Die Geschichte der Wandlung von autoritären Gesellschaften zu pluralistischen Demokratien
Erstfassung 28. Oktober 2026, zuletzt geändert am 31. Oktober 2026 · Andreas Stockter
Eine pluralistische Demokratie ist eine Ordnung, in der viele Gruppen, Parteien und Meinungen offen um die Macht wetteifern, in der die Regierung eine Wahl verlieren kann und in der die Verlierer das Ergebnis hinnehmen, weil sie beim nächsten Mal gewinnen können. Der Politikwissenschaftler Adam Przeworski hat das 1991 in einen Satz gefasst: „Demokratie ist ein System, in dem Parteien Wahlen verlieren.“1 Ihr Gegenstück ist das autoritäre Regime, eine Herrschaft, die sich keinem offenen Wettbewerb stellt: Wer regiert, kann nicht abgewählt werden, und wer widerspricht, riskiert Amt, Freiheit oder Leben. Für den größten Teil der Geschichte war das der Normalfall. Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Dahl stellte 1971 die Frage, um die es in diesem Text geht: Unter welchen Bedingungen wird ein Regime, in dem sich die Gegner der Regierung nicht offen und legal zu Parteien zusammenschließen dürfen, um sie in freien Wahlen herauszufordern, zu einem, in dem sie es dürfen?2
Dahl zerlegte die Frage in zwei Achsen (Abbildung 1). Die eine ist der öffentliche Wettbewerb: ob man die Regierung offen bekämpfen darf. Die andere ist die Teilhabe: wie viele wählen und gewählt werden dürfen. Ein Regime, das auf beiden Achsen weit gekommen ist, nannte er Polyarchie, die Herrschaft der Vielen; das Wort Demokratie behielt er dem Ideal vor, das kein großes Land ganz erreicht.2 Wann eine Regierung die Opposition duldet, beantwortete er mit einer Rechnung: Die Duldung wird umso wahrscheinlicher, je geringer ihre Kosten für die Regierung sind, und ein Wettbewerbsregime entsteht umso eher, je mehr die Kosten der Unterdrückung die Kosten der Duldung übersteigen. Am Ende brauche es eine wechselseitige Sicherheit für Regierung und Opposition.2
Wie die anderen Chroniken dieser Seite folgt der Text einer Kette: Jede Epoche löst einen Engpass, den die vorherige offen gelassen hat, und schafft dabei den nächsten. Hier hat der Engpass seit Athen dieselbe Form. Wer die Macht hat, muss dazu gebracht werden, sie zu teilen und abzugeben, und wer eine Wahl verliert, muss dazu gebracht werden, das hinzunehmen. Jede Epoche hat darauf eine andere Antwort gefunden: die Idee der Zustimmung, die geschriebene Verfassung, das Wahlrecht für alle, den Schutz der Verfassung vor ihren Feinden, den ausgehandelten Pakt, den Anreiz von außen. Und jede Antwort hat eine Lücke gelassen, durch die der nächste Rückschlag kam. Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington hat den Verlauf 1991 in Wellen beschrieben: Gruppen von Übergängen zur Demokratie in einer bestimmten Zeit, die die Übergänge in die Gegenrichtung deutlich überwiegen.3 Auf jede Welle folgte eine Gegenwelle, in der mehr Demokratien fielen als entstanden.4
Inhalt: 1 Die Idee · 2 Die erste Welle · 3 Die Gegenwelle · 4 Die zweite Welle · 5 Die dritte Welle · 6 Runde Tische · 7 Grauzonen · 8 Aushöhlung und Gegenwehr · 9 Erfolg und Scheitern · Kette · Zeitleiste · Weiterlesen · Quellen · Glossar
1. Die Idee: Zustimmung und geteilte Macht (bis 1787)
Das Problem. Wer in einem Königreich, einem Fürstentum oder einem Imperium lebte, wurde regiert, ohne gefragt zu werden. Die Herrschaft begründete sich durch Geburt, Eroberung oder göttlichen Auftrag, und wer sie anfocht, focht die Ordnung der Welt an. Dass Herrschaft von der Zustimmung der Beherrschten abhängen, dass sie Grenzen haben und dass man sie absetzen könne, ohne die Ordnung zu zerstören, waren Gedanken, die erst gedacht werden mussten, bevor jemand versuchen konnte, sie einzurichten.
Athen. Den ersten Versuch unternahm Athen. 508/507 v. Chr. teilte Kleisthenes die Bürgerschaft neu ein, in zehn Phylen aus 139 Gemeinden, den Demen, und einen Rat, in den jede Phyle fünfzig Mitglieder entsandte.5 Die Bürger entschieden in ihrer Versammlung selbst, und viele Ämter wurden zu großen Teilen durch das Losverfahren besetzt, damit nicht immer dieselben Familien regierten. Teilnehmen durften aber nur freie, erwachsene, männliche Bürger, keine Frauen, keine Sklaven, keine zugezogenen Fremden, die Metöken. Im 4. Jahrhundert v. Chr. lebten in Attika etwa 250.000 bis 300.000 Menschen, davon waren rund 30.000 stimmberechtigt; die Bürger machten vermutlich nicht mehr als 30 Prozent der Erwachsenen aus.6 Athen zeigte, dass eine Gemeinschaft sich selbst regieren kann. Es zeigte auch, dass „das Volk“ eine Grenze hat, und die Geschichte der folgenden zweieinhalb Jahrtausende ist auch die Geschichte, wie diese Grenze verschoben wurde.
Die Magna Carta. Der nächste Schritt kam nicht vom Volk, sondern vom Adel. Am 15. Juni 1215 siegelte der englische König Johann auf der Wiese von Runnymede eine Urkunde, die als Magna Carta bekannt wurde. Ihre Klausel 39 versprach: Kein freier Mann solle verhaftet, eingekerkert, enteignet, geächtet, verbannt oder auf andere Weise zugrunde gerichtet werden, „es sei denn durch das rechtmäßige Urteil seinesgleichen oder durch das Gesetz des Landes“.7 Die Magna Carta war kein Bekenntnis zur Demokratie, sie schützte eine kleine Oberschicht. Aber sie stellte den König unter ein Recht, das er nicht allein ändern konnte, und darauf beriefen sich Jahrhunderte später Menschen, an die 1215 niemand gedacht hatte.
Die Glorreiche Revolution. Den Streit zwischen Krone und Parlament entschied England 1688. Wilhelm von Oranien landete am 5. November in Devon, Jakob II. floh am 23. Dezember nach Frankreich, und am 13. Februar 1689 wurde eine Erklärung der Rechte verlesen und angenommen, die im Dezember als Gesetz in Kraft trat.8 Die Bill of Rights legte fest, dass die Wahl der Abgeordneten frei sein solle, dass die Freiheit der Rede und Debatte im Parlament vor keinem Gericht angefochten werden dürfe und dass Parlamente häufig zusammentreten sollten.9 Gewählt wurde noch von wenigen, aber das Parlament war nun ein Ort, an dem die Macht des Königs verhandelt wurde.
Locke. Die Begründung lieferte John Locke. Seine zwei Abhandlungen über die Regierung erschienen anonym im Dezember 1689, mit der Jahreszahl 1690 auf dem Titelblatt.10 Die Menschen seien von Natur aus frei, gleich und unabhängig, schrieb er, und niemand könne ohne seine eigene Zustimmung der Regierten unterworfen werden. Bricht der Gesetzgeber das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, behalte das Volk die höchste Gewalt, ihn abzusetzen oder zu ändern; wer das Eigentum der Bürger zerstöre oder Willkür übe, versetze sich in den Kriegszustand mit dem Volk, das damit von jedem weiteren Gehorsam entbunden sei.11 Dieses Widerstandsrecht war die gefährlichste Idee des Buches: Es machte Herrschaft widerruflich.
Montesquieu. Wie man Macht begrenzt, ohne sie abzuschaffen, beschrieb 1748 der französische Jurist Montesquieu in „Vom Geist der Gesetze“. Es sei eine ewige Erfahrung, dass jeder, der Macht hat, dazu neige, sie zu missbrauchen; damit man sie nicht missbrauchen könne, müsse die Macht die Macht aufhalten. Es gebe keine Freiheit, wenn die richterliche Gewalt nicht von der gesetzgebenden und der ausführenden getrennt sei, und alles wäre verloren, wenn derselbe Mensch oder dieselbe Körperschaft alle drei ausübte.12 Die Gewaltenteilung, die er am Beispiel Englands beschrieb, wurde zum Bauplan fast aller späteren Verfassungen.
Rousseau. Ein anderer Weg führte von Jean-Jacques Rousseau aus. In seinem „Gesellschaftsvertrag“ von 1762 durfte allein der Gemeinwille, der Wille des Volkes als Ganzes, Gesetze geben.13 Der Gedanke war radikal demokratisch, aber er hatte eine Schattenseite: Wenn es einen richtigen Willen des Volkes gibt, dann sind die, die anders wollen, im Irrtum. Die Spannung zwischen dem einen Volk und den vielen Interessen begleitet die Demokratie bis heute.
Selbst nachlesen. Die Magna Carta ist beim Magna Carta Project der University of East Anglia Klausel für Klausel mit Übersetzung und Kommentar zu lesen; Lockes zweite Abhandlung steht vollständig beim Project Gutenberg, Montesquieus Buch XI im französischen Wikisource.7, 11, 12
Der Engpass. 1787 lagen die Ideen bereit: Herrschaft braucht Zustimmung, sie kann widerrufen werden, und sie muss geteilt sein. Offen war zweierlei. Wer gehört zum Volk, dessen Zustimmung zählt? Und wie organisiert man einen großen Staat, in dem die Interessen auseinandergehen, ohne dass die Mehrheit die Minderheit unterdrückt oder einer allein die Macht an sich reißt?
2. Die erste Welle: Verfassungen und Wahlrecht (1776–1926)
Das Problem. Eine Idee ist noch keine Ordnung. Wer Herrschaft auf Zustimmung gründen wollte, brauchte ein Verfahren, in dem Zustimmung gegeben und entzogen werden kann, eine Regel, wer daran teilnimmt, und Einrichtungen, die verhindern, dass die Sieger die Verlierer ausschalten. Das 19. Jahrhundert probierte das in einem Land nach dem anderen aus, langsam und mit Rückschlägen.
Die Erklärung. Den Anfang machten dreizehn britische Kolonien in Nordamerika. Ihre Unabhängigkeitserklärung von 1776 sagte, Regierungen leiteten ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten ab, und wenn eine Regierung diesen Zwecken zuwiderhandle, sei es das Recht des Volkes, sie zu ändern oder abzuschaffen.14 Das war Locke in einem Satz, und es wurde zum Gründungsdokument eines Staates.
Die Verfassung. Vom 25. Mai bis 17. September 1787 tagte in Philadelphia der Konvent, der die Verfassung der Vereinigten Staaten schrieb; sie gilt seit dem 4. März 1789, und am 15. Dezember 1791 kamen die ersten zehn Zusatzartikel hinzu, die Grundrechte.15 Die Verfassung teilte die Macht dreifach, zwischen Kongress, Präsident und Gerichten, und noch einmal zwischen Bund und Einzelstaaten.
Madison. Warum das eine Republik gerade groß machen sollte, erklärte James Madison in den Zeitungsartikeln, mit denen er für die Verfassung warb. Eine Faktion sei eine Zahl von Bürgern, ob Mehrheit oder Minderheit, die von einer gemeinsamen Leidenschaft oder einem Interesse getrieben werde, das den Rechten anderer Bürger zuwiderlaufe; ihre Ursachen lägen in der Natur des Menschen. Man könne sie nicht abschaffen, ohne die Freiheit abzuschaffen. Man müsse sie vervielfachen: Erweitere man den Raum, nehme man eine größere Vielfalt von Parteien und Interessen auf und mache es unwahrscheinlicher, dass eine Mehrheit des Ganzen ein gemeinsames Motiv habe, die Rechte anderer anzutasten.16 Im 51. Artikel, am 6. Februar 1788 gedruckt, folgte der Satz, der die Gewaltenteilung zur Mechanik machte: „Ehrgeiz muss dazu gebracht werden, Ehrgeiz entgegenzuwirken.“ Wären die Menschen Engel, brauchte es keine Regierung; da sie es nicht sind, müsse man die Regierung erst befähigen, die Regierten zu kontrollieren, und sie dann zwingen, sich selbst zu kontrollieren.17 Diese Ordnung wechselseitiger Kontrolle heißt Checks and Balances.
Pluralismus. Madisons Gedanke ist der Kern dessen, was das 20. Jahrhundert Pluralismus nennen sollte: Eine freie Gesellschaft besteht aus vielen Gruppen mit widerstreitenden Interessen, und das Gemeinwohl steht nicht vorher fest, sondern ergibt sich erst aus ihrem geregelten Streit. Der deutsche Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel, der vor den Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten geflohen war, formulierte es nach dem Krieg als Gegenentwurf zu Rousseau und zu jeder Diktatur: Das Gemeinwohl entstehe „a posteriori“, aus dem Prozess. Streiten dürfe man über fast alles, nur über die Regeln des Streits müsse Einigkeit bestehen.18
Frankreich. Den anderen, kürzeren Weg ging Frankreich. Die Nationalversammlung beschloss am 26. August 1789 die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte: Der Ursprung aller Souveränität liege in der Nation, das Gesetz sei Ausdruck des Gemeinwillens, und eine Gesellschaft, in der die Rechte nicht gesichert und die Gewalten nicht getrennt seien, habe keine Verfassung.19 1792 wählten etwa 3,36 Millionen Männer ab 21 Jahren den Nationalkonvent;20 die Verfassung von 1793 mit allgemeinem Männerwahlrecht wurde per Volksabstimmung angenommen und nie angewandt.21 Stattdessen erklärte der Konvent im September 1793 den Terror zur Tagesordnung; bis Juli 1794 ergingen 16.594 amtliche Todesurteile.22 Dahl nannte den französischen Weg den dritten: alles auf einmal, ohne die Zeit, in der Regierung und Opposition lernen, einander zu trauen.23
Der erste Machtwechsel. Die Probe, die keine Verfassung vorwegnehmen kann, bestanden die Vereinigten Staaten 1801. Bei der Präsidentenwahl von 1800 schlug Thomas Jefferson den amtierenden John Adams, eine Partei unterlag der anderen, und nach einer Hängepartie entschied das Repräsentantenhaus am 17. Februar 1801 im 36. Wahlgang.24 Adams übergab das Amt. Jefferson sagte in seiner Antrittsrede: „Wir sind alle Republikaner, wir sind alle Föderalisten.“25 Der friedliche Machtwechsel zwischen gegnerischen Parteien ist bis heute der Prüfstein, an dem sich zeigt, ob eine Demokratie mehr ist als eine Verfassung auf Papier.
