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Die Geschichte des Internets

Die Geschichte des Internets

Erstfassung 21. Oktober 2026, zuletzt geändert am 24. Oktober 2026 · Andreas Stockter

Das Internet ist ein Verbund von Computernetzen, die über gemeinsame Regeln Daten austauschen, so dass jeder angeschlossene Rechner jeden anderen erreichen kann. Seine Teile haben Eigentümer: Die Leitungen gehören Telefongesellschaften und Kabelbetreibern, die Rechner Firmen, Behörden und Privatleuten. Der Verbund als Ganzes gehört niemandem, hat keine Zentrale und keinen Schalter, mit dem man ihn abstellen könnte. 2024 nutzten es nach Schätzung der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) 5,5 Milliarden Menschen, mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung.1 Das World Wide Web, oft mit dem Internet verwechselt, ist nur einer seiner Dienste, neben E-Mail, Dateiübertragung, Telefonie und Video: das System aus verknüpften Dokumenten, das ein Browser anzeigt.

Wie die Geschichte der KI und die Geschichte der Softwareentwicklung folgt dieser Text einer Kette: Jede Epoche löst einen Engpass, den die vorherige offen gelassen hat, und schafft dabei den nächsten. Erst war die Leitung der Engpass, dann die Insel, dann die Unverträglichkeit der Netze, dann das Finden, dann der Zugang, dann das Mitmachen, zuletzt das Vertrauen. Jeder Fachbegriff ist an der Stelle fett gesetzt, an der er erklärt wird, und wird erst danach verwendet. Ein Glossar führt alle Begriffe alphabetisch auf.

Inhalt: 1 Vorgeschichte · 2 Pakete und ARPANET · 3 TCP/IP · 4 World Wide Web · 5 Kommerz, Suche, Blase · 6 Breitband, Web 2.0, Smartphone · 7 Plattformen, Verschlüsselung, Regeln · Die Kette in Kurzform · Zeitleiste · Weiterlesen · Quellen

1. Vorgeschichte: Draht und Rechner (1840er–1950er)

Nachrichten auf dem Draht. Die Idee, Nachrichten als elektrische Signale über einen Draht zu schicken, ist hundert Jahre älter als der Computer. Am 24. Mai 1844 übertrug Samuel Morse von Washington nach Baltimore den ersten öffentlichen Telegrafenspruch über 60 Kilometer. Sein Code bildete jeden Buchstaben aus kurzen und langen Stromstößen, und das Netz der Telegrafenleitungen wuchs in wenigen Jahrzehnten über die Kontinente. 1858 verband das erste Kabel durch den Atlantik Europa und Amerika, es hielt drei Wochen; 1866 lag ein dauerhaftes. Nachrichten, die mit dem Schiff zwei Wochen gebraucht hatten, kamen in Minuten an. Das Kabel unter dem Meer, heute aus Glasfaser, ist bis heute die Grundlage des weltweiten Verkehrs.

1876 erhielt Alexander Graham Bell das Patent auf das Telefon. Das Telefonnetz, das daraus entstand, funktionierte nach einem Prinzip, das für diese Geschichte wichtig ist: der Leitungsvermittlung. Vor einem Gespräch stellt die Vermittlung, zuerst eine Person am Stöpselbrett und später ein Relais, eine durchgehende elektrische Verbindung zwischen den beiden Apparaten her. Für die Dauer des Gesprächs gehört diese Leitung den beiden allein, auch wenn sie schweigen. Danach wird sie wieder freigegeben. Das ist für Sprache ideal, weil die Verbindung ohne Verzögerung arbeitet, und es ist verschwenderisch für alles, was in Stößen kommt.

Das Maß der Information. 1948 veröffentlichte Claude Shannon bei den Bell Laboratories, der Forschungsabteilung des amerikanischen Telefonmonopols, die mathematische Theorie der Nachrichtenübertragung. Er führte das Bit als Einheit der Information ein, zeigte, wie viele Bits ein Kanal mit gegebener Bandbreite und gegebenem Rauschen pro Sekunde höchstens tragen kann, und wie sich Nachrichten durch Prüfbits gegen Übertragungsfehler schützen lassen.2 Jede Datenverbindung, vom Modem bis zum Glasfaserkabel, bewegt sich seitdem innerhalb seiner Grenzen, und jede Angabe wie „50 Megabit pro Sekunde“ ist eine Angabe in seiner Einheit.

Der Rechner als Insel. Die ersten Computer der 1940er und 1950er Jahre standen allein in einem Saal, und wer rechnen wollte, brachte seine Lochkarten hin. In den 1950er Jahren bauten die USA für die Luftabwehr das System SAGE, bei dem Radarstationen ihre Daten über Telefonleitungen an zentrale Rechner meldeten; dafür entwickelte Bell 1958 das Modem, ein Gerät, das Bits in Töne verwandelt, die eine Telefonleitung übertragen kann, und am anderen Ende zurück. Um 1960 kam das Time-Sharing auf: Ein Rechner bediente mehrere Menschen an Fernschreibern gleichzeitig, indem er zwischen ihnen in Sekundenbruchteilen hin- und herschaltete. Damit saß zum ersten Mal ein Mensch an einem Terminal, dessen Rechner im Nebengebäude oder, über eine Telefonleitung, in einer anderen Stadt stand.

Die Terminals eines Rechners konnten aber nur mit diesem einen Rechner sprechen. Jedes Institut hatte sein eigenes System mit eigenen Programmen und Daten, und zwischen den Systemen gab es nichts. J. C. R. Licklider, ein Psychologe, der sich mit der Zusammenarbeit von Mensch und Rechner beschäftigte, beschrieb 1960 in „Man-Computer Symbiosis“ die Vision eines „Netzes von Denkzentren“, die über Leitungen verbunden sind.3 1962 übernahm er bei der Forschungsagentur ARPA des amerikanischen Verteidigungsministeriums, die nach dem Sputnik-Schock von 1957 gegründet worden war, die Abteilung für Informationstechnik, und 1963 schrieb er seinen Kollegen eine halb scherzhafte Denkschrift an die „Mitglieder und Angehörigen des intergalaktischen Computernetzes“, in der er fragte, wie Rechner verschiedener Bauart überhaupt miteinander reden sollten.4 Die Frage war der Engpass der Zeit: Die Rechner waren Inseln, und die Leitungen zwischen ihnen hätten nach dem Prinzip des Telefons für jedes Gespräch eine ganze Leitung belegt, für Daten, die in kurzen Stößen kommen und dazwischen minutenlang nichts.

2. Pakete und das ARPANET (1960er–1972)

Die Paketvermittlung. Die Antwort auf den Engpass fanden drei Menschen unabhängig voneinander. Leonard Kleinrock untersuchte ab 1961 am MIT in seiner 1962 abgeschlossenen Doktorarbeit mathematisch, wie Nachrichten in einem Netz warten und sich stauen, wenn viele Teilnehmer die Leitungen teilen, und zeigte, dass das Teilen weit effizienter ist als das Reservieren.5 Paul Baran bei der RAND Corporation suchte 1960 bis 1964 ein Nachrichtennetz, das einen Atomangriff überstehen würde. Seine Antwort: kein Zentrum, sondern ein vermaschtes Netz mit vielen Wegen, in dem jede Nachricht in gleich große Blöcke zerlegt wird, die einzeln ihren Weg suchen und an jedem Knoten nur gespeichert und weitergereicht werden; fällt ein Knoten aus, nehmen die Blöcke einen anderen Weg.6 Donald Davies am britischen National Physical Laboratory kam 1965 ohne Kenntnis von Barans Arbeit auf dasselbe Prinzip, aus einem anderen Grund: Er wollte Rechner effizient teilen. Von ihm stammt das Wort Paket für den Block, und sein Labor baute ein lokales Netz nach diesem Prinzip, das 1969 in Betrieb ging.7

Paketvermittlung bedeutet also: Eine Nachricht wird in Pakete zerlegt, jedes trägt die Adresse des Empfängers wie ein Brief, jedes läuft für sich durch das Netz, und am Ziel werden die Pakete wieder zusammengesetzt. Leitungen werden nicht reserviert, sondern von allen gleichzeitig genutzt; ein Paket wartet an einem Knoten kurz, wenn die Leitung belegt ist. Das ist für Daten so passend, wie die Leitungsvermittlung für Sprache passend war, und es ist das Prinzip, nach dem das Internet bis heute arbeitet.

Abbildung 1: Leitungsvermittlung und Paketvermittlung. Links belegt ein Gespräch eine durchgeschaltete Leitung für seine ganze Dauer. Rechts wird die Nachricht in Pakete zerlegt, die einzeln und auf verschiedenen Wegen durch ein vermaschtes Netz laufen und am Ziel wieder zusammengesetzt werden.Leitungsvermittlung (Telefon)ABeine Leitung, für die Dauer belegtPaketvermittlung (Internet)AB123Pakete, jedes auf eigenem Weg
Abbildung 1: Leitungsvermittlung und Paketvermittlung. Links belegt ein Gespräch eine durchgeschaltete Leitung für seine ganze Dauer. Rechts wird die Nachricht in Pakete zerlegt, die einzeln und auf verschiedenen Wegen durch ein vermaschtes Netz laufen und am Ziel wieder zusammengesetzt werden.

Das ARPANET. 1966 holte die ARPA Larry Roberts, um ein Netz zwischen den Rechnern der von ihr geförderten Institute zu bauen, vor allem, um teure Rechner gemeinsam zu nutzen. Auf einer Tagung in Gatlinburg im Oktober 1967 stellte er den Plan vor und lernte dort Davies’ Paketidee kennen.8 Wesley Clark steuerte den entscheidenden Kunstgriff bei: Nicht die großen Rechner der Institute sollten die Vermittlung übernehmen, sondern an jedem Standort ein kleiner, gleich gebauter Vermittlungsrechner, der IMP (Interface Message Processor). Die Institute mussten dann nur ihren Rechner mit dem IMP verbinden, nicht mit dem ganzen Netz. Die Firma Bolt Beranek and Newman in Cambridge bei Boston erhielt im Januar 1969 den Auftrag und lieferte den ersten IMP im September: ein Honeywell-Minirechner im Stahlschrank, so groß wie ein Kühlschrank.

Am 29. Oktober 1969 um halb elf abends saß der Student Charley Kline an der UCLA in Los Angeles und versuchte, sich am Rechner des Stanford Research Institute (SRI) 560 Kilometer nördlich anzumelden. Er tippte das L, dann das O, beides kam an; beim G stürzte das System am SRI ab. Die erste Nachricht des ARPANET lautete also „LO“. Eine Stunde später klappte die Anmeldung.9 Im Dezember 1969 hatte das Netz vier Knoten: UCLA, SRI, die Universität von Kalifornien in Santa Barbara und die Universität von Utah, verbunden über gemietete Telefonleitungen mit 50 Kilobit pro Sekunde. Ein IMP kostete rund 100.000 Dollar.

