 20. November 2018; colors und faker: Januar 2022. ↩︎
CVE-2021-44228 (Log4Shell), veröffentlicht am 10. Dezember 2021; Apache Software Foundation: Apache Log4j Security Vulnerabilities. ↩︎
Freund, A. (2024): backdoor in upstream xz/liblzma leading to ssh server compromise. Mailingliste oss-security, 29. März 2024; CVE-2024-3094. ↩︎
Linux Foundation: Software Package Data Exchange (SPDX), seit 2010, mit der SPDX License List; Spezifikation als ISO/IEC 5962:2021; SPDX-Kennungen im Linux-Kern seit Version 4.14 (November 2017), Documentation/process/license-rules.rst. ↩︎
Executive Order 14028 of May 12, 2021: Improving the Nation’s Cybersecurity. Federal Register 86, 26633; Open Source Security Foundation, gegründet am 3. August 2020 unter der Linux Foundation; Debian: Reproducible Builds, seit 2013. GitHub Sponsors seit 23. Mai 2019. ↩︎
Sovereign Tech Fund: Start im Bundestag am 18. Oktober 2022, finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, getragen von der SPRIND; seit November 2024 als Sovereign Tech Agency verstetigt (BMWK, Pressemitteilung vom 4. November 2024). ↩︎
Verordnung (EU) 2024/2847 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2024 über horizontale Cybersicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen (Cyber Resilience Act), ABl. L, 20. November 2024; in Kraft seit 10. Dezember 2024, Pflichten ab 11. Dezember 2027, Meldepflichten ab 11. September 2026; Art. 24 zu Open-Source-Software-Stewards. ↩︎
Free Software Foundation Europe (2017): Public Money? Public Code! Kampagne seit 13. September 2017; Land Schleswig-Holstein: Beschluss zum Umstieg der Landesverwaltung auf LibreOffice, April 2024. ↩︎
Europäische Kommission: European Union Public Licence, Version 1.0 vom 9. Januar 2007, Version 1.2 vom 19. Mai 2017 (Durchführungsbeschluss (EU) 2017/863), in 23 Sprachen gleichermaßen verbindlich; von der OSI anerkannt. ↩︎
Kroah-Hartman, G. (2024): MAINTAINERS: Remove some entries due to various compliance requirements. Commit im Linux-Kern, 18. Oktober 2024; Corbet, J. (2024): Russian maintainers removed from the kernel. LWN.net, 24. Oktober 2024. ↩︎
National Security Agency: Security-Enhanced Linux, Freigabe am 22. Dezember 2000 unter der GPL; im Linux-Kern seit Version 2.6.0 (Dezember 2003); in Android seit Version 4.3 (2013), erzwingend seit Version 5.0 (2014); Ghidra, Freigabe am 5. März 2019 unter der Apache-Lizenz 2.0. ↩︎
Wennergren, D. M. (2009): Clarifying Guidance Regarding Open Source Software (OSS). Memorandum, US Department of Defense, 16. Oktober 2009; Sherman, J. B. (2022): Software Development and Open Source Software. Memorandum, Department of Defense Chief Information Officer, 24. Januar 2022; Gallagher, S. (2013): The Navy’s newest warship is powered by Linux. Ars Technica, 18. Oktober 2013. ↩︎
Dumond, S. (2013): The Gendarmerie’s open source desktop. Vortrag, veröffentlicht auf Joinup (Europäische Kommission); Umstieg ab 2008, 37.000 Rechner im Jahr 2013, Ziel 72.000; Europäische Kommission, Open Source Observatory (2013): French Gendarmerie: Open source desktop lowers TCO by 40 %. ↩︎
Astra Linux (RusBITech, seit 2008), zugelassen für Verschlusssachen durch FSTEK, FSB und Verteidigungsministerium Russlands; Kylin (seit 2001) und openKylin (2022), China; vgl. Anm. lwnrussia. ↩︎
ArduPilot (seit 2009, GPL 3) und Betaflight (seit 2015, GPL 3), Projektseiten; Koebler, J. (2025): Ukraine’s Massive Drone Attack Was Powered by Open Source Software. 404 Media, Juni 2025; Zuordnung anhand der veröffentlichten Aufnahmen, keine amtliche Bestätigung. ↩︎
Zimmermann, P. R. (1995): PGP Source Code and Internals. MIT Press, Cambridge, MA; Bernstein v. United States Department of Justice, 176 F.3d 1132 (9th Cir. 1999), Urteil vom 6. Mai 1999, später zur erneuten Verhandlung zurückgenommen und nach der Lockerung gegenstandslos; Bureau of Export Administration: Revisions to Encryption Items, 65 Fed. Reg. 2492, 14. Januar 2000. ↩︎
Office of the Director of National Intelligence (2006): Intelligence Community Directive 301, National Open Source Enterprise, 11. Juli 2006; Vorläufer: Foreign Broadcast Monitoring Service, 1941. ↩︎
Doe v. GitHub, Inc., Klage vom 3. November 2022 (N.D. Cal., Nr. 4:22-cv-06823), weitgehend abgewiesen im Januar 2024, Berufung anhängig. Stenberg, D. (2024): The I in LLM stands for intelligence. Blog, 2. Januar 2024. ↩︎
Open Source Initiative (2024): The Open Source AI Definition, Version 1.0, 28. Oktober 2024; Meta: Llama 3 Community License, 2024, mit Beschränkungen für Anbieter mit mehr als 700 Millionen Nutzern im Monat; DeepSeek: DeepSeek-R1, 20. Januar 2025, Gewichte unter der MIT-Lizenz. ↩︎
Torvalds, L. (2026): Linux 7.0. Ankündigung auf der Linux-Kernel-Mailingliste, 12. April 2026; Corbet, J. (2024): Development statistics for the 6.12 kernel. LWN.net, 18. November 2024: 2.074 Entwickler, 13.344 Änderungen. ↩︎
Hoffmann, M., Nagle, F., Zhou, Y. (2024): The Value of Open Source Software. Harvard Business School Working Paper 24-038, Januar 2024 (4,15 Milliarden Dollar Erstellungswert, 8,8 Billionen Dollar Nutzwert, Faktor 3,5; gefördert von der Linux Foundation); Blind, K., Böhm, M., Grzegorzewska, P., Katz, A., Muto, S., Pätsch, S., Schubert, T. (2021): The impact of Open Source Software and Hardware on technological independence, competitiveness and innovation in the EU economy. Europäische Kommission, Brüssel, September 2021 (65 bis 95 Milliarden Euro Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt 2018). ↩︎