Die Vereine. Was die junge Republik außer ihrer Verfassung trug, beschrieb der Franzose Alexis de Tocqueville, der 1831 neun Monate lang durch die Vereinigten Staaten gereist war, 1840 im zweiten Band seines Buches über die Demokratie in Amerika: „Amerikaner jeden Alters, jedes Standes und jeder Neigung schließen sich unaufhörlich zusammen“, nicht nur zu Handelsgesellschaften, sondern zu Vereinen jeder Art, um Feste auszurichten, Kirchen zu bauen, Bücher zu verteilen und Schulen und Krankenhäuser zu gründen. „In demokratischen Ländern“, schrieb er, „ist die Wissenschaft vom Zusammenschluss die Mutter der Wissenschaft.“26
Das Wahlrecht wächst. Wer zum Volk gehörte, wurde im 19. Jahrhundert Schritt für Schritt neu verhandelt. In England wuchs die Zahl der Wahlberechtigten mit der Reform von 1832 von etwa 400.000 auf etwa 650.000.27 1867 durfte etwa eine Million von sieben Millionen erwachsenen Männern in England und Wales wählen, und die Reform verdoppelte diese Zahl;28 nach der Reform von 1884 waren im ganzen Vereinigten Königreich 5,7 Millionen Wähler eingetragen, aber noch immer 40 Prozent der Männer und alle Frauen ausgeschlossen.29 Erst 1918 durften alle Männer ab 21 wählen.30 Frankreich führte am 5. März 1848 das allgemeine Wahlrecht für Männer ein,31 die Dritte Republik hielt von 1870 bis 1940.32 In Deutschland scheiterte die Verfassung der Paulskirche vom 28. März 1849 daran, dass die großen Staaten sie nicht anerkannten.33 Der Reichstag des Norddeutschen Bundes und ab 1871 des Kaiserreichs wurde dann nach allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht für Männer ab 25 gewählt,34 aber der Kanzler hing nicht von seinem Vertrauen ab: Die erste parlamentarische Regierung der deutschen Geschichte trat am 3. Oktober 1918 an, die Verfassungsänderung, die den Kanzler dem Reichstag verantwortlich machte, folgte am 28. Oktober.35 Deutschland ging damit Dahls zweiten Weg: erst Teilhabe, dann Wettbewerb.23 Das allgemeine Wahlrecht blieb bis ins 20. Jahrhundert fast überall ein Männerwahlrecht.
Die Frauen. Neuseeland gab den Frauen als erstes Land das Wahlrecht; das Gesetz bekam am 19. September 1893 die königliche Zustimmung, gewählt wurde im November. In Europa folgte als erstes Finnland 1906.36 In Deutschland verkündete der Rat der Volksbeauftragten das Frauenwahlrecht am 12. November 1918, und am 19. Januar 1919 wählten Frauen zum ersten Mal.37 In den Vereinigten Staaten trat der 19. Zusatzartikel im August 1920 in Kraft, im Vereinigten Königreich erhielten Frauen 1928 dasselbe Wahlrecht wie Männer,38 in der Schweiz stimmten die Männer erst im Februar 1971 zu, und der Kanton Appenzell Innerrhoden musste 1990 vom Bundesgericht gezwungen werden.36
Die Welle. Am Ende des Ersten Weltkriegs fielen die Monarchien in Mitteleuropa, und die Weimarer Nationalversammlung beschloss am 31. Juli 1919 eine Verfassung, die am 14. August verkündet wurde.39 Huntington zählte am Ende dieser ersten, langen Welle, die in den 1820er Jahren mit der Ausweitung des Wahlrechts in den Vereinigten Staaten begonnen hatte, rund 29 Demokratien (Abbildung 2).4
Die Erklärungen. Warum manche Länder diesen Weg gingen und andere nicht, beschäftigte später die Forschung. Der Soziologe Barrington Moore verglich 1966 England, Frankreich, die Vereinigten Staaten, China, Japan und Indien, mit Seitenblicken auf Deutschland und Russland, und fasste seine Antwort in eine berühmte Formel: kein Bürgertum, keine Demokratie. Entscheidend sei, ob der grundbesitzende Adel geschwächt wurde und ob ein Gleichgewicht verhinderte, dass die Krone zu stark oder der Adel zu unabhängig wurde.40 Dankwart Rustow widersprach 1970 der Suche nach Vorbedingungen. Demokratie entstehe, wenn ein Volk, dessen Einheit nicht strittig ist, einen langen, unentschiedenen Machtkampf führe und dessen Anführer sich irgendwann bewusst auf Regeln einigten, die sie anfangs nur hinnähmen und an die sie sich mit der Zeit gewöhnten.41
Selbst nachlesen. Die Federalist Papers stehen vollständig beim Project Gutenberg; Nummer 10 und 51 sind zusammen in einer halben Stunde gelesen. Die Unabhängigkeitserklärung zeigen die National Archives in Abschrift und als Bild des Originals.16, 14
Der Engpass. Um 1920 hatten viele Länder Europas und Amerikas Parlamente, Verfassungen und ein Wahlrecht, das fast alle Männer und in vielen Ländern auch die Frauen einschloss. Was keine Verfassung regelte: was geschieht, wenn eine Mehrheit die Demokratie selbst abwählen will. Die neuen Demokratien hatten Regeln für den Wettbewerb, aber keine für den Fall, dass ein Wettbewerber den Wettbewerb abschaffen will.
3. Die Gegenwelle: Wie sich Demokratien abschafften (1922–1945)
Das Problem. Nach dem Krieg standen die neuen Demokratien unter Druck, den keine von ihnen vorhergesehen hatte: Inflation, Arbeitslosigkeit, enttäuschte Nationalisten, Veteranen in Uniform, Revolutionsangst. Die Feinde der Demokratie mussten die Verfassungen nicht stürmen. Sie konnten sie benutzen.
Rom. Den Anfang machte Italien. Am 27. Oktober 1922 ließ Benito Mussolini seine Schwarzhemden auf Rom marschieren; König Viktor Emanuel III. verhängte nicht den Belagerungszustand, sondern bestellte Mussolini am Abend des 29. Oktober nach Rom und ernannte ihn am 30. Oktober zum Ministerpräsidenten.42 Im Juli 1923 stimmte das Parlament dem Wahlgesetz des Abgeordneten Giacomo Acerbo zu: Die Liste, die mindestens 25 Prozent der Stimmen erhielt, sollte zwei Drittel der Sitze bekommen.43 Bei der Wahl 1924 erreichten die Faschisten die Zweidrittelmehrheit, und mit den Ausnahmegesetzen vom November 1926 wurden alle anderen Parteien aufgelöst und ein Sondergericht eingerichtet; Presse und Vereine standen schon seit Ende 1925 unter Kontrolle.42, 43 Huntington lässt mit diesem Marsch die erste Gegenwelle beginnen.4
Die Welle der Putsche. Im Mai 1926 marschierte Józef Piłsudski mit Armeeeinheiten auf Warschau; nach drei Tagen Straßenkampf mit 379 Toten traten Präsident und Regierung zurück.44 Zwei Wochen später, am 28. Mai, putschte in Portugal das Militär, und mit der Verfassung von 1933 entstand Salazars Estado Novo.45 Im Dezember 1926 folgte ein Putsch in Litauen.46 In Österreich traten am 4. März 1933 in einer Geschäftsordnungskrise alle drei Präsidenten des Nationalrats zurück; Bundeskanzler Engelbert Dollfuß nannte das eine „Selbstausschaltung des Parlaments“, verhinderte am 15. März mit Polizeigewalt dessen Wiederzusammentritt und regierte mit einem Ermächtigungsgesetz aus dem Krieg weiter.47 Nach den Februarkämpfen von 1934 verbot er die Sozialdemokratie, und die Verfassung vom 1. Mai 1934 erklärte Österreich zum „christlichen, deutschen Bundesstaat auf ständischer Grundlage“.48 In Estland und Lettland beendeten im März und Mai 1934 die Regierungschefs selbst die parlamentarische Demokratie,49 in Griechenland setzte Ioannis Metaxas am 4. August 1936 mit Zustimmung des Königs die Verfassungsrechte aus,50 in Spanien begann im Juli 1936 der Bürgerkrieg, an dessen Ende im April 1939 Francos Diktatur stand.51 1942 waren nach Huntingtons Zählung weltweit noch zwölf Demokratien übrig.4
Weimar. Am gründlichsten und am folgenreichsten verlief der Untergang in Deutschland, und er verlief fast vollständig auf dem Weg der Verfassung. Am 27. März 1930 zerbrach die Große Koalition unter Hermann Müller.52 Drei Tage später ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Heinrich Brüning zum Kanzler eines Präsidialkabinetts, einer Regierung, die sich nicht auf eine Mehrheit im Reichstag stützte, sondern auf den Präsidenten. Sie regierte mit der Notverordnung nach Artikel 48 der Verfassung, die dem Präsidenten erlaubte, bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit Maßnahmen ohne das Parlament zu treffen: mehr als 60 Notverordnungen in weniger als zwei Jahren, allein in der Bankenkrise 1931 nicht weniger als 25, während der Reichstag nur noch selten zusammentrat.53 Bei der Reichstagswahl im September 1930 stieg die NSDAP auf 18,3 Prozent,52 am 31. Juli 1932 wurde sie mit 37,3 Prozent stärkste Partei; mit der KPD hatte sie mehr als die Hälfte der Sitze, eine negative Mehrheit, die jede Regierung stürzen, aber keine bilden konnte.54 Nach Franz von Papen und Kurt von Schleicher ernannte Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler.52
Vier Wochen. Was folgte, dauerte keine zwei Monate. Nach dem Brand des Reichstags setzte die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933, ebenfalls auf Artikel 48 gestützt, die Grundrechte „bis auf weiteres“ außer Kraft: die Freiheit der Person, der Meinung, der Presse, der Versammlung und der Vereinigung, das Post- und Fernmeldegeheimnis und den Schutz des Eigentums.55 Am 23. März beschloss der Reichstag in der Krolloper das Ermächtigungsgesetz, das der Regierung erlaubte, Gesetze ohne das Parlament zu erlassen, mit 444 Stimmen gegen die 94 Stimmen der anwesenden Sozialdemokraten; die Abgeordneten der KPD und mehrere der SPD waren verhaftet oder geflohen. Otto Wels begründete das Nein der SPD: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“56 Die Forschung spricht von einer legalen Revolution: Die Nationalsozialisten wälzten den Staat um und betonten dabei einen vermeintlich legalen, Recht und Verfassung folgenden Ablauf.57
Linz. Wie Demokratien auf diese Weise zusammenbrechen, untersuchte der spanische Soziologe Juan Linz 1978 in einem vergleichenden Werk mit Alfred Stepan. Er unterschied loyale, semiloyale und illoyale Oppositionen. Eine illoyale Opposition stellt die Existenz der demokratischen Ordnung selbst in Frage; gefährlicher aber ist oft die semiloyale Opposition, die die Regeln bejaht, solange sie ihr nützen, die Gewalt ihrer Verbündeten entschuldigt und mit den Gegnern der Demokratie paktiert, wenn es ihr einen Vorteil verspricht.58 Steven Levitsky und Daniel Ziblatt leiteten daraus 2018 vier Warnzeichen ab, an denen man einen Autokraten erkennt, bevor er an der Macht ist: Er lehnt die demokratischen Spielregeln ab, spricht seinen Gegnern die Legitimität ab, duldet oder fördert Gewalt und ist bereit, die bürgerlichen Freiheiten seiner Gegner einzuschränken.59
Loewenstein. Schon während der Gegenwelle zog der aus Deutschland emigrierte Jurist Karl Loewenstein den Schluss, den die Bundesrepublik später zum Grundsatz machen sollte. 1937 schrieb er in der American Political Science Review, die Demokratie müsse streitbar werden: „Feuer wird mit Feuer bekämpft.“ Sinngemäß: Eine Demokratie, die ihren Feinden alle Freiheiten lässt, auch die, sie abzuschaffen, liefert sich ihnen aus.60 Der Begriff der wehrhaften Demokratie geht auf diese Debatte zurück, auch wenn Loewenstein nicht ihr einziger Urheber war.61
Selbst nachlesen. Die Rede von Otto Wels gegen das Ermächtigungsgesetz steht im Wortlaut bei German History in Documents and Images; das Textarchiv des Bundestags beschreibt die Sitzung vom 23. März 1933.56
Der Engpass. 1945 war die Lehre gezogen: Demokratien sterben nicht nur durch Panzer, sondern durch ihre eigenen Verfahren, durch Notverordnung, Wahlsieg und Mehrheitsbeschluss. Wer sie neu aufbauen wollte, musste sie gegen die eigenen Werkzeuge schützen. Und er musste Menschen gewinnen, die eine Diktatur unterstützt oder hingenommen hatten.
4. Die zweite Welle: Grundgesetz, Dekolonisation und Putsche (1945–1974)
Das Problem. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Demokratie in die besiegten Länder mit den Siegern, in viele Kolonien mit der Unabhängigkeit. In beiden Fällen war sie neu, und in beiden Fällen war offen, ob die Bevölkerung sie wollte.