Abbildung 2: Das ARPANET im Dezember 1969 mit seinen ersten vier Knoten. Jeder Rechner hängt an einem IMP, einem kleinen Vermittlungsrechner, und die IMPs sind über gemietete Telefonleitungen mit 50 Kilobit pro Sekunde verbunden.50 kbit/s50 kbit/sIMPSDS Sigma 7UCLAIMPSDS 940SRIIMPIBM 360/75UCSBIMPDEC PDP-10Utah
Abbildung 2: Das ARPANET im Dezember 1969 mit seinen ersten vier Knoten. Jeder Rechner hängt an einem IMP, einem kleinen Vermittlungsrechner, und die IMPs sind über gemietete Telefonleitungen mit 50 Kilobit pro Sekunde verbunden.

Protokolle und RFCs. Dass zwei Rechner verschiedener Bauart sich verstehen, erfordert Vereinbarungen bis ins Detail: Wie beginnt eine Nachricht, wie wird bestätigt, was passiert bei einem Fehler. Eine solche Vereinbarung heißt Protokoll. Die Studenten, die 1969 an den ersten Standorten die Protokolle entwarfen, nannten sich Network Working Group, und Steve Crocker schrieb am 7. April 1969 ihre erste Notiz. Weil die Gruppe niemandem etwas vorschreiben wollte, nannte er sie „Request for Comments“, Bitte um Stellungnahme.10 Der Name blieb. RFC heißt bis heute jedes Dokument, in dem die Regeln des Internets stehen, und es gibt mehr als 9.000. Dass ein Standard als Bitte um Stellungnahme beginnt, die jeder lesen und beantworten darf, prägte die Kultur des Netzes mehr als jede einzelne technische Entscheidung.

Das erste Protokoll der Rechner untereinander, das Network Control Program von 1970, erlaubte zwei Dinge: sich auf einem fernen Rechner anzumelden (Telnet) und Dateien zu übertragen (FTP, File Transfer Protocol). Beides war der Zweck des Netzes gewesen. Was es dann wirklich groß machte, hatte niemand geplant. Ray Tomlinson bei Bolt Beranek and Newman schrieb Ende 1971 ein Programm, das eine Nachricht an das Postfach eines Nutzers auf einem anderen Rechner schickte, und brauchte ein Zeichen, um den Nutzernamen vom Rechnernamen zu trennen. Er nahm das @, weil es in keinem Namen vorkam. Die E-Mail war erfunden, und 1973 machte sie drei Viertel des Verkehrs im ARPANET aus.11 Am 3. Mai 1978 schickte ein Vertriebsmitarbeiter von Digital Equipment eine Einladung zu einer Produktvorführung an rund 400 Adressen im Netz und erntete empörte Antworten: die erste Werbe-Mail, lange bevor sie Spam hieß.

Im Oktober 1972 führte Bob Kahn auf einer Fachtagung in Washington das ARPANET öffentlich vor, mit vierzig Terminals, von denen aus Besucher auf Rechnern im ganzen Land arbeiten konnten. Das Netz hatte da 29 Knoten, und die Vorführung überzeugte die Fachwelt, dass Paketvermittlung funktioniert.12 Im selben Jahr startete in Frankreich Louis Pouzin das Netz Cyclades, das einen Schritt weiter ging: Seine Pakete, Datagramme genannt, liefen ohne jede Zusicherung durch das Netz; für Reihenfolge und Vollständigkeit sorgten allein die Rechner an den Enden.13 Dieses Prinzip, das Netz dumm und die Enden klug zu machen, übernahm das Internet.

Funk und Kabel. Norman Abramson an der Universität von Hawaii verband ab 1970 Terminals auf den Inseln per Funk mit dem Rechner in Honolulu, und weil alle denselben Kanal teilten, erfand er die Regel, nach der jeder einfach sendet und bei einer Kollision nach einer zufälligen Wartezeit wiederholt.14 Bob Metcalfe übertrug dieses Prinzip 1973 am Forschungszentrum von Xerox in Palo Alto auf ein Koaxialkabel, an dem alle Rechner eines Gebäudes hingen, und nannte es Ethernet.15 Ethernet verbindet seitdem die Rechner innerhalb eines Hauses, das ARPANET verband Städte. Beide zusammen warfen die nächste Frage auf: Es gab jetzt mehrere Netze mit verschiedenen Regeln, und ein Rechner im einen konnte einen Rechner im anderen nicht erreichen.

Selbst ausprobieren. Wer ein Terminal hat, kann die Grundlage des Netzes in zwei Befehlen sehen. ping stockter.info schickt kleine Pakete an den Server dieser Seite und misst, wie lange die Antwort braucht, meist zwischen 10 und 40 Millisekunden. traceroute stockter.info (unter Windows tracert) zeigt die Knoten, über die die Pakete laufen: den eigenen Router, einige Vermittlungsrechner des Anbieters, einen Übergabepunkt, die Rechner des Rechenzentrums. Jede Zeile ist ein IMP von heute, und dass der Weg morgen anders aussehen kann, ist Barans Idee von 1964.

3. TCP/IP: das Netz der Netze (1973–1989)

Das Internetting. Bob Kahn, inzwischen bei der ARPA, hatte 1973 drei Netze vor sich, die nicht zusammenpassten: das ARPANET mit seinen Leitungen, ein Paketfunknetz für Fahrzeuge und ein Satellitennetz nach Europa. Jedes hatte eigene Paketgrößen, eigene Adressen, eigene Fehlerbehandlung. Mit Vint Cerf von der Universität Stanford entwarf er ein Verfahren, das die Netze lässt, wie sie sind, und darüber eine gemeinsame Schicht legt. Die Arbeit erschien im Mai 1974: „A Protocol for Packet Network Intercommunication“.16 Ihre Ideen: Jedes Paket bekommt einen einheitlichen Umschlag mit einer netzübergreifenden Adresse. Zwischen den Netzen stehen Gateways, heute Router genannt, die nur diesen Umschlag lesen und das Paket ins nächste Netz reichen, ohne sich um den Inhalt zu kümmern. Und für Verlässlichkeit sorgen die Rechner an den Enden: Sie nummerieren die Pakete, bestätigen den Empfang und schicken Verlorenes noch einmal. Ein Netz aus Netzen hieß in der Fachsprache „internetwork“, kurz Internet; der Name steht seit 1974 in einem RFC.17

1978 teilte Jon Postel das Verfahren in zwei Protokolle. Das IP (Internet Protocol) kennt nur den Umschlag: Absender, Empfänger, weiter. Es verspricht nichts, ein Paket kann verloren gehen, doppelt oder in falscher Reihenfolge ankommen. Das TCP (Transmission Control Protocol) darüber macht aus den unverlässlichen Paketen eine verlässliche Verbindung: Es baut sie mit einem dreifachen Handschlag auf, nummeriert jedes Byte, lässt sich den Empfang bestätigen, wiederholt bei Verlust und sorgt dafür, dass die Anwendung die Daten vollständig und in der richtigen Reihenfolge sieht. Wer darauf verzichten kann, etwa bei Sprache, bei der ein verlorenes Paket besser ist als ein verspätetes, nimmt das schlanke UDP, das Pakete einfach abschickt. Die endgültigen Beschreibungen erschienen im September 1981 als RFC 791 und 793.18

Die Arbeitsteilung zwischen den Protokollen heißt Schichtenmodell. Jede Schicht erfüllt eine Aufgabe und verlässt sich für den Rest auf die darunter: Die Anwendung (E-Mail, Web) gibt ihre Daten an TCP, TCP teilt sie in Segmente und reicht sie an IP, IP steckt sie in Pakete mit Adresse, und die unterste Schicht, Ethernet oder Funk, befördert sie zum nächsten Knoten. Beim Senden wird jede Nachricht so Schicht für Schicht in Umschläge gesteckt, Kapselung genannt; beim Empfang werden sie wieder geöffnet. Die Router unterwegs öffnen nur bis zum IP-Umschlag.

Abbildung 3: Die vier Schichten des Internets und die Kapselung. Jede Schicht packt die Daten der darüberliegenden in ihren eigenen Umschlag mit Kopfzeile. Router auf dem Weg lesen nur die IP-Schicht, die Enden lesen alles.SchichtenAnwendungHTTP, E-Mail, DNSTransportTCP, UDPInternetIPNetzzugangEthernet, WLANKapselung eines PaketsEthernet-KopfIP-KopfTCP-KopfDatenRouter lesen bis hier
Abbildung 3: Die vier Schichten des Internets und die Kapselung. Jede Schicht packt die Daten der darüberliegenden in ihren eigenen Umschlag mit Kopfzeile. Router auf dem Weg lesen nur die IP-Schicht, die Enden lesen alles.

Eine IP-Adresse der ersten Fassung besteht aus 32 Bit, geschrieben als vier Zahlen von 0 bis 255, etwa 203.0.113.7. Das ergibt 2³², rund 4,3 Milliarden mögliche Adressen, was 1981 unerschöpflich wirkte und es nicht blieb. Das Schichtenmodell und die drei Grundsätze, die Jerome Saltzer, David Reed und David Clark 1984 als Ende-zu-Ende-Prinzip formulierten, prägen das Netz bis heute: Das Netz befördert Pakete und sonst nichts; was ein Dienst braucht, leisten die Enden; deshalb kann jeder einen neuen Dienst erfinden, ohne das Netz zu fragen.19 Das Web, die Internettelefonie und das Videostreaming entstanden genau so, ohne eine Änderung am Netz.

Der Stichtag. Am 1. Januar 1983 stellte das ARPANET auf TCP/IP um, an einem Tag, nach einem Jahr Vorbereitung; die alte Software wurde abgeschaltet, und wer nicht umgestellt hatte, war draußen.20 Dieses Datum gilt als Geburtstag des Internets. Im selben Jahr wurde der militärische Teil als MILNET abgetrennt, und das Verteidigungsministerium, das die Entwicklung bezahlt hatte, gab das Netz in die Hände der Forschung.