Besatzung. Die amerikanische Militärregierung fragte die Deutschen in ihrer Zone regelmäßig, was sie dachten. Im November 1945 hielten 53 Prozent den Nationalsozialismus für eine gute Idee, die schlecht ausgeführt worden sei, im Juli 1946 42 Prozent, im August 1947 55 Prozent.62 Die Entnazifizierung sollte die Belasteten aus Ämtern und Einfluss entfernen: In der amerikanischen Zone mussten Erwachsene einen Fragebogen mit 131 Fragen ausfüllen, bis März 1946 waren fast 1,4 Millionen Bögen zurückgekommen, und das Befreiungsgesetz vom 5. März 1946 übergab das Verfahren deutschen Spruchkammern, die jeden in eine von fünf Gruppen einordneten, von Hauptschuldigen bis Entlasteten.63
Das Grundgesetz. Vom 1. September 1948 bis zum 8. Mai 1949 schrieb der Parlamentarische Rat in Bonn unter dem Vorsitz Konrad Adenauers das Grundgesetz; es wurde am 23. Mai 1949 verkündet, und am 14. August 1949 wurde der erste Bundestag gewählt.64 Die Verfasser hatten Weimar vor Augen (Abbildung 3). Die Weimarer Verfassung hatte dem Reichspräsidenten erlaubt, den Reichstag aufzulösen, und verlangt, dass Kanzler und Minister das Vertrauen des Reichstags besitzen, sodass eine Mehrheit sie stürzen konnte, ohne sich auf eine neue Regierung zu einigen.65 Das Grundgesetz gab dem Bundespräsidenten kein Notverordnungsrecht,66 band die Auflösung des Bundestags an enge Voraussetzungen67 und erlaubte den Sturz des Kanzlers nur, indem der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt, das konstruktive Misstrauensvotum.68 Die Ewigkeitsklausel in Artikel 79 Absatz 3 verbietet jede Änderung, die die Gliederung in Länder oder die Grundsätze der Menschenwürde, der Demokratie, des Rechts- und Sozialstaats berührt;69 keine Mehrheit kann sie abschaffen, auch keine Zweidrittelmehrheit. Parteien, die die freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen wollen, kann das Bundesverfassungsgericht verbieten, das Parteiverbot nach Artikel 21,70 und wer Grundrechte zum Kampf gegen diese Ordnung missbraucht, kann sie nach Artikel 18 verwirken, die Grundrechtsverwirkung.71 Das Gericht verbot 1952 die Sozialistische Reichspartei als Nachfolgerin der NSDAP72 und 1956 die KPD.73
Japan und Italien. In Japan durften Frauen am 10. April 1946 zum ersten Mal wählen, und 39 von ihnen wurden ins Unterhaus gewählt, ein Rekord, der bis 2005 hielt.74 Die Verfassung, unter amerikanischer Besatzung entworfen, trat am 3. Mai 1947 in Kraft; in Artikel 9 verzichtet das japanische Volk für immer auf den Krieg als souveränes Recht der Nation.75 In Italien stimmten am 2. und 3. Juni 1946 54,27 Prozent für die Republik und gegen die Monarchie;76 die neue Verfassung trat am 1. Januar 1948 in Kraft.77
Die neue Ordnung. Die Vereinten Nationen schrieben am 10. Dezember 1948 in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, der Wille des Volkes bilde die Grundlage der Autorität der öffentlichen Gewalt, ausgedrückt in regelmäßigen, unverfälschten, allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen.78 Zehn westeuropäische Staaten gründeten am 5. Mai 1949 in London den Europarat,79 und am 4. November 1950 unterzeichneten seine Mitglieder in Rom die Europäische Menschenrechtskonvention, die am 3. September 1953 in Kraft trat.80
Die politische Kultur. Ob die Bundesrepublik mehr war als eine Verfassung, untersuchten Gabriel Almond und Sidney Verba 1959 mit Umfragen in fünf Ländern, darunter 955 Westdeutschen. Sie fanden eine Untertanenkultur: Die Westdeutschen erwarteten vom Staat Leistungen, standen dem politischen System aber distanziert gegenüber und wollten sich wenig beteiligen. Spätere Studien sahen die Bundesrepublik seit Mitte der 1970er Jahre gleichauf mit den alten westlichen Demokratien.81 Robert Putnam, Robert Leonardi und Raffaella Nanetti führten die Frage 1993 in Italien weiter: Von den Regionalregierungen, die das Land 1970 geschaffen hatte, arbeiteten die besser, in deren Regionen es eine lebendige Bürgergesellschaft gab, mit Vereinen und Chören, wie sie Tocqueville in Amerika beschrieben hatte.82 Seymour Martin Lipset hatte schon 1959 die Modernisierungsthese formuliert, die den Wandel erklären sollte: Je wohlhabender ein Land, desto größer die Chance, dass es eine Demokratie bewahrt.83 Das westdeutsche Wirtschaftswunder schien ihm recht zu geben.
Die Dekolonisation. In Asien und Afrika kam die zweite Welle mit dem Ende der Imperien, der Dekolonisation. Indiens Verfassunggebende Versammlung nahm am 26. November 1949 die Verfassung an, deren Redaktionsausschuss B. R. Ambedkar geleitet hatte; sie trat am 26. Januar 1950 in Kraft.84 Die erste Wahl zum Unterhaus dauerte vom 25. Oktober 1951 bis 21. Februar 1952, mit 173.213.635 Wahlberechtigten und 489 Sitzen.85 Als Indira Gandhi 1975 den Notstand ausrief, schien das Experiment gescheitert; 1977 hob sie ihn auf, verlor die Wahl und ihren eigenen Wahlkreis, und zum ersten Mal regierte eine andere Partei als der Kongress.86 1960, im „Jahr Afrikas“, wurden 17 Kolonien unabhängig.87 Viele der neuen Staaten wurden binnen weniger Jahre zum Einparteienstaat: Ghana per Volksabstimmung 1964,88 Tansania 1965,89 Kenia per Verfassungsänderung 1982.90
Die Putsche. In Lateinamerika und Südeuropa endete die zweite Welle mit dem Militär. Am 31. März und 1. April 1964 stürzten Brasiliens Generäle den Präsidenten João Goulart,91 am 28. Juni 1966 die argentinischen den Präsidenten Arturo Illia,92 am 21. April 1967 putschten in Griechenland Obristen, fünf Wochen vor einer Wahl, aus der die Zentrumsunion von Georgios Papandreou aller Voraussicht nach als stärkste Partei hervorgegangen wäre; die Rechte fürchtete vor allem den linken Flügel um seinen Sohn Andreas.93 1973 löste der uruguayische Präsident Juan María Bordaberry am 27. Juni mit dem Militär das Parlament auf,94 und am 11. September stürzte das chilenische Militär die gewählte Regierung Salvador Allendes; Allende starb im Präsidentenpalast, eine Junta unter General Augusto Pinochet übernahm.95 Am 24. März 1976 folgte ein weiterer Putsch in Argentinien.96 Im Kalten Krieg stürzten auch die Vereinigten Staaten gewählte Regierungen: 1953 organisierte die CIA mit britischer Beteiligung in Iran den Sturz des Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh, 1954 in Guatemala den des Präsidenten Jacobo Árbenz.97, 98 In Chile griffen die Vereinigten Staaten nach dem Bericht eines Senatsausschusses von 1975 zwischen 1963 und 1973 „umfangreich und fortlaufend“ verdeckt ein, um Allendes Wahl zu verhindern, und nach seinem Sieg befahl Präsident Richard Nixon am 15. September 1970, seinen Amtsantritt durch einen Putsch zu verhindern.99 Guillermo O’Donnell, ein argentinischer Politikwissenschaftler, drehte Lipsets These 1973 um: In den Ländern Südamerikas habe gerade die nachholende Modernisierung zu einer neuen Form der Diktatur geführt, dem bürokratischen Autoritarismus, in dem Militärs und Technokraten das Land führten wie einen Betrieb.100 Die zweite Gegenwelle drückte die Zahl der Demokratien nach Huntington von 36 im Jahr 1962 auf 30.4
Selbst nachlesen. Das Grundgesetz steht in der geltenden Fassung bei „Gesetze im Internet“ des Bundesjustizministeriums; die Artikel 18, 21, 67 und 79 sind zusammen eine Seite lang.69
Der Engpass. Wo die Demokratie mit den Siegern kam, hielt sie, wenn Wohlstand, Bündnisse und eine Verfassung zusammenkamen, die aus ihrer eigenen Geschichte gelernt hatte. Wo sie mit der Unabhängigkeit kam, fiel sie oft binnen weniger Jahre. Ungelöst blieb die schwierigste Form des Übergangs: wie eine Diktatur von innen endet, ohne Krieg, ohne Besatzung und ohne Bürgerkrieg, wenn die alten Machthaber noch die Waffen haben.
5. Die dritte Welle: Verhandelte Übergänge (1974–1988)
Das Problem. Eine Diktatur, die nicht von außen besiegt wird, endet nur, wenn ihre eigenen Leute sie aufgeben. Generäle, Polizeichefs und Parteifunktionäre fürchten aber, was nach ihnen kommt: Prozesse, Enteignung, Rache. Und ihre Gegner fürchten, dass jedes Entgegenkommen nur eine Falle ist. Die dritte Welle war die Zeit, in der Diktaturen lernten, sich selbst abzuwickeln, und in der Oppositionen lernten, dafür einen Preis zu zahlen.
Lissabon. Huntington beginnt sein Buch über die dritte Welle mit einer Nacht in Lissabon.101 Am 25. April 1974 stürzten junge Offiziere der Bewegung der Streitkräfte das Regime, das Salazar 1933 errichtet hatte; das Signal war um 0.20 Uhr das Lied „Grândola, Vila Morena“ im Radio.102 Die Restaurantangestellte Celeste Caeiro schenkte Soldaten Nelken, die sie in ihre Gewehrläufe steckten; die Bilder gingen um die Welt und gaben dem Umsturz den Namen Nelkenrevolution.103 Genau ein Jahr später wählten die Portugiesen eine Verfassunggebende Versammlung, mit einer Beteiligung von 91,7 Prozent, der höchsten der portugiesischen Demokratie;104 die Verfassung trat am 25. April 1976 in Kraft, und eine Revision schaffte 1982 den Revolutionsrat der Militärs ab.105
Athen. Drei Monate nach Lissabon brach in Griechenland die Junta zusammen, die sich mit einem Putsch auf Zypern übernommen hatte; nach der türkischen Invasion der Insel kehrte der frühere Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis aus dem Exil zurück und wurde am 24. Juli 1974 vereidigt.106 Am 8. Dezember 1974 stimmten 69,18 Prozent für die Republik und gegen die Rückkehr des Königs.107
Madrid. Das Modell für alle späteren Übergänge wurde Spanien. Franco starb am 20. November 1975, und sein Nachfolger als Staatsoberhaupt, König Juan Carlos, ernannte im Juli 1976 Adolfo Suárez zum Regierungschef. Suárez legte ein Gesetz für die politische Reform vor, das den Weg zu freien Wahlen öffnete, und ließ es am 15. Dezember 1976 per Referendum bestätigen; rund 94 Prozent stimmten zu. Am 9. April 1977 legalisierte er die Kommunistische Partei, am 15. Juni 1977 wählte Spanien frei.108 Das Amnestiegesetz vom 15. Oktober 1977 befreite die politischen Gefangenen und sicherte zugleich den Tätern des Franquismus Straffreiheit, die bis heute gilt;109 die Historikerin Paloma Aguilar hat den stillschweigenden Konsens der Eliten, die Vergangenheit ruhen zu lassen, als Pakt des Vergessens beschrieben.110 Am 25. Oktober 1977 unterzeichneten Regierung und Parteien die Moncloa-Pakte gegen Inflation und Arbeitslosigkeit,111 und am 6. Dezember 1978 nahmen die Spanier die neue Verfassung an, mit 91,81 Prozent der Ja- und Nein-Stimmen bei einer Beteiligung von 67 Prozent.112 Die Transición hatte ihre Probe noch vor sich. Am 23. Februar 1981 drang Oberstleutnant Antonio Tejero mit über 250 Guardias Civiles in das Parlament ein und hielt die Abgeordneten mehr als 17 Stunden fest; in der Nacht stellte sich der König in Uniform im Fernsehen gegen die Putschisten. Tejero, der 1996 aus der Haft kam, starb am 25. Februar 2026.113 Im Oktober 1982 gewannen die Sozialisten unter Felipe González die absolute Mehrheit, und die Partei des Übergangs brach ein: Der erste Machtwechsel war gelungen.114
Die Theorie des Pakts. Was in Spanien geschehen war, verallgemeinerten Guillermo O’Donnell und Philippe Schmitter 1986 in ihrem Schlussband eines großen Vergleichsprojekts. Jeder Übergang beginne mit einer Spaltung im Regime selbst: zwischen Hardlinern, die die Fortdauer der Diktatur für möglich und wünschenswert halten, und Softlinern, die das Regime durch Wahlen legitimieren wollen. Auf der anderen Seite stünden Gemäßigte, die verhandeln, und Radikale, die den Bruch wollen. Gelingen könne der Übergang, wenn sich die Reformer im Regime und die Gemäßigten in der Opposition auf einen Pakt einigten, ein Abkommen, das beiden Seiten ihre Lebensinteressen garantiert: der Opposition freie Wahlen, den alten Machthabern Sicherheit (Abbildung 4).115 Huntington unterschied drei Formen des Übergangs: die Transformation, die das Regime selbst lenkt, die Ablösung, bei der es zusammenbricht und die Opposition übernimmt, und das Transplacement, einen Mittelweg, den Regierung und Opposition gemeinsam aushandeln.116