Ein Problem wuchs mit dem Netz: Rechner hatten Namen, die Menschen sich merken konnten, und die Zuordnung von Namen zu Adressen stand in einer einzigen Datei, HOSTS.TXT, die ein Institut in Kalifornien pflegte und die jeder Rechner regelmäßig herunterlud. Bei einigen hundert Rechnern ging das, bei Tausenden nicht mehr. Paul Mockapetris entwarf 1983 das Domain Name System (DNS): eine verteilte, hierarchische Datenbank, in der jeder Name von rechts nach links gelesen wird. Für die Endung, etwa .info, sind bestimmte Server zuständig, die wissen, welche Server für stockter.info zuständig sind, und diese kennen die Adresse. Ganz oben stehen die Root-Server, die nur wissen, wer für welche Endung zuständig ist.21 Ein Rechner, der eine Adresse braucht, fragt einen Resolver, meist beim Zugangsanbieter, der die Kette abfragt und das Ergebnis eine Weile behält. 1985 wurden die ersten Endungen eingerichtet, .com, .edu, .gov, .mil, .org und .net, und Länderendungen folgten. Die Endung .de wurde im November 1986 eingetragen und zuerst von der Universität Dortmund verwaltet.

Abbildung 4: Eine Namensauflösung im DNS. Der Resolver fragt der Reihe nach einen Root-Server, einen Server der Endung .info und den zuständigen Server der Domain, bis er die Adresse hat. Die Adresse ist ein Beispielwert.BrowserResolverstockter.info?203.0.113.7Root-Server1. stockter.info?frag .info.info-Server2. stockter.info?frag stockter.infoServer von stockter.info3. stockter.info?203.0.113.7
Abbildung 4: Eine Namensauflösung im DNS. Der Resolver fragt der Reihe nach einen Root-Server, einen Server der Endung .info und den zuständigen Server der Domain, bis er die Adresse hat. Die Adresse ist ein Beispielwert.

Das Netz wächst. 1984 zählte das Internet 1.000 angeschlossene Rechner, 1987 waren es 10.000, 1989 100.000.22 Treibend war nicht mehr die ARPA, sondern die Wissenschaft. Die amerikanische National Science Foundation baute ab 1985 das NSFNET, das fünf Supercomputerzentren verband und jeder Universität offenstand; 1988 lief sein Rückgrat mit 1,5 Megabit pro Sekunde, 1991 mit 45. Daneben hatten sich ohne jede zentrale Planung andere Netze gebildet, die Nachrichten über nächtliche Telefonverbindungen von Rechner zu Rechner weiterreichten: ab 1979 das Usenet, ein weltweites System von Diskussionsforen, in dem alles von Betriebssystemen bis zu Kochrezepten verhandelt wurde, und das BITNET der Universitäten. Sie wuchsen in das Internet hinein. Am 3. August 1984 empfing Michael Rotert an der Universität Karlsruhe die erste Internet-E-Mail in Deutschland, eine Begrüßung aus den USA; das deutsche Forschungsnetz DFN war im selben Jahr gegründet worden.23

Mit dem Wachstum kamen die ersten Krisen des Teilens. 1986 brach der Verkehr zwischen Berkeley und einem Nachbarinstitut mehrfach auf ein Tausendstel ein: Alle Rechner schickten bei Verlusten sofort noch einmal und verstopften die Leitung umso mehr. Van Jacobson fand 1988 das Gegenmittel, das in jedem TCP steckt: Ein Sender tastet sich mit wachsendem Tempo vor, geht beim ersten Verlust auf die Hälfte zurück und beginnt wieder zu wachsen. Damit teilen sich seitdem Millionen Verbindungen eine Leitung, ohne dass jemand sie verteilt.24

Am Abend des 2. November 1988 setzte Robert Morris, ein Student in Cornell, ein Programm ins Netz, das Rechner über Lücken in deren Software befiel und sich von dort weiterverbreitete. Es sollte sich unauffällig ausbreiten, vervielfältigte sich aber durch einen Fehler so oft, dass die befallenen Rechner stillstanden. Binnen eines Tages waren rund 6.000 der etwa 60.000 Rechner im Netz betroffen, ein Zehntel.25 Der Morris-Wurm war das erste große Sicherheitsereignis des Internets und führte zur Gründung des ersten Notfallteams für Computersicherheit, des CERT an der Carnegie Mellon University, noch im selben Monat. Das Netz war unter Kollegen gebaut worden, die einander vertrauten; dass es das nicht bleiben würde, war seit diesem Abend klar.

Wer bestimmt. Die Regeln des Netzes entstanden weiter nach dem Muster der ersten RFCs. 1986 traf sich erstmals die IETF (Internet Engineering Task Force), eine offene Versammlung ohne Mitgliedschaft, in der jeder mitarbeiten kann, der kommt. David Clark fasste 1992 ihre Arbeitsweise in einen Satz, der zum Wahlspruch wurde: „Wir lehnen Könige, Präsidenten und Abstimmungen ab. Wir glauben an groben Konsens und laufenden Code.“26 Ein Standard ist, was in mehreren unabhängigen Umsetzungen nachweislich funktioniert. Diese Arbeitsweise setzte sich gegen die Alternative durch: Die Internationale Organisation für Normung hatte 1984 mit dem Modell OSI ein formal vollständiges Regelwerk für Rechnernetze in sieben Schichten beschlossen, hinter dem Regierungen und die Telefongesellschaften Europas standen. OSI war sorgfältiger, aber TCP/IP lief, war kostenlos in jedem Unix enthalten und hatte Nutzer. Anfang der 1990er Jahre war die Sache entschieden, und von OSI blieb das Vokabular der sieben Schichten.27

Selbst ausprobieren. Die Namensauflösung lässt sich mit einem Befehl beobachten. nslookup stockter.info (auf Linux und macOS auch dig stockter.info) fragt den Resolver des eigenen Anschlusses und zeigt die Adresse, die er liefert. dig +trace stockter.info führt die ganze Kette vor, vom Root-Server über die .info-Server bis zum zuständigen Server. Und ip addr beziehungsweise ipconfig zeigt die eigene Adresse im Heimnetz, meist eine, die mit 192.168 beginnt: ein privater Bereich, den der Router hinter einer einzigen öffentlichen Adresse verbirgt, weil die 4,3 Milliarden nicht gereicht haben.

4. Das World Wide Web (1989–1994)

Das Finden als Engpass. 1989 konnte ein Wissenschaftler an jeder Universität der westlichen Welt Dateien von jedem anderen Rechner holen, wenn er wusste, auf welchem Rechner sie lagen, in welchem Verzeichnis, unter welchem Namen, und wie das Programm hieß, das sie lesen konnte. Das Netz war da; die Information darin blieb verborgen. Erste Hilfen entstanden: 1990 begann Archie an der McGill-Universität in Montreal, die Dateilisten der FTP-Server abzusuchen, 1991 bot Gopher an der Universität von Minnesota Dokumente in Menüs an, durch die man sich von Rechner zu Rechner klicken konnte. Beides waren Kataloge. Was fehlte, war ein Weg, aus einem Dokument heraus unmittelbar auf ein anderes zu zeigen, wo auch immer es lag.

Hypertext. Die Idee dazu war alt. Vannevar Bush beschrieb 1945 in „As We May Think“ den Memex, einen Schreibtisch mit Mikrofilmen, in dem der Benutzer Spuren von einem Dokument zum nächsten legen und speichern kann.28 Ted Nelson prägte 1965 das Wort Hypertext für Text, der nicht linear ist, sondern aus Stücken besteht, die durch Verweise verbunden sind, und arbeitete jahrzehntelang an einem System namens Xanadu, das nie fertig wurde.29 Douglas Engelbart führte am 9. Dezember 1968 in San Francisco in neunzig Minuten ein System vor, das Verweise, Fenster, Videokonferenz und ein neues Zeigegerät, die Maus, enthielt; die Vorführung heißt seitdem „Mutter aller Demos“.30 Hypertext-Systeme gab es 1989 mehrere, aber alle für einen Rechner oder eine Datenbank. Keines reichte über das Netz.

Der Vorschlag. Tim Berners-Lee, ein britischer Physiker und Programmierer am Forschungszentrum CERN in Genf, hatte ein praktisches Problem: Tausende Wissenschaftler aus aller Welt kamen für Monate, brachten eigene Rechner, Programme und Dokumentationen mit und nahmen ihr Wissen wieder mit. Im März 1989 reichte er seinem Vorgesetzten ein Papier mit dem Titel „Information Management: A Proposal“ ein, das Hypertext mit dem Internet verbinden wollte: Jedes Dokument bekommt eine Adresse, jeder Verweis enthält die Adresse des Ziels, und ein Programm holt das Ziel auf Klick von jedem Rechner der Welt. Sein Chef Mike Sendall schrieb darauf: „Vage, aber aufregend“, und ließ ihn machen.31 Mit Robert Cailliau arbeitete er den Vorschlag 1990 aus, und bis Weihnachten 1990 hatte er auf einem NeXT-Rechner alle drei Bausteine geschrieben.

Die drei Bausteine sind bis heute das Web. Die URL (Uniform Resource Locator) ist die Adresse eines Dokuments: ein Schema, das sagt, wie man es holt, der Name des Rechners und der Pfad darauf, etwa https://stockter.info/glossar.html. HTML (Hypertext Markup Language) ist die Sprache, in der das Dokument geschrieben ist: Text mit Auszeichnungen in spitzen Klammern für Überschriften, Absätze und vor allem für Verweise, <a href="…">, die auf eine URL zeigen. Und HTTP (Hypertext Transfer Protocol) ist das Protokoll, mit dem ein Programm das Dokument anfordert: Der Browser öffnet eine TCP-Verbindung zum Rechner, schickt eine Zeile wie GET /glossar.html, und der Webserver antwortet mit einem Statuscode und dem Dokument.32 Die erste Website war info.cern.ch und erklärte, was das Web ist. Am 6. August 1991 stellte Berners-Lee das Projekt in einem Usenet-Forum öffentlich vor.

Abbildung 5: Das Web in einem Austausch. Der Browser zerlegt die Adresse in Schema, Host und Pfad, baut eine Verbindung zum Host auf und schickt eine HTTP-Anfrage. Der Server antwortet mit Statuscode und HTML-Dokument.https://stockter.info/glossar.htmlSchemaHostPfadBrowserServerGET /glossar.html HTTP/1.1Host: stockter.infoHTTP/1.1 200 OKContent-Type: text/html<html>…</html>
Abbildung 5: Das Web in einem Austausch. Der Browser zerlegt die Adresse in Schema, Host und Pfad, baut eine Verbindung zum Host auf und schickt eine HTTP-Anfrage. Der Server antwortet mit Statuscode und HTML-Dokument.

So sah eine der ersten Seiten im Quelltext aus, und ein Browser von heute zeigt sie noch genauso an:

<html>
<head><title>Beispiel</title></head>
<body>
<h1>Eine Seite</h1>
<p>Ein Absatz mit einem
<a href="https://stockter.info/glossar.html">Verweis</a>.</p>
</body>
</html>

Mosaic und die Freigabe. Zwei Entscheidungen machten aus dem Werkzeug eines Physiklabors ein Weltmedium. Am 30. April 1993 erklärte das CERN schriftlich, dass es auf alle Rechte an der Web-Software verzichtet; jeder durfte sie frei nutzen, verändern und weitergeben.33 Berners-Lee hatte darauf gedrängt, weil er gesehen hatte, wie Gopher an Boden verlor, nachdem die Universität von Minnesota 1993 Lizenzgebühren angekündigt hatte. Und im selben Jahr veröffentlichten Marc Andreessen und Eric Bina am Supercomputerzentrum NCSA der Universität von Illinois den Browser Mosaic: leicht zu installieren, für Windows, Macintosh und Unix, und mit Bildern mitten im Text statt in einem eigenen Fenster.34 Das Web war über Nacht etwas, das man ansehen konnte. Mitte 1993 gab es rund 130 Websites, Ende 1994 mehr als 10.000, 1997 über eine Million.22

Andreessen ging nach Kalifornien und gründete 1994 mit Jim Clark die Firma Netscape, deren Browser Navigator Ende des Jahres erschien und das Feld in Monaten eroberte. Berners-Lee ging ans MIT und gründete im Oktober 1994 das W3C (World Wide Web Consortium), das die Standards des Webs seitdem offen und ohne Gebühren weiterentwickelt. Das Finden war gelöst, soweit man einen Verweis hatte, und die nächste Frage stellte sich schon: Wer bezahlt das alles, und wer darf mitmachen? Das NSFNET war ein Forschungsnetz, und seine Nutzungsregeln schlossen kommerziellen Verkehr aus.

Selbst ausprobieren. Jeder Browser zeigt mit dem Befehl „Seitenquelltext anzeigen“ (meist Strg+U) das HTML der Seite, die er gerade darstellt, auch dieser. Wer die Anfrage selbst sehen will, tippt im Terminal curl -v https://stockter.info/ und sieht die Zeilen, die der Browser schickt, und die Kopfzeilen der Antwort mit dem Statuscode 200 OK. Und eine eigene Seite braucht keinen Server: Den Quelltext oben als Datei seite.html speichern und im Browser öffnen. Das war 1991 die ganze Technik, und sie ist es noch.

5. Kommerz, Suche und Blase (1995–2001)

Die Öffnung. Bis 1991 war das Internet in den USA ein Forschungsnetz; wer darüber Geschäfte machte, verstieß gegen die Regeln der National Science Foundation. Kommerzielle Anbieter hatten eigene Netze gebaut, UUNET seit 1987, PSINet seit 1989, und 1991 verbanden sie diese untereinander, um Forschungsnetz und Verbot zu umgehen. Im selben Jahr lockerte die NSF ihre Nutzungsregeln und ließ erstmals kommerziellen Verkehr auf ihrem Rückgrat zu, und 1992 erlaubte ihr der Kongress das ausdrücklich per Gesetz.35 Am 30. April 1995 schaltete die NSF ihr Rückgrat ab; das Internet bestand nun aus den Netzen privater Internetanbieter (Internet Service Provider, ISP), die sich an Austauschpunkten gegenseitig Verkehr übergeben, meist ohne Geld, nach dem Grundsatz, dass es beiden nützt. In Deutschland war der Zugang zuerst an Universitäten entstanden, dann über kleine Firmen aus deren Umfeld, und 1995 öffnete die Telekom ihren Bildschirmtext-Dienst unter dem Namen T-Online fürs Internet; 1997 waren etwa vier Millionen Deutsche online.

Für die meisten Menschen begann das Internet mit einem Geräusch: dem Pfeifen und Rauschen des Modems, das sich über die Telefonleitung bei einem Anbieter einwählte. 1994 übertrug ein Modem 28,8 Kilobit pro Sekunde, 1998 56; eine Seite mit Bildern brauchte eine halbe Minute, und solange die Verbindung stand, war das Telefon besetzt und die Uhr lief. Abgerechnet wurde nach Minuten.

Handel und Verschlüsselung. Im Juli 1995 verkaufte Amazon sein erstes Buch, im September begann eBay als Auktionsseite eines Programmierers in San José, und Netscape ging am 9. August 1995 an die Börse: Die Aktie, zu 28 Dollar ausgegeben, schloss am ersten Tag bei 58. Dass man einem Händler über das Netz eine Kreditkartennummer schicken konnte, verdankte sich einer Erfindung von Netscape aus demselben Jahr: SSL (Secure Sockets Layer), ein Protokoll, das die Verbindung zwischen Browser und Server verschlüsselt und den Server durch ein Zertifikat ausweist, eine von einer vertrauenswürdigen Stelle unterschriebene Bescheinigung, dass dieser Schlüssel zu diesem Namen gehört. Aus SSL wurde 1999 der Standard TLS, und aus http:// wurde für den geschützten Fall https://.36 Verschlüsselung blieb aber die Ausnahme für Kassen und Anmeldeseiten; alles andere lief zwei Jahrzehnte lang im Klartext durchs Netz.

Das Web lernt laufen. Netscape fügte seinem Browser 1995 eine Programmiersprache hinzu, JavaScript, in zehn Tagen von Brendan Eich entworfen, mit der eine Seite auf Eingaben reagieren konnte, ohne den Server zu fragen; 1996 kam CSS (Cascading Style Sheets), eine Sprache für Schrift, Farbe und Anordnung, die das Aussehen vom Inhalt trennt. Die drei Sprachen HTML, CSS und JavaScript sind seitdem das Material jeder Webseite. Dazu kamen Programme auf dem Server, die Seiten erst beim Aufruf erzeugten, aus einer Datenbank, für jeden Besucher anders: Das Web wurde von einer Dokumentensammlung zu einer Oberfläche für Anwendungen.

Der Browserkrieg. Microsoft hatte das Internet 1995 unterschätzt und holte mit Macht auf: Der Internet Explorer wurde kostenlos mit Windows ausgeliefert und ab 1997 tief hineingebaut. Netscapes Anteil fiel von über 80 Prozent 1996 auf unter 20 Prozent 2000. Das amerikanische Justizministerium klagte 1998 wegen Missbrauchs der Monopolstellung, ein Gericht ordnete 2000 die Aufspaltung an, die ein Berufungsgericht 2001 aufhob; es blieb bei einem Vergleich mit Auflagen.37 Netscape legte 1998 den Quelltext seines Browsers offen; daraus entstand Mozilla und 2004 Firefox. Dass Browser kostenlos sind und ihre Hersteller das Geld anderswo verdienen, stammt aus diesem Krieg.

Die Suche. Mit Millionen Seiten war der Verweis allein kein Weg mehr zum Finden. Yahoo begann 1994 als handgepflegter Katalog zweier Studenten in Stanford, AltaVista zeigte Ende 1995, dass ein Rechner den Volltext des ganzen Webs durchsuchen konnte, und Dutzende Suchmaschinen folgten, die alle das gleiche Problem hatten: Für ein Wort gab es zehntausend Seiten, und welche nach oben gehörte, wussten sie nicht. Larry Page und Sergey Brin, ebenfalls Studenten in Stanford, lösten es 1998 mit einer Idee, die sie PageRank nannten: Eine Seite ist wichtig, wenn viele wichtige Seiten auf sie verweisen. Die Verweise, die Berners-Lee als Wege gedacht hatte, wurden als Stimmen gelesen. Im April 1998 stellten sie das Verfahren auf einer Tagung vor, ihr Prototyp hatte 24 Millionen Seiten erfasst, und im September gründeten sie Google.38 Die Suchmaschine wurde zur wichtigsten Tür ins Web, und ab 2000 verkaufte Google neben den Ergebnissen kleine Anzeigen, die zu den Suchwörtern passten. Das war das Geschäftsmodell, das das Web zwei Jahrzehnte lang bezahlte: Werbung, die auf dem beruht, was der Nutzer gerade will.

Ein Jahrzehnt lang entschied der Verweis, nicht der Betreiber, was oben stand. Ein Beispiel für das Verfahren in Zahlen: Zeigen drei Seiten auf eine vierte, und hat jede der drei selbst einen Wert von 1, bekommt die vierte 3 geteilt durch die Zahl der Verweise, die jede der drei ausgehen lässt. Wer von einer Seite mit Wert 1 und zehn ausgehenden Verweisen genannt wird, erbt ein Zehntel; wer als Einziger von ihr genannt wird, erbt alles. Das Ganze wird so lange wiederholt, bis sich die Werte nicht mehr ändern.

Die Verwaltung. Jon Postel hatte seit den 1970er Jahren die Nummern und Namen des Netzes im Alleingang verwaltet, als Dienst an der Gemeinschaft. 1998 übergab die amerikanische Regierung diese Aufgabe an die ICANN, eine gemeinnützige Gesellschaft in Kalifornien, die die Endungen vergibt, die Root-Server koordiniert und die Adressblöcke an fünf regionale Register weiterreicht; Postel starb im Oktober desselben Jahres. Die Aufsicht der amerikanischen Regierung endete 2016. Die Frage, wem das Netz gehört, hat seitdem eine praktische Antwort: Die Leitungen gehören den Anbietern, die Namen und Nummern verwaltet eine Stiftung, die Regeln schreibt die IETF, und niemand hat alles.

Die Blase. Dass das Web Geld wert war, wussten 1999 alle; wie viel, niemand. Firmen ohne Umsatz wurden mit Milliarden bewertet, weil sie im Netz waren, und wer zu lange nach einem Geschäftsmodell fragte, galt als rückständig. Der Nasdaq, die Börse der Technologiefirmen, erreichte am 10. März 2000 seinen Höchststand von 5.048 Punkten und verlor bis Oktober 2002 drei Viertel seines Wertes.39 Hunderte Firmen verschwanden, mit ihnen Zehntausende Stellen und die Glasfaserleitungen, die auf Vorrat verlegt worden waren. Die Leitungen blieben liegen, und wer sie später nutzte, zahlte wenig. Die Blase hatte die nächste Epoche vorfinanziert.

Den Musikmarkt erreichte das Netz 1999 über Napster, ein Programm, mit dem Nutzer Musikdateien von den Rechnern anderer Nutzer holten, ohne Server in der Mitte. Zwei Jahre später hatte es 80 Millionen Nutzer, und ein Gericht schloss es; aber das Prinzip, dass jeder Rechner zugleich Anbieter und Kunde sein kann, Peer-to-Peer, lebte in BitTorrent weiter, und die Musikindustrie fand erst 2003 mit dem iTunes Store und 2008 mit Spotify eine Antwort.40 Der Engpass dieser Epoche war der Zugang: Das Netz war für die meisten eine Telefonverbindung mit Minutentakt, und die Seiten darin waren zum Lesen gemacht, nicht zum Schreiben.