Buenos Aires. In Argentinien zerbrach die Junta an einem verlorenen Krieg. Vom 2. April bis 14. Juni 1982 kämpfte sie mit Großbritannien um die Falklandinseln, 649 Argentinier starben, und nach der Kapitulation trat General Galtieri zurück.117 Am 30. Oktober 1983 wählten die Argentinier Raúl Alfonsín mit 51,75 Prozent zum Präsidenten.118 Er setzte eine Wahrheitskommission unter dem Schriftsteller Ernesto Sábato ein, die am 20. September 1984 ihren Bericht „Nunca más“ übergab: 8.961 Verschwundene, ausdrücklich als vorläufige Zahl; Menschenrechtsgruppen schätzen rund 30.000.119 Im Juntaprozess verurteilte ein Gericht am 9. Dezember 1985 die früheren Machthaber Jorge Videla und Emilio Massera zu lebenslanger Haft.120 Für die Aufarbeitung von Diktaturen durch Prozesse, Kommissionen, Entschädigung und Säuberung prägte die Juristin Ruti Teitel 1991 den Begriff Transitional Justice, die Gerechtigkeit in Zeiten des politischen Wandels.121
Brasília, Montevideo, Santiago. In Brasilien öffnete das Militär das Land schrittweise. Eine Verfassungsänderung für die Direktwahl des Präsidenten scheiterte am 25. April 1984 mit 298 Ja-Stimmen an der nötigen Zahl von 320; am 15. Januar 1985 wählte ein Wahlkollegium Tancredo Neves, und weil er am Vorabend der Amtseinführung erkrankte, wurde am 15. März 1985 sein Vize José Sarney als erster ziviler Präsident seit 1964 vereidigt. Die neue Verfassung trat am 5. Oktober 1988 in Kraft.122, 123 In Uruguay handelten Militär und Parteien am 3. August 1984 im Pakt des Club Naval die Wahl vom 25. November aus, bei der zwei führende Oppositionelle nicht antreten durften.124 In Chile ließ Pinochet am 5. Oktober 1988 über eine weitere Amtszeit abstimmen, in einem Plebiszit, einer Volksabstimmung über eine Person oder eine Grundsatzfrage. 55,99 Prozent stimmten mit Nein.125 Am 11. März 1990 übergab er die Präsidentenschärpe an den gewählten Patricio Aylwin,126 dessen Wahrheitskommission im Februar 1991 2.279 Todesopfer nannte, 2.025 davon durch Agenten des Staates, darunter 957 Verschwundene.127
Manila, Seoul, Taipeh. In Asien kam die Welle mit Massen auf den Straßen. Nach der Präsidentenwahl vom 7. Februar 1986, die von Betrugsvorwürfen gegen Ferdinand Marcos überschattet war, liefen Juan Ponce Enrile und Fidel Ramos aus der Spitze des Regimes zur Opposition über, Kardinal Jaime Sin rief die Bevölkerung zu ihrer Unterstützung auf, und vom 22. bis 25. Februar füllten Menschenmassen die Ringstraße EDSA in Manila. Am 25. Februar wurde Corazon Aquino vereidigt, und am Abend flogen die Amerikaner Marcos nach Hawaii aus.128 Das Wort für diesen Weg, People Power, ging um die Welt. In Südkorea erzwang die Junibewegung von 1987, dass der designierte Nachfolger des Militärmachthabers Chun Doo-hwan, Roh Tae-woo, am 29. Juni die Direktwahl des Präsidenten zusagte; Roh gewann sie im Dezember mit 36,64 Prozent gegen die beiden Oppositionsführer Kim Young-sam und Kim Dae-jung, die zusammen auf über 55 Prozent kamen.129 In Taiwan endete am 15. Juli 1987 nach 38 Jahren das Kriegsrecht, 1996 wurde der Präsident zum ersten Mal direkt gewählt.130
Kirche und Helsinki. Huntington fand unter den Ursachen der Welle eine, die niemand erwartet hatte: eine auffällige Wende in Lehre und Handeln der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil; er nannte die dritte Welle „überwiegend eine katholische Welle“, und spätere Untersuchungen bestätigten das.131 Im Osten wirkte ein Dokument, das die Sowjetunion selbst unterzeichnet hatte. In der Schlussakte von Helsinki verpflichteten sich am 1. August 1975 35 Staaten, darunter die Sowjetunion und ihre Verbündeten, die Menschenrechte zu achten; die Akte war nicht völkerrechtlich bindend, aber sie gab Bürgerrechtlern einen Text, auf den sie sich berufen konnten.132 Am 1. Januar 1977 verlangten rund 240 Unterzeichner der Charta 77 von der tschechoslowakischen Führung genau das; ihr Sprecher Jan Patočka starb im März nach Verhören.133
Washington. Eine weitere Ursache sah Huntington im Wandel der Politik von außen, vor allem der Europäischen Gemeinschaft, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.4 Bis in die Mitte der 1970er Jahre war es der amerikanischen Außenpolitik nicht immer wichtig gewesen, Demokratie zu fördern, und im Kalten Krieg hatte sie antikommunistische Diktatoren gestützt. Die Politikwissenschaftlerin Jeane Kirkpatrick verteidigte das im November 1979 in dem Aufsatz „Dictatorships and Double Standards“: Die Politik von Präsident Jimmy Carter habe befreundete autoritäre Regierungen wie die des Schahs in Iran und Anastasio Somozas in Nicaragua untergraben, dabei könnten sich autoritäre Regime zu Demokratien entwickeln, totalitäre nicht. Ronald Reagan machte sie 1981 zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen.134 Dennoch waren die Vereinigten Staaten nach Huntington in den 1970er und 1980er Jahren ein wichtiger Förderer der Demokratisierung.4
Selbst nachlesen. Huntingtons Aufsatz „Democracy’s Third Wave“ aus dem Journal of Democracy von 1991 ist beim National Endowment for Democracy frei abrufbar und auf gut zwanzig Seiten die beste Einführung in das Buch.4
Der Engpass. Zwischen 1974 und 1990 wurden nach Huntington mindestens 30 Länder zu Demokratien, ihre Zahl verdoppelte sich etwa.4 Die Pakte hatten einen Preis: Amnestien wie in Spanien und Sicherheiten für die alten Machthaber, die oft noch Jahre in Armee und Staat saßen. Und eine Weltregion blieb unberührt. Solange in Moskau eine Führung saß, die ihre Verbündeten notfalls mit Panzern hielt, konnte in Warschau, Prag und Ost-Berlin niemand einen Pakt schließen.
6. Runde Tische: Osteuropa und Südafrika (1989–1994)
Das Problem. Im Ostblock hatte die Partei alles: den Staat, die Wirtschaft, die Zeitungen, die Polizei, und hinter allem stand die Sowjetunion. Es gab keine Reformer im Regime, mit denen man reden konnte, und keine Opposition, mit der das Regime reden wollte. Als sich 1989 zeigte, dass Moskau nicht eingriff, mussten beide Seiten in wenigen Monaten lernen, was in Spanien Jahre gedauert hatte.
Warschau. Vom 6. Februar bis 5. April 1989 verhandelten in Warschau 29 Vertreter der Regierung, 26 der Opposition und drei Beobachter der Kirche am Runden Tisch, an dem niemand oben und niemand unten saß.135 Der Kompromiss war eine halbfreie Wahl, bei der nur ein Teil der Sitze im Sejm frei vergeben wurde, dazu alle Sitze im Senat. Am 4. und 18. Juni gewann die Solidarność alle 161 frei wählbaren Sitze im Sejm und 99 von 100 im Senat.136 In der Nacht zum 4. Juni, dem Tag der ersten Wahlrunde, rückte in Peking die chinesische Armee ein und beendete sieben Wochen Proteste der Demokratiebewegung. Wie viele Menschen starben, ist bis heute ungeklärt: Die Regierung sprach von 200 Zivilisten und einigen Dutzend Polizisten und Soldaten, die Schätzungen jener Tage reichten von mehreren Hundert bis über tausend, und ein britisches Diplomatentelegramm nannte mindestens 10.000 tote Zivilisten.137 Am 24. August 1989 wählte der Sejm Tadeusz Mazowiecki zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef im Ostblock.138
Budapest. In Ungarn verhandelten Regierung und Opposition vom 13. Juni bis 18. September 1989 am Nationalen Runden Tisch.139 Am 19. August flohen beim Paneuropäischen Picknick an der Grenze zu Österreich mehr als 600 DDR-Bürger, in der Nacht zum 11. September öffnete Ungarn die Grenze, und am ersten Tag reisten über 10.000 Ostdeutsche aus.140 Am 23. Oktober 1989, dem Jahrestag des Aufstands von 1956, rief der amtierende Präsident die Republik Ungarn aus.141
Leipzig und Berlin. Am 9. Oktober 1989 zogen in Leipzig rund 70.000 Menschen mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ durch die Stadt, und die bereitstehenden Sicherheitskräfte griffen nicht ein.142 Einen Monat später verkündete Günter Schabowski am Abend des 9. November vor der Presse die neue Reiseregelung zu früh, und noch in der Nacht öffnete sich die Mauer.143 Der Zentrale Runde Tisch, an dem alte und neue Parteien und Gruppen saßen, tagte vom 7. Dezember 1989 bis 12. März 1990 und setzte unter anderem die Auflösung der Stasi-Nachfolgebehörde und freie Wahlen durch.144 Am 18. März 1990 wählten 93,38 Prozent der Wahlberechtigten die erste freie Volkskammer,145 die am 23. August mit 294 von 363 Stimmen den Beitritt zur Bundesrepublik zum 3. Oktober beschloss.146
Prag und Bukarest. In Prag schlug die Polizei am 17. November 1989 eine Studentendemonstration nieder; elf Tage später verzichtete die Kommunistische Partei auf ihr Machtmonopol, und am 29. Dezember wurde Václav Havel, Mitbegründer der Charta 77, Präsident. Weil kein Schuss fiel, heißt dieser Umbruch Samtene Revolution.147 In Rumänien endete die Diktatur in Gewalt: Der Aufstand begann am 16. Dezember in Timișoara, am 22. Dezember floh Nicolae Ceaușescu mit dem Hubschrauber, am 25. Dezember wurden er und seine Frau nach einem Schnellverfahren erschossen; die Zahl der Toten wird je nach Quelle zwischen 689 und 1.290 angegeben.148 Am 26. Dezember 1991 hörte die Sowjetunion auf zu bestehen.149 Binnen fünfzehn Jahren hatte sich die Welle von Lissabon bis Prag fortgepflanzt (Abbildung 5).
Das Ende der Geschichte. Schon im Sommer 1989 hatte der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama in einem Aufsatz gefragt, ob die Welt das Ende der Geschichte erreicht habe: den Endpunkt der ideologischen Entwicklung der Menschheit und die Verallgemeinerung der westlichen liberalen Demokratie als endgültiger Form menschlicher Regierung.150 Die Frage trug ein Fragezeichen, aber sie wurde als Behauptung gelesen.
Kapstadt. Am 2. Februar 1990 eröffnete Südafrikas Präsident Frederik Willem de Klerk das Parlament mit einer Rede, in der er das Verbot des ANC und anderer Organisationen aufhob, den Ausnahmezustand beendete und die Freilassung Nelson Mandelas ankündigte, der am 11. Februar aus dem Gefängnis kam.151, 152 Die Verhandlungen der Convention for a Democratic South Africa begannen im Dezember 1991 mit 19 Parteien, scheiterten im Mai 1992; nach dem Massaker von Boipatong mit 46 Toten im Juni zog sich der ANC ganz zurück, und erst mit dem Record of Understanding vom 26. September 1992 kamen die Verhandlungen wieder in Gang.153 Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit an der friedlichen Beendigung des Apartheidregimes.154 Vom 26. bis 29. April 1994 wählten zum ersten Mal alle Südafrikaner; der ANC kam auf 62,65 Prozent, und Mandela wurde am 10. Mai vereidigt.155 Die Wahrheits- und Versöhnungskommission unter Erzbischof Desmond Tutu hörte ab April 1996 öffentlich Opfer und Täter. Mehr als 21.000 Opfer sagten aus, mehr als 7.000 Menschen beantragten Amnestie; den Bericht übergab Tutu am 29. Oktober 1998.156
Der Anker. Für die neuen Demokratien Osteuropas wurde die Europäische Union zum stärksten Anreiz. Der Europäische Rat legte im Juni 1993 in Kopenhagen fest, was ein Land für den Beitritt braucht: institutionelle Stabilität als Garantie für eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten, dazu eine funktionierende Marktwirtschaft.157 Diese Kopenhagener Kriterien machten die Demokratie zur Bedingung, ein Verfahren, das Konditionalität heißt. Zehn Staaten traten am 1. Mai 2004 bei, Bulgarien und Rumänien 2007.158 Der Europarat gründete am 10. Mai 1990 die Venedig-Kommission, die neuen Demokratien beim Schreiben ihrer Verfassungen und Wahlgesetze half,159 und die KSZE, später OSZE, schuf in Warschau ein Büro für freie Wahlen, das 1992 zum Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte wurde und seither mit der Wahlbeobachtung Wahlen in ihren Mitgliedstaaten bewertet.160
Das Handbuch. Wie man eine Diktatur ohne Gewalt stürzt, schrieb der amerikanische Politikwissenschaftler Gene Sharp 1993 für birmanische Exilanten in Bangkok auf. „Von der Diktatur zur Demokratie“ wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.161
Selbst nachlesen. Die Erklärungen der Wahrheits- und Versöhnungskommission und Mandelas Rede zur Übergabe des Berichts sind auf polity.org.za dokumentiert; die Schlussfolgerungen von Kopenhagen stehen beim Centre virtuel de la connaissance sur l’Europe im Wortlaut.156, 157
Der Engpass. 1990 zählte Huntington wieder etwa 45 Prozent der Staaten mit mehr als einer Million Einwohnern als Demokratien, so viele wie 1922 auf dem Höhepunkt der ersten Welle.162 Wahlen gab es nun fast überall. Aber eine Wahl ist nicht schon eine Demokratie, und viele Herrscher lernten bald, dass man Wahlen abhalten kann, ohne die Macht zu riskieren.