6. Breitband, Web 2.0 und Smartphone (2001–2012)

Immer an. Zwei Techniken beendeten das Modem. DSL schickt über die vorhandene Kupferleitung des Telefons Daten in einem Frequenzbereich oberhalb der Sprache, so dass man telefonieren und im Netz sein kann, zuerst mit 768 Kilobit pro Sekunde, 2006 mit 16 Megabit; in Deutschland bot die Telekom es ab 1999 an, und im Juni 2000 kam der erste Pauschaltarif, der den Minutentakt abschaffte.41 Das Fernsehkabel brachte vergleichbare Raten. Breitband war mehr als Geschwindigkeit: Der Anschluss war immer da, das Netz wurde vom Ort, an den man sich einwählte, zum Zustand. Mit dem Wachstum der Leitungen hielt die Zahl der Nutzer Schritt: 2005 war eine Milliarde Menschen online, 2010 zwei.

Abbildung 6: Die Geschwindigkeit eines Heimanschlusses in Deutschland, in Kilobit pro Sekunde auf logarithmischer Skala. Jede Stufe der Achse ist zehnmal so schnell wie die vorige. Die Jahreszahlen sind Anhaltspunkte, wann die Technik in Haushalten ankam; ISDN etwa gab es seit 1989, verbreitet war es erst ab Mitte der 1990er. Vom Modem bis zur Glasfaser wuchs die Bandbreite um das Vierhunderttausendfache.Geschwindigkeit eines Heimanschlusses (kbit/s, logarithmisch)1101001.00010.000100.0001 Mio.2,4Modem199028,8Modem199464ISDN1995768DSL199916.000DSL200650.000VDSL2010250.000Vectoring20181.000.000Glasfaser2022
Abbildung 6: Die Geschwindigkeit eines Heimanschlusses in Deutschland, in Kilobit pro Sekunde auf logarithmischer Skala. Jede Stufe der Achse ist zehnmal so schnell wie die vorige. Die Jahreszahlen sind Anhaltspunkte, wann die Technik in Haushalten ankam; ISDN etwa gab es seit 1989, verbreitet war es erst ab Mitte der 1990er. Vom Modem bis zur Glasfaser wuchs die Bandbreite um das Vierhunderttausendfache.

Das Web zum Schreiben. Die Ruinen der Blase waren das Material der nächsten Welle. Am 15. Januar 2001 ging Wikipedia online, eine Enzyklopädie, die jeder bearbeiten darf; 2005 hatte die englische Ausgabe 750.000 Artikel, 2025 fast sieben Millionen, und das Projekt bewies, dass Menschen ohne Bezahlung und ohne Redaktion ein Nachschlagewerk schreiben, das mit gedruckten mithält.42 Weblogs, kurz Blogs, machten jeden zum Verleger. Technisch möglich wurde ein Web, das sich anfühlte wie ein Programm, durch eine Technik, die Jesse James Garrett 2005 Ajax taufte: JavaScript holt im Hintergrund Daten vom Server und setzt sie in die Seite ein, ohne sie neu zu laden.43 Google Mail von 2004 und Google Maps von 2005, mit seiner Karte, die man mit der Maus verschieben konnte, zeigten, was damit ging. Tim O’Reilly fasste die neue Welle 2005 unter dem Namen Web 2.0 zusammen: das Web als Plattform, Inhalte von den Nutzern, Dienste, die besser werden, je mehr Menschen sie nutzen.44

Die Dienste, die das Web 2.0 hervorbrachte, sind die Plattformen von heute. Facebook begann im Februar 2004 in einem Studentenzimmer in Harvard, YouTube im Februar 2005 über einer Pizzeria in Kalifornien, Twitter im März 2006. Die Zahl der Websites stieg weiter, aber die Zeit der Nutzer sammelte sich auf wenigen. Das soziale Netzwerk gab dem Netz etwas, das es nie hatte: eine Identität, die über Seiten hinweg gilt, und einen Strom von Nachrichten, den ein Algorithmus nach dem ordnet, was den Nutzer am längsten hält. Die Werbung, die Google an Suchwörter gehängt hatte, hing nun an Personen.

Die Wolke. 2006 begann Amazon, die Rechner, die es für seinen Laden betrieb, stundenweise zu vermieten: erst Speicher, dann ganze virtuelle Maschinen. Was die Geschichte der Softwareentwicklung als Cloud beschreibt, ist für das Internet die Rückkehr des Time-Sharing in anderem Maßstab: Der Rechner, auf dem ein Dienst läuft, steht irgendwo, wird nach Verbrauch bezahlt und kann in Minuten das Hundertfache werden. Ein Student mit einer Kreditkarte hatte Zugang zu Rechenleistung, für die zehn Jahre zuvor ein Rechenzentrum nötig gewesen wäre. Dazu kamen ab 2000 Content Delivery Networks, die Kopien beliebter Inhalte in Hunderten Rechenzentren nah bei den Nutzern halten; wer heute ein Video abruft, bekommt es selten vom Server des Anbieters, sondern aus einem Zwischenspeicher in der eigenen Stadt.

Das Netz in der Tasche. Mobiltelefone konnten seit 2000 ins Netz, über GPRS mit der Geschwindigkeit eines alten Modems und auf Seiten, die eigens für zwei Zeilen Anzeige geschrieben waren. Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs das iPhone vor, mit einem vollständigen Browser auf einem Bildschirm, der mit den Fingern bedient wurde; 2008 folgte der App Store, in dem Fremde Programme für das Gerät anbieten durften, und im selben Jahr das erste Telefon mit Googles Android.45 Das Mobilfunknetz zog nach: UMTS brachte hunderte Kilobit, LTE ab 2010 Dutzende Megabit, 5G ab 2019 das Zehnfache. Im Oktober 2016 kam zum ersten Mal mehr Verkehr im Web von Telefonen und Tablets als von Tischrechnern.46 Für Milliarden Menschen in Afrika und Asien war das Telefon der erste und einzige Zugang zum Netz, und die App, ein Programm, das mit dem Server seines Herstellers spricht, löste für viele Zwecke den Browser ab. Das Web war nicht mehr das Internet; es war einer seiner Dienste, neben den geschlossenen Welten der Apps.

Die Adressen gehen aus. Am 3. Februar 2011 vergab die zentrale Verwaltung den letzten freien Block von IP-Adressen an die regionalen Register; 2019 hatte auch das europäische Register keine mehr.47 Die Antwort stand seit 1998 fertig: IPv6, die neue Fassung des Internet Protocol, mit 128 statt 32 Bit, also 2¹²⁸ Adressen, eine Zahl mit 39 Stellen, geschrieben in acht Gruppen hexadezimal, etwa 2001:db8::7. Die Umstellung war die zweite des Netzes nach 1983, aber ohne Stichtag, weil niemand sie anordnen konnte, und sie dauert noch an: 2025 lief etwa die Hälfte des Verkehrs zu Google über IPv6, in Deutschland mehr als zwei Drittel.48 Dass beide Fassungen nebeneinander laufen und die alte durch Tricks wie das Teilen einer Adresse unter vielen Geräten am Leben bleibt, ist der Preis dafür, dass ein Netz ohne Zentrale niemanden zwingen kann.

Der Engpass am Ende dieser Epoche war nicht mehr technisch. Das Netz war überall und immer da. Aber die Dienste, über die die Menschen es nutzten, gehörten einer Handvoll Firmen, und was diese mit den Daten taten, wusste niemand.

7. Plattformen, Verschlüsselung und Regeln (seit 2013)

Die Enthüllung. Am 5. und 6. Juni 2013 veröffentlichten der Guardian und die Washington Post Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes NSA, die Edward Snowden, ein Mitarbeiter einer Vertragsfirma, mitgenommen hatte. Sie zeigten, dass die NSA Verbindungsdaten amerikanischer Telefonkunden sammelte, an den Glasfaserkabeln den Verkehr abgriff und über ein Programm namens PRISM Zugang zu Daten der großen Internetfirmen hatte.49 Für die Ingenieure des Netzes war die Folge eindeutig: Die IETF erklärte 2014 die flächendeckende Überwachung zu einem Angriff, gegen den das Netz zu schützen sei, und beschloss, Verschlüsselung zum Normalfall zu machen.50 Der Hebel kam 2015 mit Let’s Encrypt, einer gemeinnützigen Zertifizierungsstelle, die Zertifikate kostenlos und automatisch ausstellt; vorher kosteten sie Geld und Arbeit. Ende 2015 waren knapp vier von zehn Seitenaufrufen verschlüsselt, Ende 2016 erstmals die Hälfte, 2026 rund neun von zehn, und Browser warnen vor dem Rest.51 Was unterwegs mitgelesen werden kann, ist seitdem nur noch, wer mit wem spricht, nicht mehr, was.

Die Plattformen. Die zweite Lehre betraf nicht Staaten, sondern Firmen. 2018 wurde bekannt, dass die Firma Cambridge Analytica über eine Umfrage-App die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern erhalten und für Wahlkampfwerbung genutzt hatte.52 Die Plattformen, in den 2000er Jahren als Orte des Mitmachens gefeiert, erschienen nun als das, was sie wirtschaftlich waren: Sammler von Verhaltensdaten, die Aufmerksamkeit an Werbekunden verkaufen und deren Algorithmen bevorzugen, was Reaktionen erzeugt. Google und Meta erhielten 2024 zusammen rund die Hälfte der weltweiten Werbeausgaben im Netz.53 Der Verweis, der 1998 die Suche geordnet hatte, zählte weniger als der Strom, den der Algorithmus zusammenstellte.

Die Regeln. Die Antwort der Politik kam zuerst aus Europa. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), 2016 beschlossen und seit dem 25. Mai 2018 anzuwenden, gab jedem Menschen in der EU das Recht zu erfahren, was eine Firma über ihn speichert, es löschen zu lassen und einer Verarbeitung zu widersprechen, mit Bußgeldern bis zu vier Prozent des Weltumsatzes.54 Die Cookie-Banner, die seitdem jede Seite zeigt, sind ihre sichtbarste und umstrittenste Folge. 2022 folgten das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act), das große Plattformen zu Verfahren gegen rechtswidrige Inhalte, zur Offenlegung ihrer Empfehlungsalgorithmen und zu Prüfungen durch Dritte verpflichtet, und das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act), das den größten Plattformen verbietet, eigene Dienste zu bevorzugen und Nutzer einzusperren.55 Die Netzneutralität, der Grundsatz, dass ein Anbieter alle Pakete gleich behandelt und keinen Dienst bremst oder bevorzugt, steht in der EU seit 2016 im Gesetz; in den USA wurde sie 2015 eingeführt, 2017 abgeschafft, 2024 wieder eingeführt und im Januar 2025 von einem Gericht endgültig verworfen.56 Der Grundsatz, den das Ende-zu-Ende-Prinzip 1984 technisch begründet hatte, wurde zur politischen Frage, und die Antworten fielen je nach Kontinent verschieden aus.

Das zerteilte Netz. Von Anfang an war das Internet ein Netz ohne Grenzen gewesen; dass Staaten es nicht lassen würden, zeigte sich früh. China baute ab 1998 ein System aus Filtern an seinen Übergabepunkten, die Große Firewall, die ausländische Dienste sperrt und den inländischen Verkehr durchsucht; Google, Facebook und Wikipedia sind dort nicht erreichbar, und der inländische Markt brachte eigene Plattformen hervor, die zu den größten der Welt gehören. Russland verpflichtete seine Anbieter 2019, Geräte für die zentrale Steuerung des Verkehrs einzubauen, um das Land vom Rest des Netzes trennen zu können. Die Organisation Access Now zählte 2024 weltweit 296 absichtliche Abschaltungen des Internets in 54 Ländern, bei Wahlen, Protesten und Prüfungen, mehr als je zuvor.57 Das Wort Splinternet bezeichnet die Sorge, dass aus dem einen Netz mehrere werden, die sich nur noch an kontrollierten Übergängen berühren.

Unter dem Meer und im Orbit. Die Leitungen selbst blieben, was sie seit 1866 waren: Kabel durch das Meer. 2025 lagen rund 600 Unterseekabel mit zusammen etwa 1,5 Millionen Kilometern Länge, über die fast der gesamte Verkehr zwischen den Kontinenten läuft; ein einziges modernes Kabel trägt mehrere hundert Terabit pro Sekunde, das Millionenfache des ersten Glasfaserkabels von 1988.58 Dass sie verletzlich sind, zeigten Ankerschäden in der Ostsee 2023 und 2024, die Ermittlungen über Sabotage auslösten. Als Ergänzung kam das Netz aus dem Orbit: Starlink begann 2019, Tausende kleine Satelliten in niedrige Bahnen zu bringen, 2025 waren es über 7.000, und sie versorgen Orte ohne Kabel, Schiffe, Flugzeuge und seit 2022 die Ukraine im Krieg, womit ein einzelnes Unternehmen entschied, wo das Netz ist.59 In Deutschland lag Glasfaser Mitte 2025 zwar vor gut der Hälfte der Haushalte und Betriebe, war aber nur bei gut einem Viertel ins Haus gelegt und bei rund 6,6 Millionen Anschlüssen in Gebrauch; der größere Teil des Verkehrs ging weiter über das Kupfer, das für Telefon und Fernsehen verlegt worden war.60

Die Protokolle erneuern sich. Unter der Oberfläche änderte sich mehr, als die Nutzer merkten. HTTP, seit 1997 kaum verändert, erhielt 2015 eine zweite Fassung, die viele Anfragen über eine Verbindung bündelt, und 2022 eine dritte, die auf QUIC aufsetzt, einem von Google entworfenen Transportprotokoll über UDP, das die Verbindung schneller aufbaut und bei einem Wechsel vom WLAN ins Mobilfunknetz nicht abreißt.61 TLS 1.3 von 2018 strich die unsicheren Verfahren aus zwei Jahrzehnten. Das DNS, das seit 1983 unverschlüsselt fragte und damit verriet, welche Seiten jemand aufruft, kann seit 2018 über HTTPS laufen. Und die IETF arbeitet, ohne Könige und Abstimmungen, mit demselben Verfahren wie 1986, nur dass jetzt rund 10.000 RFCs vorliegen.

Die Maschinen lesen mit. Die jüngste Wendung kommt aus der Geschichte der KI. Die Sprachmodelle, die seit 2022 Texte schreiben, wurden auf dem Web trainiert; das Projekt Common Crawl, das seit 2008 regelmäßig das offene Web kopiert, umfasst mehrere hundert Milliarden Seiten und war die Grundlage der meisten Modelle.62 Seit 2023 lesen Programme der KI-Firmen Websites systematisch aus, und Betreiber wehren sich: Die Datei robots.txt, mit der eine Website seit 1994 Suchmaschinen sagt, was sie nicht erfassen sollen, wurde zur Grenzlinie, Verlage klagten wegen Urheberrechts, und der Netzbetreiber Cloudflare, über den ein Fünftel aller Websites läuft, sperrt seit Juli 2025 die KI-Programme standardmäßig aus.63 Zugleich beantworten Suchmaschinen Fragen seit 2024 mit einem von KI geschriebenen Absatz über den Ergebnissen, so dass der Verweis, von dem Websites zwei Jahrzehnte lang lebten, seltener geklickt wird. Dazu kommt die Flut: Texte und Bilder, die Maschinen in Sekunden erzeugen, füllen das Web schneller, als Menschen es lesen, und Modelle, die auf solchem Material weitertrainieren, lernen von sich selbst. Was im Web steht, war nie verlässlich; dass es von einem Menschen geschrieben wurde, war bis 2022 wenigstens wahrscheinlich.

Das Internet löst in sechs Jahrzehnten einen Engpass nach dem anderen: die Leitung, die Insel, die Unverträglichkeit, das Finden, den Zugang, das Mitmachen. Was offen bleibt, ist das Vertrauen: wer mitliest, wer entscheidet, was man sieht, und ob das, was man sieht, von jemandem stammt. Die Technik, die das Netz gebaut hat, Pakete, Protokolle, Ende-zu-Ende, ist dafür nicht zuständig. Sie befördert Pakete und sonst nichts, und genau das war ihr Erfolg.

Selbst ausprobieren. Ein Klick auf das Schloss neben der Adresse im Browser zeigt das Zertifikat dieser Seite: wer es ausgestellt hat, für welchen Namen, bis wann. Die Seite https://stockter.info/robots.txt zeigt, was diese Website Suchmaschinen und KI-Programmen erlaubt. Die Seite test-ipv6.com verrät, ob der eigene Anschluss schon die neue Adressfassung spricht. Und wer wissen will, wie eine Seite 1996 aussah, findet sie im Internet Archive unter web.archive.org, das seit 1996 das Web kopiert und im Oktober 2025 die Billion Seiten erreichte.

Abbildung 7: Internetnutzer weltweit in Milliarden nach Schätzungen der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). 1995 war weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung online, 2024 mehr als zwei Drittel.Internetnutzer weltweit (Milliarden)0123450,0219950,420001,020052,020103,220154,620205,52024
Abbildung 7: Internetnutzer weltweit in Milliarden nach Schätzungen der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). 1995 war weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung online, 2024 mehr als zwei Drittel.

Die Kette in Kurzform

  1. Telegraf und Telefon (1844–1950er) verbinden Menschen über Leitungen, aber jede Verbindung belegt eine ganze Leitung, und jeder Rechner ist eine Insel.
  2. Paketvermittlung und ARPANET (1961–1972) teilen die Leitungen und verbinden die Rechner. Jedes Netz spricht aber seine eigene Sprache.
  3. TCP/IP (1974–1983) legt eine gemeinsame Schicht über alle Netze und macht sie zu einem. Die Information darin bleibt schwer zu finden.
  4. Das World Wide Web (1989–1994) verknüpft Dokumente über Verweise und gibt jedem eine Adresse. Das Netz ist ein Forschungsnetz, und der Zugang ist teuer.
  5. Öffnung, Handel und Suche (1995–2001) machen das Netz zum Markt, die Suchmaschine zur Tür. Das Netz ist eine Telefonverbindung, und die Seiten sind nur zum Lesen.
  6. Breitband, Web 2.0 und Smartphone (2001–2012) machen das Netz zum Dauerzustand und jeden zum Autor. Die Dienste gehören wenigen Firmen.
  7. Verschlüsselung, Regeln und KI (seit 2013) antworten auf Überwachung und Plattformmacht. Offen bleibt, wem man im Netz vertrauen kann.

Zeitleiste

JahrEreignis
1844Morse: erste öffentliche Telegrafenlinie Washington–Baltimore
1858Erstes Transatlantikkabel (hält drei Wochen); dauerhaft 1866
1876Bell: Patent auf das Telefon
1945Bush: „As We May Think“ (Memex)
1948Shannon: Mathematische Theorie der Nachrichtenübertragung
1958ARPA gegründet; erstes Modem von Bell
1960Licklider: „Man-Computer Symbiosis“
1961Kleinrock beginnt seine Doktorarbeit über Warteschlangen in Netzen (abgeschlossen 1962)
1964Baran: „On Distributed Communications“
1965Nelson prägt „Hypertext“; Davies prägt „Paket“ (1965/66)
1967Roberts stellt den ARPANET-Plan vor
1968Engelbart: „Mutter aller Demos“
1969RFC 1 (April); erste ARPANET-Nachricht „LO“ (29. Oktober); vier Knoten (Dezember)
1971Tomlinson: E-Mail mit @; ALOHAnet
1972Öffentliche Vorführung des ARPANET in Washington; Cyclades
1973Metcalfe: Ethernet; erste Knoten in Norwegen und London
1974Cerf und Kahn: TCP, das Wort „Internet“
1978Teilung in TCP und IP; erste Werbe-Mail
1979Usenet
1981RFC 791 (IP) und 793 (TCP)
19831. Januar: Umstellung auf TCP/IP; DNS
1984Erste E-Mail in Deutschland (Karlsruhe); DFN; Ende-zu-Ende-Aufsatz; OSI-Modell
1985Erste Endungen .com, .edu, .org; NSFNET beginnt
1986Erste Tagung der IETF; .de eingetragen
1988Jacobson: Überlastkontrolle; Morris-Wurm (2. November); CERT; erstes Glasfaserkabel durch den Atlantik
1989Berners-Lee: „Information Management: A Proposal“; 100.000 Rechner
1990Erster Webserver und Browser am CERN; ARPANET abgeschaltet; Archie
1991Web öffentlich vorgestellt; Gopher; NSF lässt kommerziellen Verkehr zu
1992Clark: „Grober Konsens und laufender Code“; Kongress erlaubt kommerziellen Verkehr; eine Million Rechner
1993CERN gibt das Web frei (30. April); Mosaic
1994Netscape; W3C; Yahoo; Amazon gegründet
1995NSFNET abgeschaltet; Amazon und eBay online; Netscape an der Börse; SSL; JavaScript; T-Online; AltaVista
1996CSS; Internet Archive
1998Google; ICANN; Klage gegen Microsoft; Große Firewall begonnen
1999TLS 1.0; Napster; DSL in Deutschland
2000Nasdaq-Höchststand (10. März), Platzen der Blase; erster Pauschaltarif in Deutschland (Juni)
2001Wikipedia (15. Januar); BitTorrent
2004Facebook; Gmail; Firefox
2005YouTube; Ajax; O’Reilly: „Web 2.0“; eine Milliarde Nutzer
2006Amazon vermietet Rechner (Cloud); Twitter
2007iPhone
2008App Store; Android; Common Crawl
2010LTE; zwei Milliarden Nutzer
2011Letzte freie IPv4-Blöcke vergeben (3. Februar)
2013Snowden-Enthüllungen (Juni)
2015Let’s Encrypt; HTTP/2; Netzneutralität in der EU beschlossen
2016Mehr Webverkehr von Telefonen und Tablets als von Tischrechnern; ICANN ohne US-Aufsicht
2018DSGVO anwendbar (25. Mai); Cambridge Analytica; TLS 1.3
2019Erste Starlink-Satelliten; Russlands Gesetz zum „souveränen Internet“; 5G
2022HTTP/3; Digital Services Act und Digital Markets Act; ChatGPT
20245,5 Milliarden Nutzer; 296 Abschaltungen in 54 Ländern
2025Cloudflare sperrt KI-Programme standardmäßig; Internet Archive erreicht eine Billion Seiten
2026Rund neun von zehn Seitenaufrufen verschlüsselt