7. Grauzonen: Wahlen ohne Demokratie (1993–2013)
Das Problem. In den 1990er Jahren schien der Übergang eine Einbahnstraße: Ein Land öffnet sich, wählt, schreibt eine Verfassung und wird Schritt für Schritt eine gefestigte Demokratie. Bald zeigte sich, dass viele Länder auf halbem Weg stehen blieben. Sie hatten Parteien, Parlamente und Wahlen, aber die Regierung verlor sie nie.
Moskau. Russland gab das Muster vor. Am 21. September 1993 löste Präsident Boris Jelzin den Obersten Sowjet auf, ohne klare Grundlage in der Verfassung, und am 4. Oktober ließ er das Parlamentsgebäude von Panzern beschießen; offiziell starben 187 Menschen. Am 12. Dezember nahmen die Wähler eine Verfassung mit einem starken Präsidenten an.163 Sein Nachfolger Wladimir Putin ließ 2020 in einer Abstimmung, bei der Beobachter Manipulation vermuteten, mit offiziell 77,92 Prozent eine Verfassungsänderung billigen, die ihm zwei weitere Amtszeiten bis 2036 ermöglicht.164
Die Begriffe. Die Forschung brauchte neue Wörter. Fareed Zakaria beschrieb 1997 die illiberale Demokratie, gewählte Regierungen, die die Grenzen ihrer Verfassung missachten und den Bürgern Grundrechte nehmen: Die Demokratie blühe, der Verfassungsliberalismus nicht.165 Thomas Carothers forderte 2002, das Transitionsparadigma aufzugeben, die Annahme, jedes Land, das sich von der Diktatur löst, sei auf dem Weg zur Demokratie; die meisten steckten in einer breiten Grauzone dazwischen.166 Larry Diamond nannte solche Ordnungen hybride Regime.167 Steven Levitsky und Lucan Way beschrieben im selben Jahr den kompetitiven Autoritarismus: Regime, die im Kern autoritär sind, in denen Wahlen aber ein echter Weg zur Macht bleiben, weil die Opposition antreten und manchmal gewinnen kann.168 Andreas Schedler nannte den Wahlautoritarismus 2006 den häufigsten Regimetyp der Entwicklungsländer.169
Die Festigung. Woran man erkennt, dass eine Demokratie nicht mehr zurückfällt, hatten Juan Linz und Alfred Stepan 1996 beschrieben. Konsolidierung sei erreicht, wenn die Demokratie „das einzige Spiel in der Stadt“ ist: im Verhalten, weil keine wichtige Gruppe versucht, sie zu stürzen; in den Einstellungen, weil eine große Mehrheit sie für die beste Ordnung hält; und in der Verfassung, weil alle Konflikte nach ihren Regeln ausgetragen werden.170 Huntington schlug einen einfacheren Test vor, den Two-Turnover-Test: Eine Demokratie gilt als gefestigt, wenn die Partei, die die erste freie Wahl gewann, eine spätere verliert und die Macht abgibt, und wenn die Sieger von damals später dasselbe tun.171
Die Farbrevolutionen. Wo Wahlen gefälscht wurden, wurden sie zum Anlass, das Regime zu stürzen. In Serbien erklärte die Regierung nach der Wahl vom 24. September 2000 den Oppositionskandidaten Vojislav Koštunica nur zum Sieger einer ersten Runde, obwohl eine unabhängige Zählung ihn bei rund 56 Prozent sah; am 5. Oktober stürmten Demonstranten in Belgrad das Parlament, getragen unter anderem von der gewaltfreien Jugendbewegung Otpor, und Slobodan Milošević gab auf.172 In Georgien drangen Oppositionelle am 22. November 2003 in das Parlament ein, Präsident Eduard Schewardnadse trat am nächsten Tag zurück.173 In der Ukraine erklärte der Oberste Gerichtshof am 3. Dezember 2004 nach wochenlangen Protesten die Stichwahl wegen systematischer und massiver Verstöße für ungültig, und bei der Wiederholung am 26. Dezember gewann Wiktor Juschtschenko mit 51,99 Prozent.174 In Kirgistan stürmten Demonstranten im März 2005 die Regierungsgebäude.175 Nach den Farben und Blumen ihrer Anhänger heißen diese Umbrüche Farbrevolutionen. In Indonesien war schon am 21. Mai 1998 Suharto nach 32 Jahren zurückgetreten; 1999 traten 48 Parteien zur ersten freien Wahl seit 1955 an, und 2004 wurde der Präsident zum ersten Mal direkt gewählt.176
Die Macht der Gewaltlosen. Warum gewaltfreie Bewegungen so oft Erfolg hatten, untersuchten Erica Chenoweth und Maria Stephan. Sie verglichen 323 Kampagnen zwischen 1900 und 2006 und fanden, dass große gewaltfreie Kampagnen in 53 Prozent der Fälle ihr Ziel erreichten, gewaltsame nur in 26 Prozent.177 Ziviler Widerstand, so ihre Erklärung, gewinnt mehr Teilnehmer, und er spaltet die Stützen des Regimes: Soldaten schießen ungern auf Nachbarn. Aus ihren Daten stammt die 3,5-Prozent-Regel: Keine Kampagne, an deren Höhepunkt mindestens 3,5 Prozent der Bevölkerung aktiv teilnahmen, sei gescheitert. Chenoweth selbst schränkte 2020 ein, die Regel sei eine Beobachtung, kein Gesetz, und es gebe Ausnahmen;178 im selben Jahr stellte sie fest, dass ziviler Widerstand in den 2010er Jahren so verbreitet war wie nie, aber seltener Erfolg hatte, weil die Regime gelernt hatten, mit ihm umzugehen.179
Der Arabische Frühling. Am 17. Dezember 2010 übergoss sich in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi mit Benzin und zündete sich an; er starb am 4. Januar 2011. Zehn Tage später floh Präsident Zine el-Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien. Am 25. Januar begannen die Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz, am 11. Februar trat Hosni Mubarak zurück, und am 15. März begannen in Syrien die Demonstrationen, die von Daraa aus das Land erfassten und aus denen der Bürgerkrieg wurde.180 Kurz nach Mitternacht am 28. Januar beobachtete die Netzwerkfirma Renesys, wie die ägyptischen Anbieter nacheinander vom Netz gingen, und nach den meisten Berichten waren danach etwa 93 Prozent der ägyptischen Netze nicht mehr erreichbar; alles sprach dafür, dass die Regierung die Abschaltung angeordnet hatte.181 Der Arabische Frühling brachte nur einem Land eine Demokratie. In Ägypten gewann 2012 Mohammed Mursi die erste freie Präsidentenwahl, am 3. Juli 2013 setzte ihn Armeechef Abdel Fattah as-Sisi ab, der sich 2014 mit 96,9 Prozent wählen ließ.182 In Syrien bestätigten die Vereinten Nationen bis April 2014 191.369 Tote.183 In Tunesien nahm die Verfassunggebende Versammlung am 26. Januar 2014 mit 200 gegen 12 Stimmen eine demokratische Verfassung an,184 und 2015 erhielt das Quartett für den nationalen Dialog aus Gewerkschaften, Arbeitgebern, Menschenrechtsliga und Anwaltskammer den Friedensnobelpreis für seinen Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie.185 Am 25. Juli 2021 setzte Präsident Kais Saied den Regierungschef ab und das Parlament außer Kraft; seine Verfassung wurde 2022 bei einer Beteiligung von 30,5 Prozent angenommen.186
Selbst nachlesen. Die Aufsätze von Carothers, Levitsky und Way und Diamond aus dem Journal of Democracy von 2002 sind kurz und klar; Carothers’ „The End of the Transition Paradigm“ steht frei auf der Seite der Zeitschrift.166
Der Engpass. Um 2013 hatten die Autokraten gelernt, Wahlen abzuhalten, ohne sie zu verlieren, und gewaltfreie Bewegungen trafen auf Regime, die sie erwarteten. Und es zeigte sich eine neue Gefahr, mit der kaum jemand gerechnet hatte: dass gewählte Regierungen in Demokratien dieselben Mittel lernten.
8. Aushöhlung und Gegenwehr (seit 2010)
Das Problem. Lange endeten Demokratien oft mit einem Putsch: Panzer vor dem Parlament, ein Sender besetzt, ein Datum, an dem jeder wusste, dass es vorbei war. Die Gefahr des 21. Jahrhunderts kam von innen und auf legalem Weg, wie schon in Weimar, aber langsamer: Regierungen, die eine Wahl gewannen und dann die Einrichtungen umbauten, die sie hätten abwählen oder bremsen können.
Die Diagnose. Larry Diamond sprach 2015 von einer milden, aber anhaltenden demokratischen Rezession seit etwa 2006; im selben Heft widersprachen Levitsky und Way, es gebe sie nicht.187, 188 Nancy Bermeo beschrieb 2016, wie sich die Formen verschoben hatten: Offene Putsche, Staatsstreiche der Exekutive und grober Wahlbetrug am Wahltag würden seltener, häufiger dagegen Putsche mit dem Versprechen baldiger Wahlen, die Executive Aggrandizement, die schrittweise Selbstermächtigung gewählter Regierungen, und die strategische Wahlmanipulation, die lange vor dem Wahltag ansetzt. Diese Formen würden gerade durch die Einrichtungen legitimiert, die die Demokratieförderer für das Wichtigste hielten.189 Anna Lührmann und Staffan Lindberg erklärten 2019, eine dritte Welle der Autokratisierung habe begonnen; sie treffe vor allem Demokratien, schleichend und unter legaler Fassade, und in 33 von 47 Fällen seit 1994 seien gewählte Politiker die treibende Kraft gewesen.190
Die Regeln hinter den Regeln. Levitsky und Ziblatt hielten 2018 fest, dass Demokratien weniger von geschriebenen Regeln leben als von zwei ungeschriebenen: der gegenseitigen Toleranz, mit der Rivalen einander als legitime Gegner anerkennen, und der institutionellen Zurückhaltung, mit der sie Rechte, die ihnen formal zustehen, nicht bis zum Äußersten ausnutzen. Wer eine Demokratie aushöhlen will, gehe in drei Schritten vor: die Schiedsrichter einnehmen, die wichtigsten Spieler der Gegenseite ausschalten und die Spielregeln umschreiben (Abbildung 6).191
Ungarn. Das Lehrbeispiel lieferte Ungarn. Im April 2010 gewann Viktor Orbáns Fidesz mit ihrem Partner eine Zweidrittelmehrheit, und am 18. April 2011 beschloss das Parlament mit 262 gegen 44 Stimmen ein neues Grundgesetz.192 Am 26. Juli 2014 kündigte Orbán im rumänischen Băile Tușnad einen „illiberalen Staat“ an und nannte Singapur, China, Indien, die Türkei und Russland als Vorbilder.193 Am 12. September 2018 leitete das Europäische Parlament mit 448 gegen 197 Stimmen das Artikel-7-Verfahren gegen Ungarn ein, das Verfahren der Europäischen Verträge gegen einen Mitgliedstaat, der die gemeinsamen Werte gefährdet.194 Dann zeigte Ungarn, was eine ausgehöhlte Demokratie von einer Diktatur unterscheidet. Bei der Parlamentswahl am 12. April 2026, mit einer Beteiligung von 78,99 Prozent, gewann die Partei Tisza unter Péter Magyar 141 der 199 Sitze, eine Zweidrittelmehrheit, und Fidesz fiel auf 52; Orbán nannte die Niederlage schmerzhaft, aber eindeutig.195 Am 9. Mai wählte das Parlament Magyar zum Ministerpräsidenten.195 Am 29. Mai vereinbarte er mit der EU-Kommission, eingefrorene Mittel über 16,4 Milliarden Euro gegen Reformen freizugeben.196 Am 15. Juni begrenzte das Parlament die Amtszeit des Ministerpräsidenten auf acht Jahre,197 und am 13. Juli beschloss es eine weitere Verfassungsänderung, die für Verfassungsrichter wieder die Altersgrenze von 70 Jahren einführte und dem Gericht erlaubte, seinen Präsidenten selbst zu wählen und Steuergesetze zu prüfen.198 Am 13. Oktober 2026 hob der Rat der EU die Maßnahmen auf, die er 2022 nach dem Konditionalitätsmechanismus gegen Ungarn beschlossen hatte, dem Verfahren, mit dem die EU Zahlungen an die Achtung des Rechtsstaats knüpfen kann; das Artikel-7-Verfahren ist damit nicht abgeschlossen.199
Polen und die Türkei. In Polen baute die Regierung der PiS ab 2015 die Justiz um; am 15. Juli 2021 erklärte der Europäische Gerichtshof die Disziplinarordnung für Richter für unvereinbar mit dem Recht der EU und verhängte im Oktober ein Zwangsgeld von einer Million Euro am Tag.200 Bei der Wahl am 15. Oktober 2023, mit der Rekordbeteiligung von 74,4 Prozent, verlor die PiS ihre Mehrheit, und am 11. Dezember wählte der Sejm Donald Tusk zum Ministerpräsidenten.201 Der Umbau ist nicht abgeschlossen: Präsident Karol Nawrocki, im Juni 2025 mit 50,89 Prozent gewählt, legte im Februar 2026 sein Veto gegen die Reform des Landesjustizrats ein.202 In der Türkei stimmten am 16. April 2017 51,4 Prozent für den Übergang zum Präsidialsystem,203 und am 19. März 2025 wurde Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, der aussichtsreichste Gegenkandidat Recep Tayyip Erdoğans, festgenommen; sein Prozess mit mehr als 400 Angeklagten begann im März 2026.204
Die Überwachung. Die Aushöhlung hatte ein Werkzeug, das ältere Diktaturen nicht kannten. Eine Spähsoftware nistet sich unbemerkt auf einem Computer oder Mobiltelefon ein und gibt Nachrichten, Gespräche und Standort an den weiter, der sie eingeschleust hat. Im Juli 2021 berichtete ein internationaler Verbund von Medien, dass in Ungarn das Programm Pegasus der israelischen Firma NSO gegen mindestens zehn Anwälte, einen Oppositionspolitiker und mehrere regierungskritische Journalisten eingesetzt worden war; im November bestätigte Lajos Kósa, Vorsitzender des Ausschusses für Verteidigung und innere Sicherheit und Vizepräsident der Fidesz, dass das Innenministerium es gekauft hatte.205 In Polen nannte Generalstaatsanwalt Adam Bodnar im April 2024 im Sejm 578 Menschen, die die Behörden von 2017 bis 2022, unter der Regierung der PiS, mit Pegasus überwacht hatten.206 Wie Staaten Gesichtserkennung, Datenanalyse und Vorhersagesoftware gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, erzählt die Geschichte der KI in Sicherheit und Verteidigung.
Die Zahlen. Wie es um die Demokratie in der Welt steht, messen mehrere Institute mit unterschiedlichen Maßstäben. Das V-Dem-Institut der Universität Göteborg ordnet jedes Land in vier Typen ein:207 die geschlossene Autokratie ohne Wahl mit Auswahl, die Wahlautokratie mit Wahlen, die nicht frei und fair sind, die Wahldemokratie mit freien und fairen Wahlen und die liberale Demokratie, in der zusätzlich Rechtsstaat, Kontrolle der Regierung und Freiheitsrechte gesichert sind. Für das Jahr 2025 zählte es 92 Autokratien und 87 Demokratien (Abbildung 7). 74 Prozent der Menschen lebten in Autokratien, das Demokratieniveau des durchschnittlichen Weltbürgers lag wieder auf dem Stand von 1978, 44 Länder wurden autokratischer und nur 18 demokratischer. Die Vereinigten Staaten stufte V-Dem zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren von einer liberalen zu einer Wahldemokratie herab.208 Freedom House verzeichnete für 2025 das zwanzigste Jahr in Folge mit mehr Verschlechterungen als Verbesserungen und für die Vereinigten Staaten mit 81 von 100 Punkten den niedrigsten Wert ihrer Geschichte;209 die Economist Intelligence Unit sah die Demokratie in der Welt nach acht Jahren des Rückgangs dagegen stabil.210 Die Maßstäbe unterscheiden sich, die Richtung der letzten zwanzig Jahre nicht.
Die Gegenwehr. Zugleich zeigten die Jahre seit 2022, dass Gesellschaften sich wehren. In Sri Lanka floh Präsident Gotabaya Rajapaksa im Juli 2022 vor den Protesten,211 im Senegal setzte sich nach einer Krise um eine verschobene Wahl im März 2024 der Oppositionskandidat Bassirou Diomaye Faye im ersten Wahlgang durch.212 In Bangladesch floh Sheikh Hasina am 5. August 2024 nach Protesten, bei denen nach Schätzung des UN-Menschenrechtsbüros bis zu 1.400 Menschen getötet wurden;213 im Februar 2026 wurde gewählt.214 In Südkorea verhängte Präsident Yoon Suk-yeol am Abend des 3. Dezember 2024 das Kriegsrecht; die Abgeordneten eilten ins Parlament, alle 190 Anwesenden stimmten für die Aufhebung, und nach etwa sechs Stunden war es vorbei. Das Parlament enthob Yoon des Amtes, das Verfassungsgericht bestätigte die Amtsenthebung am 4. April 2025 einstimmig, und bei der Neuwahl im Juni lag die Beteiligung mit 79,4 Prozent so hoch wie seit 1997 nicht mehr.215 In Syrien floh Baschar al-Assad am 8. Dezember 2024 nach Moskau, nach rund 50 Jahren Herrschaft seiner Familie.216 In Nepal stürzten Jugendliche im September 2025 die Regierung, und im März 2026 gewann eine neue Partei die erste Alleinmehrheit seit 1999.217 In Brasilien stürmten Anhänger des abgewählten Präsidenten Jair Bolsonaro am 8. Januar 2023 Kongress, Obersten Gerichtshof und Präsidentenpalast;218 im September 2025 verurteilte das Oberste Gericht Bolsonaro wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren und drei Monaten Haft.219 Nicht überall endet es so. In Georgien verhandelt das Verfassungsgericht seit dem 21. Oktober 2026 über den Antrag der Regierungspartei, fünf Oppositionsparteien zu verbieten.220 Anders in Serbien, wo nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs von Novi Sad mit 16 Toten am 1. November 2024 Studenten fast zwei Jahre lang protestiert hatten: Bei der Parlamentswahl am 25. Oktober 2026, mit der höchsten Beteiligung seit dem Zerfall Jugoslawiens, kam die Studentenliste nach den vorläufigen Zahlen der Wahlkommission vom 26. Oktober auf 52,65 Prozent der Stimmen, die Liste von Aleksandar Vučić auf 39,22 Prozent, bei einer Beteiligung von 68,8 Prozent. Nach Auszählung der Stimmen aus dem Ausland entfielen am 28. Oktober 141 der 250 Sitze auf die Studentenliste und 103 auf die Liste Vučićs; 126 genügen für die Mehrheit. Außer den beiden großen Listen kamen nur Listen nationaler Minderheiten ins Parlament. Weniger als zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale räumte Vučić die Niederlage ein; das amtliche Endergebnis steht noch aus.221
Das Los. Neben Gerichten und Wahlen erprobten Demokratien ein Mittel aus Athen neu, das Losverfahren aus Abschnitt 1. In Irland berieten von November 2016 bis April 2017 99 zufällig ausgewählte Bürger, nach Geschlecht, Alter und Region zusammengesetzt wie die Wählerschaft, unter dem Vorsitz der Richterin am Obersten Gerichtshof Mary Laffoy über das Abtreibungsverbot der Verfassung. Eine solche Bürgerversammlung entscheidet nicht selbst, sie berät und gibt Empfehlungen. Die irische empfahl, das Verbot aufzuheben, und im Referendum vom 25. Mai 2018 stimmten 66,4 Prozent dafür.222
Selbst nachlesen. Der Democracy Report des V-Dem-Instituts erscheint jedes Jahr im März als freies PDF, mit Länderkurven, an denen man die Aushöhlung eines Landes Jahr für Jahr verfolgen kann; Freedom House stellt zu jedem Land einen Bericht ins Netz.208, 209
Der Engpass. Die Geschichte endet offen. Die Antworten früherer Epochen wirken noch: Gerichte, die Notverordnungen stoppen, Parlamente, die ein Kriegsrecht in sechs Stunden aufheben, Wähler, die eine Zweidrittelmehrheit abwählen, die das Land sechzehn Jahre lang umgebaut hat. Aber der Engpass hat sich verschoben. Wie schützt man die Schiedsrichter einer Demokratie, wenn nicht ein General sie angreift, sondern eine gewählte Mehrheit, die sich auf den Willen des Volkes beruft? Die Frage, die Rousseau und Madison trennte, ist wieder die wichtigste.
9. Was über Erfolg und Scheitern entschied
Die Frage. Die acht Abschnitte erzählen von Dutzenden Versuchen, aus einer autoritären Ordnung eine Demokratie zu machen oder eine Demokratie zu erhalten. Manche gelangen, manche scheiterten, viele sind offen. Gibt es ein Muster, eine Art Spielplan, ein Playbook? Dankwart Rustow warnte 1970 davor, nach festen Vorbedingungen zu suchen; Demokratie entstehe aus einem Machtkampf, dessen Anführer sich irgendwann auf Regeln einigen.41 Die Forschung seither hat trotzdem Bedingungen gefunden, die die Chancen deutlich verschieben. Dieser Abschnitt stellt die Fälle des Textes nebeneinander und ordnet sie nach diesen Bedingungen. Er ist eine Auswertung, keine Formel: Zu jedem Faktor gibt es Gegenbeispiele.
Die Fälle. Die Tabelle fasst die Machtwechsel und Machtproben zusammen, die in den Abschnitten 3 bis 8 vorkommen, mit dem, was nach dem Text den Ausschlag gab. Die Belege stehen dort.
| Land und Jahr | Was geschah | Ausgang | Was den Ausschlag gab | Abschnitt |
|---|---|---|---|---|
| Italien 1922 | Marsch auf Rom | gescheitert | König ernennt Mussolini, Wahlgesetz sichert die Mehrheit | 3 |
| Deutschland 1930–1933 | Präsidialkabinette | gescheitert | Notverordnungen, negative Mehrheit, Ermächtigungsgesetz | 3 |
| Bundesrepublik 1949 | Neugründung unter Besatzung | gefestigt | Verfassung mit den Lehren aus Weimar | 4 |
| Indien 1950 | Unabhängigkeit und Verfassung | gefestigt, Notstand 1977 abgewählt | Regierung verliert eine Wahl und geht | 4 |
| Chile 1973 | Putsch | gescheitert | Militär | 4 |
| Portugal 1974 | Putsch junger Offiziere | gefestigt | Armee stürzt die Diktatur und lässt wählen | 5 |
| Spanien 1975–1981 | Pakt | gefestigt | Reformer und Opposition einigen sich, König gegen den Putsch | 5 |
| Argentinien 1983 | Zusammenbruch der Junta | Demokratie | verlorener Krieg, Prozesse gegen die Junta | 5 |
| Philippinen 1986 | People Power | Machtwechsel | Überläufer aus der Regimespitze, Kirche, Massen | 5 |
| Chile 1988–1990 | Plebiszit | Demokratie | Pinochet verliert die Abstimmung und übergibt | 5 |
| Polen 1989 | Runder Tisch | gefestigt, 2015–2023 ausgehöhlt, abgewählt | Pakt, EU-Beitritt, Wahl 2023 | 6, 8 |
| Ungarn 1989 | Runder Tisch | ab 2010 ausgehöhlt, 2026 abgewählt | Zweidrittelmehrheit 2010, Wahl 2026 | 6, 8 |
| DDR 1989/90 | Massenprotest | Einheit | Sicherheitskräfte greifen nicht ein | 6 |
| Rumänien 1989 | Aufstand | Sturz mit Hunderten Toten | kein Pakt, Diktator erschossen | 6 |
| Südafrika 1990–1994 | Verhandlungen | Demokratie | Pakt nach Krisen, Wahrheitskommission | 6 |
| Russland 1993 | Machtkampf | gescheitert | Präsident löst Parlament auf, Panzer | 7 |
| Serbien 2000 | Wahl und Massenprotest | Sturz Miloševićs | gemeinsamer Kandidat, eigene Zählung, Otpor | 7 |
| Ukraine 2004 | Protest und Gericht | Wiederholungswahl | Oberster Gerichtshof | 7 |
| Ägypten 2011–2013 | Massenprotest | gescheitert | Armee setzt den gewählten Präsidenten ab | 7 |
| Tunesien 2011–2021 | Massenprotest, Dialog | Verfassung 2014, 2021 entmachtet | Präsident setzt das Parlament außer Kraft | 7 |
| Türkei 2017 | Referendum | ausgehöhlt | Präsidialsystem, Verfahren gegen Oppositionelle | 8 |
| Südkorea 2024/25 | Kriegsrecht | abgewehrt | Parlament in sechs Stunden, Verfassungsgericht | 8 |
| Brasilien 2023 | Sturm auf die Institutionen | abgewehrt | Gericht verurteilt den Putschversuch | 8 |
| Georgien 2003–2026 | Rosenrevolution | offen | Verbotsantrag gegen die Opposition | 7, 8 |
| Serbien 2026 | Wahl nach Protesten | Machtwechsel, vorläufig | eine Liste, Rekordbeteiligung | 8 |
1. Die Spaltung oben. Fast jeder gelungene Übergang begann mit einem Riss im Regime. O’Donnell und Schmitter machten daraus die Regel: Ohne Reformer im Regime, die mit gemäßigten Oppositionellen einen Pakt schließen, gibt es keinen friedlichen Übergang.115 Spanien, Polen, Ungarn und Südafrika folgten diesem Muster. Wo sich kein Pakt fand, endete die Diktatur in Gewalt wie in Rumänien oder gar nicht.
2. Die Waffenträger. Entscheidend war in vielen Fällen, was Armee und Polizei taten. In Lissabon stürzten Offiziere selbst die Diktatur, in Manila liefen Enrile und Ramos über, in Leipzig griffen die Sicherheitskräfte nicht ein, in Madrid stellte sich 1981 der König gegen die Putschisten.128, 142, 113 Wo die Armee selbst die Macht nahm, scheiterte der Wechsel: in Chile 1973 und in Ägypten 2013, und in Moskau ließ 1993 der Präsident auf das Parlament schießen.182, 163 Chenoweth und Stephan sehen hier den Grund, warum gewaltfreie Bewegungen öfter gewinnen: Sie spalten die Stützen des Regimes, auch die Sicherheitskräfte.177
3. Viele und gewaltfrei. Große gewaltfreie Kampagnen erreichten zwischen 1900 und 2006 in 53 Prozent der Fälle ihr Ziel, gewaltsame in 26 Prozent.177 Die 3,5-Prozent-Regel beschreibt, wie groß eine Bewegung werden muss, mit den Ausnahmen, die Chenoweth selbst nennt.178 Ägypten 2011 zeigt die Grenze: Eine friedliche Massenbewegung kann einen Herrscher stürzen und trotzdem die Demokratie verlieren, wenn danach die Armee entscheidet.