Weiterlesen

  • Janet Abbate: Inventing the Internet. MIT Press, Cambridge 1999. Die Standardgeschichte des ARPANET und des Internets bis zum Web, aus den Quellen.
  • Katie Hafner, Matthew Lyon: Where Wizards Stay Up Late. The Origins of the Internet. Simon & Schuster, New York 1996. Die Entstehung des ARPANET als Erzählung, mit den Beteiligten als Zeugen.
  • Tim Berners-Lee, Mark Fischetti: Weaving the Web. HarperCollins, San Francisco 1999 (deutsch: Der Web-Report, Econ 1999). Der Erfinder des Webs über seine Idee und was aus ihr wurde.
  • Andrew Blum: Tubes. A Journey to the Center of the Internet. Ecco, New York 2012 (deutsch: Kabelsalat, Rowohlt 2012). Eine Reise zu den Kabeln, Austauschpunkten und Rechenzentren, aus denen das Netz physisch besteht.
  • Andrew L. Russell: Open Standards and the Digital Age. History, Ideology, and Networks. Cambridge University Press, New York 2014. Wie Standards entstehen und warum TCP/IP gegen OSI gewann.
  • Jonathan Zittrain: The Future of the Internet and How to Stop It. Yale University Press, New Haven 2008. Warum das offene Netz jeden neuen Dienst zuließ und was es durch Apps und Plattformen verliert.
  • Shoshana Zuboff: The Age of Surveillance Capitalism. PublicAffairs, New York 2019 (deutsch: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, Campus 2018). Die Kritik des Geschäftsmodells der Plattformen.
  • Barry M. Leiner u. a.: A Brief History of the Internet. Internet Society 1997, laufend aktualisiert. Die Geschichte, erzählt von den Beteiligten selbst, Cerf und Kahn eingeschlossen; frei im Netz.

Quellen

Die Chronik stützt sich auf die Originalarbeiten und zeitgenössischen Berichte, die in den Fußnoten genannt sind.


  1. International Telecommunication Union (2024): Measuring digital development. Facts and Figures 2024. Genf. 5,5 Milliarden Nutzer, 68 Prozent der Weltbevölkerung. ↩︎

  2. Shannon, C. E. (1948): A Mathematical Theory of Communication. Bell System Technical Journal 27(3), 379–423 und 27(4), 623–656. ↩︎

  3. Licklider, J. C. R. (1960): Man-Computer Symbiosis. IRE Transactions on Human Factors in Electronics HFE-1, 4–11. ↩︎

  4. Licklider, J. C. R. (1963): Memorandum for Members and Affiliates of the Intergalactic Computer Network. ARPA, 23. April 1963. ↩︎

  5. Kleinrock, L. (1961): Information Flow in Large Communication Nets. Proposal for a Ph.D. Thesis, MIT, 31. Mai 1961. Dissertation: Kleinrock, L. (1962): Message Delay in Communication Nets with Storage. Ph.D. Thesis, MIT, Dezember 1962. Ausgearbeitet in: Kleinrock, L. (1964): Communication Nets. Stochastic Message Flow and Delay. McGraw-Hill, New York. ↩︎

  6. Baran, P. (1964): On Distributed Communications. RAND Corporation, Memoranda RM-3420-PR bis RM-3767-PR, Santa Monica. Zusammenfassung: Baran, P. (1964): On Distributed Communications Networks. IEEE Transactions on Communications Systems 12(1), 1–9. ↩︎

  7. Davies, D. W. (1966): Proposal for a Digital Communication Network. National Physical Laboratory, Teddington, Juni 1966. Vorarbeiten ab November 1965. Zur Entstehung: Abbate, J. (1999): Inventing the Internet. MIT Press, Cambridge, MA, Kapitel 1. ↩︎

  8. Roberts, L. G. (1967): Multiple Computer Networks and Intercomputer Communication. Proceedings of the ACM Symposium on Operating System Principles, Gatlinburg, 3.1–3.6. ↩︎

  9. Kleinrock, L.: The Day the Infant Internet Uttered its First Words. UCLA, Bericht über den 29. Oktober 1969; IMP-Logbuch der UCLA mit dem Eintrag „talked to SRI host to host“ um 22:30 Uhr. Zu den vier Knoten: Heart, F. E., Kahn, R. E., Ornstein, S. M., Crowther, W. R., Walden, D. C. (1970): The Interface Message Processor for the ARPA Computer Network. AFIPS Spring Joint Computer Conference 36, 551–567. ↩︎

  10. Crocker, S. (1969): Host Software. RFC 1, Network Working Group, 7. April 1969. Zur Entstehung des Namens: Crocker, S. (2009): How the Internet Got Its Rules. The New York Times, 6. April 2009. ↩︎

  11. Tomlinson, R.: The First Network Email. Eigener Bericht, BBN, ohne Jahr. Zum Anteil der E-Mail: Abbate, J. (1999): Inventing the Internet. MIT Press, Cambridge, MA, 106–111. Zur ersten Werbe-Mail: Templeton, B.: Reaction to the DEC Spam of 1978, mit dem Wortlaut der Nachricht vom 3. Mai 1978. ↩︎

  12. Roberts, L. G. (1978): The Evolution of Packet Switching. Proceedings of the IEEE 66(11), 1307–1313. ↩︎

  13. Pouzin, L. (1973): Presentation and Major Design Aspects of the CYCLADES Computer Network. Proceedings of the Third ACM Data Communications Symposium, 80–87. ↩︎

  14. Abramson, N. (1970): The ALOHA System. Another Alternative for Computer Communications. AFIPS Fall Joint Computer Conference 37, 281–285. ↩︎

  15. Metcalfe, R. M., Boggs, D. R. (1976): Ethernet. Distributed Packet Switching for Local Computer Networks. Communications of the ACM 19(7), 395–404. Die erste Skizze stammt aus einer Denkschrift vom 22. Mai 1973. ↩︎

  16. Cerf, V. G., Kahn, R. E. (1974): A Protocol for Packet Network Intercommunication. IEEE Transactions on Communications 22(5), 637–648. ↩︎

  17. Cerf, V., Dalal, Y., Sunshine, C. (1974): Specification of Internet Transmission Control Program. RFC 675, Dezember 1974. ↩︎

  18. Postel, J. (Hrsg.) (1981): Internet Protocol. RFC 791; Transmission Control Protocol. RFC 793. Beide September 1981. ↩︎

  19. Saltzer, J. H., Reed, D. P., Clark, D. D. (1984): End-to-End Arguments in System Design. ACM Transactions on Computer Systems 2(4), 277–288. ↩︎

  20. Leiner, B. M., Cerf, V. G., Clark, D. D., Kahn, R. E., Kleinrock, L., Lynch, D. C., Postel, J., Roberts, L. G., Wolff, S. (1997): A Brief History of the Internet. Internet Society; auch ACM SIGCOMM Computer Communication Review 39(5), 2009, 22–31. Zum Stichtag: Postel, J. (1981): NCP/TCP Transition Plan. RFC 801, November 1981. ↩︎

  21. Mockapetris, P. (1983): Domain Names. Concepts and Facilities. RFC 882; Domain Names. Implementation and Specification. RFC 883. Beide November 1983. ↩︎

  22. Zakon, R. H.: Hobbes’ Internet Timeline, mit den Zählungen der angeschlossenen Rechner (Internet Domain Survey) und der Websites. Zur Zahl der Websites außerdem Gray, M. (1996): Web Growth Summary, MIT, und die Netcraft Web Server Survey. ↩︎ ↩︎

  23. Universität Karlsruhe, Informatik-Rechnerabteilung: Die erste Internet-E-Mail Deutschlands vom 3. August 1984, empfangen von Michael Rotert, abgeschickt von Laura Breeden (CSNET). Dokumentiert beim Karlsruher Institut für Technologie. Zur Endung .de: DENIC eG: Geschichte der .de-Domain; Eintrag am 5. November 1986. ↩︎

  24. Jacobson, V. (1988): Congestion Avoidance and Control. Proceedings of ACM SIGCOMM ‘88, 314–329. ↩︎

  25. Spafford, E. H. (1989): The Internet Worm Program. An Analysis. ACM SIGCOMM Computer Communication Review 19(1), 17–57. Zur Zahl der betroffenen Rechner: United States General Accounting Office (1989): Computer Security. Virus Highlights Need for Improved Internet Management. GAO/IMTEC-89-57. ↩︎

  26. Clark, D. D. (1992): A Cloudy Crystal Ball. Visions of the Future. Vortrag auf der 24. Tagung der IETF, Cambridge, MA, Juli 1992, Folie 19. ↩︎

  27. Russell, A. L. (2013): OSI. The Internet That Wasn’t. IEEE Spectrum 50(8), 39–43. Ausführlich: Russell, A. L. (2014): Open Standards and the Digital Age. Cambridge University Press, New York. ↩︎

  28. Bush, V. (1945): As We May Think. The Atlantic Monthly 176(1), 101–108. ↩︎

  29. Nelson, T. H. (1965): Complex Information Processing. A File Structure for the Complex, the Changing and the Indeterminate. Proceedings of the ACM 20th National Conference, 84–100. ↩︎