4. Eine Opposition, ein Kandidat. Gegen einen Amtsinhaber, der Medien und Staat kontrolliert, hatte eine zersplitterte Opposition kaum Chancen. In Serbien einigte sich die zerstrittene Opposition im Jahr 2000 im Bündnis Demokratische Opposition Serbiens auf Vojislav Koštunica als gemeinsamen Kandidaten.223 In Ungarn 2026 und in Serbien 2026 bündelte jeweils eine einzige neue Kraft die Stimmen gegen die Regierung.195, 221 Einigkeit allein reicht aber nicht, wo der Wettbewerb schon unfair ist. 2022 traten in Ungarn sechs Oppositionsparteien gemeinsam mit einem Spitzenkandidaten an, Péter Márki-Zay, und verloren; Fidesz behielt mit 135 von 199 Sitzen die Zweidrittelmehrheit.224
5. Schiedsrichter, die halten. Wo Gerichte und Zählungen unabhängig blieben, ließ sich Betrug nachweisen und Macht begrenzen: die eigene Zählung der Opposition in Serbien 2000, der Oberste Gerichtshof der Ukraine 2004, das Verfassungsgericht Südkoreas 2025, das Oberste Gericht Brasiliens 2025, der Europäische Gerichtshof gegen Polens Justizumbau.172, 174, 215, 219, 200 Deshalb setzt die Aushöhlung genau hier an. Ihr erster Schritt ist nach Levitsky und Ziblatt, die Schiedsrichter einzunehmen.191
6. Regeln und Torwächter. Weimar fiel durch die eigene Verfassung, das Grundgesetz schloss die Lücken: kein Notverordnungsrecht des Präsidenten, konstruktives Misstrauensvotum, Ewigkeitsklausel, Parteiverbot.66, 68, 69, 70 Ebenso wichtig sind nach Levitsky und Ziblatt die Parteien. Sie sind die Torwächter der Demokratie, die Extremisten früh erkennen und von der Macht fernhalten sollen, statt sie wie die deutschen Konservativen 1933 für beherrschbar zu halten und mit ihnen zu paktieren.225
7. Der Anker von außen. Für Osteuropa war die Aussicht auf den Beitritt zur Europäischen Union der stärkste Anreiz von außen; die Kopenhagener Kriterien machten Demokratie und Rechtsstaat zur Bedingung.157 Levitsky und Way unterschieden 2005 zwei Wege, auf denen der Westen wirkt. Hebel nennen sie die Verwundbarkeit einer Regierung gegenüber Druck von außen, Verflechtung die Dichte der Verbindungen eines Landes zu den Vereinigten Staaten, zur EU und zu westlichen Institutionen. Druck und Bedingungen allein hätten Autokratien selten demokratisiert; die Verflechtung habe beständiger gewirkt.226 In ihrem Buch von 2010 verfolgten sie 35 Regime, die Anfang der 1990er Jahre kompetitiv autoritär waren, fast zwei Jahrzehnte lang: 15 wurden Demokratien, 19 blieben kompetitiv autoritär, Russland fiel in die volle Autokratie zurück.227 Wo die Verflechtung hoch war, wie in den meisten Ländern Mitteleuropas und Amerikas, hielt sich bis 2005 keine einzige autokratische Regierung und kein von ihr bestimmter Nachfolger; zu den Ländern, die Demokratien wurden, zählen sie Kroatien, Serbien, die Slowakei, Rumänien, Mexiko und Peru. Wo die Verflechtung gering war, entschied die Stärke von Regierungspartei und Staatsapparat. Starke Regime wie in Russland und Malaysia blieben stabil autoritär, schwache stürzten oft, ohne dass eine Demokratie folgte, wie in Georgien und Sambia.228 Den Hebel schwächen Gegenmächte, die einem Regime wirtschaftlich, militärisch oder diplomatisch beistehen und so den Druck der Vereinigten Staaten oder Europas abmildern; Levitsky und Way nennen sie mit einem Begriff von Hufbauer und Kollegen Black Knights, schwarze Ritter. Nach dem Kalten Krieg spielten zeitweise Russland, China, Japan, Frankreich und Südafrika diese Rolle, etwa Russland für die Regierungen in Armenien, Belarus und der Ukraine und Frankreich für Autokraten in früheren Kolonien wie Kamerun, Gabun und der Elfenbeinküste.228 Warum und wie Russland autoritären Amtsinhabern in postsowjetischen Staaten bei Wahlen beisteht, untersuchte Jakob Tolstrup 2015.229 Nach dem Beitritt verliert der Anker an Kraft: Gegen Ungarn und Polen blieben das Artikel-7-Verfahren und Urteile des Europäischen Gerichtshofs.194, 200
8. Wohlstand. Lipsets Modernisierungsthese sagte, wohlhabende Länder bewahrten die Demokratie eher.83 Adam Przeworski und Fernando Limongi prüften das 1997 an 135 Ländern von 1950 bis 1990. In keinem Land, das reicher war als Argentinien 1975 mit 6.055 Dollar je Einwohner in Kaufkraft von 1985, fiel je eine Demokratie; 32 Demokratien verbrachten zusammen 736 Jahre über dieser Schwelle, keine brach zusammen, während von 69 ärmeren 39 fielen. Wohlstand, so ihr Schluss, macht nicht Demokratien, aber er hält sie am Leben.230 Die Aushöhlung erfasst diese Zählung nicht; sie fragt nur, ob eine Demokratie fiel. Für den ersten Teil dieses Schlusses ist China das große Beispiel. Seit den Reformen von 1978 wuchs seine Wirtschaft nach Angaben der Weltbank im Schnitt um mehr als neun Prozent im Jahr, fast 800 Millionen Menschen entkamen der extremen Armut, und 2010 überholte es Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt;231 eine Demokratie wurde es nicht. Schon Ende der 1980er Jahre vertrat die Führung eine Lehre vom „neuen Autoritarismus“, nach der ein Land auf Chinas Entwicklungsstufe eine autoritäre Herrschaft brauche, und Huntington schrieb 1991, in China habe die Wirtschaft die Kultur darin bestärkt, die Demokratie aufzuhalten.4 Eine andere Linie der Forschung fragt, wie der Wohlstand verteilt ist. Carles Boix 2003 sowie Daron Acemoglu und James Robinson 2006 erklären Übergänge aus dem Streit um Umverteilung: Je ungleicher ein Land, desto mehr würde eine Demokratie den Wohlstand angleichen und desto zäher wehrt sich eine reiche Oberschicht gegen sie; nach Acemoglu und Robinson gibt sie das Wahlrecht frei, wenn die Mehrheit die bestehende Ordnung wirksam herausfordern kann und das Wahlrecht das glaubwürdigere Versprechen ist, den Kuchen künftig zu teilen.232 Für die Aushöhlung der Gegenwart ist umstritten, ob vor allem wirtschaftliche Verlierer oder ein kultureller Gegenschlag den autoritären Populisten ihre Wähler bringen. Pippa Norris und Ronald Inglehart sahen 2019 vor allem einen Gegenschlag gegen den Wertewandel; Italo Colantone und Piero Stanig fanden für 15 Länder Westeuropas von 1988 bis 2007 mehr Stimmen für nationalistische und radikal rechte Parteien dort, wo die Konkurrenz durch Importe aus China am stärksten war.233
9. Was nach dem Sieg geschieht. Ein Umsturz ist noch keine Demokratie. Linz und Stepan nannten eine Demokratie gefestigt, wenn sie das einzige Spiel in der Stadt ist; Huntington verlangte zwei friedliche Machtwechsel.170, 171 In Russland, Tunesien und Ägypten scheiterte der Übergang nicht am alten Regime, sondern an dem, was danach kam: an einem Präsidenten, der das Parlament auflösen ließ, an einem, der es außer Kraft setzte, an einer Armee, die den gewählten Präsidenten absetzte.163, 186, 182 Wie mit den Tätern umzugehen ist, entschied jedes Land anders, mit Amnestie in Spanien, Prozessen in Argentinien und einer Wahrheitskommission in Südafrika; gemeinsam war den gelungenen Fällen, dass die Verlierer von gestern einen Platz in der neuen Ordnung fanden.109, 120, 156
Das Playbook. Abbildung 8 ordnet die Faktoren den Phasen zu, die Rustow unterschied: dem langen, unentschiedenen Machtkampf, der Entscheidung, in der sich die Anführer auf Regeln einigen, und der Gewöhnung, in der alle lernen, sich an die Regeln zu halten.41 Hinzu kommt eine vierte Phase, die Bewährung gegen die Aushöhlung, die der Text in Abschnitt 8 beschreibt.
Die Liste. Kurz gefasst, mit je einem Beispiel aus dem Text, in dem der Faktor half, und einem, in dem er fehlte oder versagte:
| Faktor | Half in | Fehlte oder versagte in |
|---|---|---|
| Spaltung oben, Pakt zwischen Reformern und Gemäßigten | Spanien 1977, Polen 1989, Südafrika 1994 | Rumänien 1989 |
| Armee und Polizei schießen nicht oder laufen über | Leipzig 1989, Manila 1986, Lissabon 1974 | Chile 1973, Ägypten 2013 |
| Massenhafter, gewaltfreier Protest | Serbien 2000, Südkorea 1987 | Syrien 2011, Ägypten 2011–2013 |
| Geeinte Opposition | Serbien 2000, Ungarn 2026, Serbien 2026 | Ungarn 2022 trotz Einigkeit verloren |
| Unabhängige Gerichte und Zählungen | Ukraine 2004, Südkorea 2025, Brasilien 2025 | Ungarn ab 2010, Türkei |
| Verfassung, die sich wehrt; Parteien als Torwächter | Bundesrepublik seit 1949 | Weimar 1930–1933 |
| Anker von außen, Verflechtung mit dem Westen | Osteuropa vor dem EU-Beitritt, Mexiko | Russland und Belarus mit geringer Verflechtung; Ungarn und Polen nach dem Beitritt |
| Wohlstand | keine reichere Demokratie als Argentinien fiel bis 1990 | Argentinien 1976 als reichster Fall |
| Institutionen statt neuer Herrscher nach dem Sieg | Spanien mit dem Machtwechsel 1982, Polen 2023 | Russland 1993, Tunesien 2021 |
Keine Formel. Kein Faktor wirkte allein, und keiner garantierte etwas. Tunesien hatte Massenprotest, Dialog, eine Verfassung und einen Friedensnobelpreis und verlor die Demokratie trotzdem.185, 186 Argentinien fiel 1976 mit dem höchsten Einkommen aller Demokratien, die in dieser Zählung untergingen.230 Ungarns Opposition war 2022 geeint und verlor, vier Jahre später gewann eine neue Partei. Was die Fälle verbindet, ist die Frage vom Anfang dieses Textes: ob die Mächtigen dazu gebracht werden, die Macht abzugeben, und die Verlierer dazu, das hinzunehmen. Jeder der neun Faktoren ist eine Antwort auf eine der beiden Hälften.
Die Kette in Kurzform
- Athen, die Magna Carta, die Glorreiche Revolution, Locke und Montesquieu (bis 1787) liefern die Ideen: Herrschaft braucht Zustimmung, kann widerrufen werden und muss geteilt sein; offen bleibt, wer zum Volk gehört und wie ein großer Staat mit vielen Interessen funktioniert.
- Die amerikanische Verfassung, Madisons Pluralismus, der erste friedliche Machtwechsel und die Ausweitung des Wahlrechts bis zu den Frauen (1776–1926) bringen die erste Welle mit rund 29 Demokratien; keine Verfassung regelt, was geschieht, wenn eine Mehrheit die Demokratie abwählen will.
- Mussolini, die Putsche der Zwischenkriegszeit und Weimar mit Notverordnung, Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz (1922–1945) zeigen, dass Demokratien durch ihre eigenen Verfahren sterben; 1942 sind zwölf übrig, und Loewenstein fordert die wehrhafte Demokratie.
- Grundgesetz, Japan, Italien, Menschenrechtskonvention und Dekolonisation (1945–1974) bauen Demokratien, die sich gegen ihre Feinde schützen, und in Indien die größte der Welt; in Afrika entstehen Einparteienstaaten, in Lateinamerika und Griechenland putscht das Militär.
- Lissabon, Madrid, Buenos Aires, Santiago, Manila und Seoul (1974–1988) lernen den verhandelten Übergang: Reformer und Gemäßigte schließen Pakte, Wahrheitskommissionen ersetzen Rache, die Zahl der Demokratien verdoppelt sich; der Ostblock bleibt verschlossen.
- Die Runden Tische von Warschau, Budapest und Berlin, die Samtene Revolution und Südafrika (1989–1994) bringen die Welle nach Osteuropa und Afrika, die EU macht die Demokratie zur Bedingung des Beitritts; Wahlen gibt es nun fast überall.
- Russland, die Grauzone, die Farbrevolutionen und der Arabische Frühling (1993–2013) zeigen, dass Wahlen ohne Rechtsstaat keine Demokratie sind; Autokraten lernen, Wahlen abzuhalten, ohne sie zu verlieren.
- Ungarn, Polen, die Türkei und die Zahlen von V-Dem (seit 2010) zeigen die Aushöhlung durch gewählte Regierungen; Südkorea, Bangladesch, Ungarn 2026 und Brasilien zeigen die Gegenwehr. Offen bleibt, wie man die Schiedsrichter vor einer Mehrheit schützt, die sich auf das Volk beruft.