  30. Engelbart, D. C., English, W. K. (1968): A Research Center for Augmenting Human Intellect. AFIPS Fall Joint Computer Conference 33, 395–410. Die Vorführung vom 9. Dezember 1968 ist als Film erhalten. ↩︎

  31. Berners-Lee, T. (1989): Information Management. A Proposal. CERN, März 1989; überarbeitet Mai 1990. Mit Sendalls handschriftlichem Vermerk „Vague but exciting…“. ↩︎

  32. Berners-Lee, T., Cailliau, R. (1990): WorldWideWeb. Proposal for a HyperText Project. CERN, 12. November 1990. Zum ersten Server und Browser: Berners-Lee, T., Fischetti, M. (1999): Weaving the Web. HarperCollins, San Francisco, Kapitel 3. Ankündigung: Berners-Lee, T. (1991): WorldWideWeb. Summary. Beitrag in alt.hypertext, 6. August 1991. ↩︎

  33. CERN (1993): Statement Concerning CERN W3 Software Release into Public Domain. Genf, 30. April 1993. ↩︎

  34. National Center for Supercomputing Applications (1993): NCSA Mosaic. Version 1.0 für X Window System, 22. April 1993; für Windows und Macintosh November 1993. Zur Entstehung: Reid, R. H. (1997): Architects of the Web. Wiley, New York, Kapitel 1. ↩︎

  35. Scientific and Advanced-Technology Act of 1992, Public Law 102-476, 23. Oktober 1992, Abschnitt 4; High Performance Computing Act of 1991, Public Law 102-194. Zur Abschaltung des NSFNET: Merit Network (1995): NSFNET. A Partnership for High-Speed Networking. Final Report 1987–1995. ↩︎

  36. Dierks, T., Allen, C. (1999): The TLS Protocol Version 1.0. RFC 2246, Januar 1999. Zu SSL: Freier, A., Karlton, P., Kocher, P. (2011): The Secure Sockets Layer (SSL) Protocol Version 3.0. RFC 6101 (historische Dokumentation des Standes von 1996). ↩︎

  37. United States v. Microsoft Corp., 253 F.3d 34 (D.C. Cir. 2001); Findings of Fact, 84 F. Supp. 2d 9 (D.D.C. 1999). Zu den Marktanteilen: ebd., Findings of Fact, Abschnitt V. ↩︎

  38. Brin, S., Page, L. (1998): The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine. Computer Networks and ISDN Systems 30(1–7), 107–117. Vorgetragen auf der Seventh International World Wide Web Conference, Brisbane, April 1998. ↩︎

  39. Nasdaq Composite Index, Schlusskurse: 5.048,62 am 10. März 2000; 1.114,11 am 9. Oktober 2002. Nasdaq, Historical Data. ↩︎

  40. A&M Records, Inc. v. Napster, Inc., 239 F.3d 1004 (9th Cir. 2001). Zur Nutzerzahl: Jupiter Media Metrix, Februar 2001. ↩︎

  41. Bundesnetzagentur: Jahresberichte 1999–2010, Abschnitt Breitband; Deutsche Telekom: T-DSL-Start 1999. Zum ersten Pauschaltarif: T-Online flat, ab 1. Juni 2000 für 79 Mark im Monat (Deutsche Telekom, Pressemitteilung vom 26. Mai 2000). Zu den Nutzerzahlen in Deutschland: ARD/ZDF-Onlinestudie, seit 1997 jährlich. ↩︎

  42. Wikimedia Foundation: Wikipedia Statistics, Artikelzahlen der englischen Ausgabe. Zur Gründung: Lih, A. (2009): The Wikipedia Revolution. Hyperion, New York. ↩︎

  43. Garrett, J. J. (2005): Ajax. A New Approach to Web Applications. Adaptive Path, 18. Februar 2005. ↩︎

  44. O’Reilly, T. (2005): What Is Web 2.0. Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software. O’Reilly Media, 30. September 2005. ↩︎

  45. Apple (2007): Apple Reinvents the Phone with iPhone. Pressemitteilung, 9. Januar 2007. Apple (2008): iPhone App Store Downloads Top 10 Million in First Weekend. Pressemitteilung, 14. Juli 2008. ↩︎

  46. StatCounter (2016): Mobile and tablet internet usage exceeds desktop for first time worldwide. Pressemitteilung, 1. November 2016. ↩︎

  47. Number Resource Organization (2011): Free Pool of IPv4 Address Space Depleted. Pressemitteilung, 3. Februar 2011. RIPE NCC (2019): The RIPE NCC has run out of IPv4 Addresses. 25. November 2019. ↩︎

  48. Google: IPv6 Adoption Statistics, laufend; Anteil der Google-Nutzer mit IPv6 weltweit und je Land. Zum Protokoll: Deering, S., Hinden, R. (2017): Internet Protocol, Version 6 (IPv6) Specification. RFC 8200 (erstmals RFC 2460, Dezember 1998). ↩︎

  49. Greenwald, G. (2013): NSA collecting phone records of millions of Verizon customers daily. The Guardian, 6. Juni 2013. Greenwald, G., MacAskill, E. (2013): NSA Prism program taps in to user data of Apple, Google and others. The Guardian, 7. Juni 2013. Gellman, B., Poitras, L. (2013): U.S., British intelligence mining data from nine U.S. Internet companies. The Washington Post, 7. Juni 2013. ↩︎

  50. Farrell, S., Tschofenig, H. (2014): Pervasive Monitoring Is an Attack. RFC 7258, Best Current Practice 188, Mai 2014. ↩︎

  51. Internet Security Research Group: Let’s Encrypt Stats, Anteil der verschlüsselten Seitenaufrufe nach Firefox-Telemetrie, laufend; Internet Security Research Group (2016): HTTPS Progress, June 2016, Blog vom 22. Juni 2016 (39,5 Prozent im Dezember 2015); Mozilla (2026): A Browser’s Perspective. Surprises and Insights from Firefox Networking Telemetry. Vortrag in der Measurement and Analysis for Protocols Research Group der IETF 126, Juli 2026, rund 89 Prozent der Seitenaufrufe über HTTPS; Aas, J. u. a. (2019): Let’s Encrypt. An Automated Certificate Authority to Encrypt the Entire Web. Proceedings of ACM CCS 2019, 2473–2487. ↩︎

  52. Cadwalladr, C., Graham-Harrison, E. (2018): Revealed. 50 million Facebook profiles harvested for Cambridge Analytica in major data breach. The Guardian, 17. März 2018. Zur Zahl 87 Millionen: Schroepfer, M. (2018): An Update on Our Plans to Restrict Data Access on Facebook. Facebook Newsroom, 4. April 2018. ↩︎

  53. Berechnet aus den Geschäftsberichten von Alphabet und Meta für 2024 (Werbeerlöse zusammen rund 430 Milliarden Dollar) und den Schätzungen des weltweiten digitalen Werbemarkts (GroupM: This Year Next Year, Dezember 2024). ↩︎

  54. Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 (Datenschutz-Grundverordnung), ABl. L 119, 1–88; anwendbar ab 25. Mai 2018, Art. 99. ↩︎

  55. Verordnung (EU) 2022/2065 vom 19. Oktober 2022 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste (Gesetz über digitale Dienste), ABl. L 277, 1–102. Verordnung (EU) 2022/1925 vom 14. September 2022 über bestreitbare und faire Märkte im digitalen Sektor (Gesetz über digitale Märkte), ABl. L 265, 1–66. ↩︎

  56. Verordnung (EU) 2015/2120 vom 25. November 2015, Art. 3 (Netzneutralität), anwendbar ab 30. April 2016. USA: FCC, Protecting and Promoting the Open Internet, 2015; Restoring Internet Freedom Order, 2017; Safeguarding and Securing the Open Internet, 2024; Ohio Telecom Association v. FCC, 6th Cir., Urteil vom 2. Januar 2025. ↩︎

  57. Access Now, #KeepItOn (2025): Emboldened offenders, endangered communities. Internet shutdowns in 2024. 296 Abschaltungen in 54 Ländern. ↩︎

  58. TeleGeography: Submarine Cable Map und Submarine Cable Frequently Asked Questions, Stand 2025. Zum ersten Glasfaserkabel: TAT-8, in Betrieb seit dem 14. Dezember 1988, 280 Megabit pro Sekunde je Faserpaar bei zwei betriebenen Faserpaaren, rund 40.000 Gespräche zugleich. ↩︎

  59. SpaceX: Starlink Updates; Zahl der Satelliten nach den Startlisten von Jonathan McDowell (Jonathan’s Space Report), Stand 2025. Zur Ukraine: Fedorov, M., Twitter-Nachricht vom 26. Februar 2022, und Musk, E., Antwort vom selben Tag. ↩︎

  60. BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation (2025): BREKO Marktanalyse 2025. Berlin, 14. August 2025. Stand Ende Juni 2025: Glasfaser vor 52,8 Prozent der Haushalte und Betriebe (24,3 Millionen Anschlüsse), 27,3 Prozent angeschlossen (12,55 Millionen), rund 6,6 Millionen Anschlüsse in Nutzung. ↩︎

  61. Bishop, M. (Hrsg.) (2022): HTTP/3. RFC 9114, Juni 2022. Iyengar, J., Thomson, M. (Hrsg.) (2021): QUIC. A UDP-Based Multiplexed and Secure Transport. RFC 9000, Mai 2021. Belshe, M., Peon, R., Thomson, M. (2015): Hypertext Transfer Protocol Version 2 (HTTP/2). RFC 7540, Mai 2015. Rescorla, E. (2018): The Transport Layer Security (TLS) Protocol Version 1.3. RFC 8446, August 2018. Hoffman, P., McManus, P. (2018): DNS Queries over HTTPS (DoH). RFC 8484, Oktober 2018. ↩︎

  62. Common Crawl Foundation: Overview und Crawl-Statistiken, seit 2008; die Rolle als Trainingsdaten belegt in Brown, T. B. u. a. (2020): Language Models are Few-Shot Learners, Tabelle 2.2. Zum Internet Archive: Internet Archive (2025): One Trillion Web Pages Archived. Blog, 31. Oktober 2025. ↩︎

  63. Cloudflare (2025): Cloudflare Just Changed How AI Crawlers Scrape the Internet-at-Large. Pressemitteilung, 1. Juli 2025. Zur robots.txt: Koster, M. (1994): A Standard for Robot Exclusion; standardisiert als Koster, M., Illyes, G., Zeller, H., Sassman, L. (2022): Robots Exclusion Protocol. RFC 9309, September 2022. ↩︎

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