- Der Vergleich der Fälle (1922–2026) zeigt, was über Erfolg und Scheitern entschied: Spaltung oben und Pakt, Waffenträger, die nicht schießen, gewaltfreie Massen, geeinte Opposition, unabhängige Schiedsrichter, eine wehrhafte Verfassung mit Parteien als Torwächtern, der Anker von außen, Wohlstand und das, was nach dem Sieg geschieht; keiner dieser Faktoren wirkte allein, und zu jedem gibt es Gegenbeispiele.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 508/507 v. Chr. | Kleisthenes ordnet die athenische Bürgerschaft neu |
| 1215 | Magna Carta, Klausel 39 |
| 1689 | Bill of Rights; Lockes zwei Abhandlungen über die Regierung |
| 1748 | Montesquieu, „Vom Geist der Gesetze“ |
| 1762 | Rousseau, „Der Gesellschaftsvertrag“ |
| 1776 | Amerikanische Unabhängigkeitserklärung |
| 1787 | Verfassung der Vereinigten Staaten; Federalist Nr. 10 |
| 1789 | Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte |
| 1801 | Erster friedlicher Machtwechsel zwischen Parteien in den Vereinigten Staaten |
| 1832 | Erste britische Wahlrechtsreform |
| 1840 | Tocqueville über die Vereine in Amerika |
| 1848 | Allgemeines Männerwahlrecht in Frankreich |
| 1849 | Verfassung der Paulskirche |
| 1871 | Reichstag nach allgemeinem Männerwahlrecht |
| 1893 | Frauenwahlrecht in Neuseeland |
| 1918 | Erste parlamentarische Regierung im Reich; Frauenwahlrecht in Deutschland |
| 1919 | Weimarer Verfassung |
| 1922 | Marsch auf Rom; Beginn der ersten Gegenwelle |
| 1926 | Putsche in Polen, Portugal und Litauen |
| 1930 | Erstes Präsidialkabinett unter Brüning |
| 1933 | Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz; Selbstausschaltung des österreichischen Parlaments |
| 1937 | Loewenstein, „Militant Democracy and Fundamental Rights“ |
| 1946 | Republik in Italien; Frauen wählen in Japan |
| 1948 | Allgemeine Erklärung der Menschenrechte |
| 1949 | Grundgesetz; Europarat |
| 1950 | Europäische Menschenrechtskonvention; Verfassung Indiens |
| 1952 | Erste Wahl in Indien abgeschlossen; Verbot der SRP |
| 1953 | Die CIA stürzt Mossadegh in Iran |
| 1954 | Sturz von Árbenz in Guatemala |
| 1959 | Lipsets Modernisierungsthese |
| 1960 | „Jahr Afrikas“: 17 Kolonien werden unabhängig |
| 1964 | Putsch in Brasilien |
| 1967 | Putsch der Obristen in Griechenland |
| 1971 | Dahl, „Polyarchy“; Frauenwahlrecht in der Schweiz |
| 1973 | Putsche in Uruguay und Chile |
| 1974 | Nelkenrevolution in Portugal; Ende der griechischen Junta |
| 1975 | Tod Francos; Schlussakte von Helsinki |
| 1977 | Erste freie Wahl in Spanien; Moncloa-Pakte; Charta 77 |
| 1978 | Spanische Verfassung |
| 1979 | Kirkpatrick, „Dictatorships and Double Standards“ |
| 1981 | Putschversuch in Madrid scheitert |
| 1983 | Wahl Alfonsíns in Argentinien |
| 1984 | „Nunca más“ |
| 1986 | People Power auf den Philippinen; O’Donnell und Schmitter über Pakte |
| 1987 | Erklärung vom 29. Juni in Südkorea; Ende des Kriegsrechts in Taiwan |
| 1988 | Nein im chilenischen Plebiszit |
| 1989 | Runde Tische in Polen und Ungarn; Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking; Leipzig, Mauerfall, Samtene Revolution; Sturz Ceaușescus; Fukuyama |
| 1990 | Mandela frei; freie Volkskammerwahl; Venedig-Kommission; deutsche Einheit |
| 1991 | Huntington, „The Third Wave“; Ende der Sowjetunion |
| 1993 | Kopenhagener Kriterien; Beschuss des russischen Parlaments; Sharp, „Von der Diktatur zur Demokratie“; Putnam, „Making Democracy Work“ |
| 1994 | Erste freie Wahl in Südafrika |
| 1997 | Zakaria über die illiberale Demokratie |
| 1998 | Rücktritt Suhartos; Bericht der Wahrheitskommission in Südafrika |
| 2000 | Sturz Miloševićs |
| 2002 | Carothers, Levitsky und Way, Diamond über die Grauzone |
| 2003 | Rosenrevolution in Georgien |
| 2004 | Orange Revolution in der Ukraine; EU-Beitritt von zehn Staaten |
| 2010 | Zweidrittelmehrheit für Fidesz in Ungarn; Beginn des Arabischen Frühlings |
| 2011 | Sturz Ben Alis und Mubaraks; Internetsperre in Ägypten; Chenoweth und Stephan |
| 2013 | Putsch in Ägypten |
| 2014 | Tunesische Verfassung; Orbáns „illiberaler Staat“ |
| 2015 | Nobelpreis für das tunesische Quartett; Diamond über die demokratische Rezession |
| 2016 | Bermeo über das Aushöhlen der Demokratie |
| 2017 | Präsidialsystem in der Türkei |
| 2018 | Levitsky und Ziblatt, „Wie Demokratien sterben“; Artikel-7-Verfahren gegen Ungarn; Referendum in Irland nach einer Bürgerversammlung |
| 2021 | Saied entmachtet das tunesische Parlament; Zwangsgeld des EuGH gegen Polen; Recherchen zu Pegasus in Ungarn |
| 2022 | Proteste stürzen Rajapaksa in Sri Lanka |
| 2023 | Sturm auf die Institutionen in Brasília; Machtwechsel in Polen |
| 2024 | Machtwechsel im Senegal; Sturz Hasinas in Bangladesch; Kriegsrecht in Südkorea aufgehoben; Sturz Assads |
| 2025 | Amtsenthebung Yoons bestätigt; Festnahme İmamoğlus; Gen-Z-Proteste in Nepal; Bolsonaro verurteilt |
| 2026 | V-Dem stuft die USA herab; Wahl in Ungarn beendet Orbáns Regierung; Studentenliste gewinnt die Wahl in Serbien (25. Oktober, vorläufig) |
Weiterlesen
Wer tiefer einsteigen will, findet hier eine Auswahl, geordnet nach den Abschnitten, die sie vertiefen.
- Paul Nolte: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, München 2012. Die Geschichte der Demokratie von Athen bis heute, knapp und verständlich; Hintergrund zu Abschnitt 1 und 2.
- Hedwig Richter: Demokratie. Eine deutsche Affäre. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 2020. Die deutsche Demokratiegeschichte als Geschichte von oben und von unten; Abschnitt 2 bis 4.
- Robert A. Dahl: Polyarchy. Participation and Opposition. Yale University Press, New Haven 1971. Das Buch, aus dem die beiden Achsen der Abbildung 1 stammen.
- Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. C. H. Beck, München 1993, Neuausgabe 2018. Der Untergang aus Abschnitt 3 in allen Einzelheiten.
- Mark Mazower: Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert. Alexander Fest, Berlin 2000 (englisch 1998). Demokratie, Faschismus und Kommunismus als konkurrierende Ordnungen Europas; Abschnitt 3 und 4.
- Samuel P. Huntington: The Third Wave. Democratization in the Late Twentieth Century. University of Oklahoma Press, Norman 1991. Das Buch, das den Wellen ihren Namen gab; Abschnitt 5 und 6.
- Wolfgang Merkel: Systemtransformation. Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung. 2. Auflage, VS Verlag, Wiesbaden 2010. Das deutschsprachige Standardwerk zu den Übergängen der Abschnitte 5 bis 7.
- Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. C. H. Beck, München 2009. Der Herbst 1989 aus Abschnitt 6.
- Juan J. Linz, Alfred Stepan: Problems of Democratic Transition and Consolidation. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1996. Südeuropa, Südamerika und Osteuropa im Vergleich; Abschnitt 5 bis 7.
- Steven Levitsky, Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben. Und was wir dagegen tun können. DVA, München 2018 (englisch: How Democracies Die, 2018). Die Warnzeichen und die ungeschriebenen Regeln aus Abschnitt 3 und 8.
- Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten. Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten. Siedler, München 2024. Wie die Autokratien der Gegenwart zusammenarbeiten; Abschnitt 8.
Quellen
Der Text stützt sich auf die Originaldokumente, Aufsätze, Berichte und Darstellungen, die in den Fußnoten genannt sind. Sie sind, soweit nicht anders vermerkt, frei im Netz zugänglich. Einige Angaben zur älteren Geschichte stützen sich auf Wikipedia; sie sind als solche gekennzeichnet.
Przeworski, A. (1991): Democracy and the Market. Political and Economic Reforms in Eastern Europe and Latin America. Cambridge University Press, Cambridge, Kap. 1, S. 10. https://www.cambridge.org/core/books/abs/democracy-and-the-market/democracy/0AA4BF19C5129B8634C501C22B5FB61B ↩︎
Dahl, R. A. (1971): Polyarchy. Participation and Opposition. Yale University Press, New Haven/London, S. 1 (Leitfrage), 6–8 (Achsen und Ecken), 15–16 (Axiome). Zusammenfassung: Kenney, C. D.: Polyarchy. International Encyclopedia of the Social Sciences. https://www.encyclopedia.com/social-sciences/applied-and-social-sciences-magazines/polyarchy ↩︎ ↩︎ ↩︎
Huntington, S. P. (1991): The Third Wave. Democratization in the Late Twentieth Century. University of Oklahoma Press, Norman/London, S. 15; zitiert nach Diamond, L. (1997): Is the Third Wave of Democratization Over? Kellogg Institute Working Paper 236, S. 2. https://kellogg.nd.edu/sites/default/files/old_files/documents/236.pdf ↩︎
Huntington, S. P. (1991): Democracy’s Third Wave. Journal of Democracy 2(2), 12–34. https://www.ned.org/docs/Samuel-P-Huntington-Democracy-Third-Wave.pdf ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎
Wikipedia: Cleisthenes. https://en.wikipedia.org/wiki/Cleisthenes ↩︎
Wikipedia: Athenian democracy. https://en.wikipedia.org/wiki/Athenian_democracy ↩︎
The Magna Carta Project, University of East Anglia: Magna Carta 1215, Clause 39. https://magnacarta.cmp.uea.ac.uk/read/magna_carta_1215/Clause_39 ↩︎ ↩︎
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Bill of Rights [1688], 1 Will & Mar Sess 2 c 2. legislation.gov.uk. https://www.legislation.gov.uk/aep/WillandMarSess2/1/2/introduction ↩︎
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Wikipedia: The Social Contract. https://en.wikipedia.org/wiki/The_Social_Contract ↩︎
National Archives: Declaration of Independence. A Transcription. https://www.archives.gov/founding-docs/declaration-transcript ↩︎ ↩︎
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Madison, J. (1787): The Federalist No. 10, 22. November 1787. In: The Federalist Papers. Project Gutenberg. https://www.gutenberg.org/cache/epub/1404/pg1404.txt ↩︎ ↩︎
Madison, J. (1788): The Federalist No. 51, 6. Februar 1788. In: The Federalist Papers. Project Gutenberg. https://www.gutenberg.org/cache/epub/1404/pg1404.txt ↩︎
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Jefferson, T. (1801): First Inaugural Address, 4. März 1801. Avalon Project, Yale Law School. https://avalon.law.yale.edu/19th_century/jefinau1.asp ↩︎
Tocqueville, A. de (1840): De la démocratie en Amérique, Bd. 2, Teil 2, Kap. 5; englisch: Democracy in America, Bd. 2, übersetzt von Henry Reeve, Project Gutenberg. https://www.gutenberg.org/cache/epub/816/pg816-images.html ; das Kapitel im Netz: https://www.marxists.org/reference/archive/de-tocqueville/democracy-america/ch28.htm ; zur Reise von 1831 und den Bänden von 1835 und 1840: Liberty Fund, Online Library of Liberty. https://oll.libertyfund.org/title/democracy-in-america-english-edition-vol-2 ↩︎
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Sturm, R. (2011): Vom Kaiserreich zur Republik 1918/19. Informationen zur politischen Bildung, Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/erster-weltkrieg-weimar/weimarer-republik/275834/vom-kaiserreich-zur-republik-1918-19 ; Deutsches Historisches Museum, LeMO: Verfassung des Kaiserreichs. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/innenpolitik/verfassung ↩︎
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Wikipedia: Frauenwahlrecht. https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht ↩︎
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Moore, B. (1966): Social Origins of Dictatorship and Democracy. Beacon Press, Boston (deutsch: Soziale Ursprünge von Diktatur und Demokratie, Suhrkamp 1969). Zusammenfassung: Wikipedia: Social Origins of Dictatorship and Democracy. https://en.wikipedia.org/wiki/Social_Origins_of_Dictatorship_and_Democracy ↩︎
Rustow, D. A. (1970): Transitions to Democracy. Toward a Dynamic Model. Comparative Politics 2(3), 337–363. DOI 10.2307/421307. Zusammenfassung: Wikipedia: Dankwart Rustow. https://en.wikipedia.org/wiki/Dankwart_Rustow ↩︎ ↩︎ ↩︎
Bundeszentrale für politische Bildung (2012): Vor 90 Jahren: Benito Mussolini kommt an die Macht. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/147468/vor-90-jahren-benito-mussolini-kommt-an-die-macht/ ↩︎ ↩︎
Wikipedia (italienisch): Legge Acerbo. https://it.wikipedia.org/wiki/Legge_Acerbo (Kammer 21. Juli 1923, Schwelle 25 Prozent, zwei Drittel der Sitze); Wikipedia (italienisch): Leggi fascistissime. https://it.wikipedia.org/wiki/Leggi_fascistissime (Pressegesetz 31. Dezember 1925, Vereinsgesetz 26. November 1925, Polizeigesetz 6. November 1926, Sondergericht 25. November 1926) ↩︎ ↩︎
Polen-Analysen Nr. 366, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. https://web.archive.org/web/20260712122047/https://laender-analysen.de/polen-analysen/366/polenanalysen366.pdf ↩︎
TU Chemnitz, Europastudien: Estado Novo. https://www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien/swandel/projekte/erinnerung/estadonovo.htm ↩︎
Wikipedia: 1926 Lithuanian coup d’état. https://en.wikipedia.org/wiki/1926_Lithuanian_coup_d%27%C3%A9tat ↩︎
Rathkolb, O.: 4. März 1933. Demokratiezentrum Wien (PDF). https://www.demokratiezentrum.org/wp-content/uploads/2022/10/rathkolb_4_maerz_1933.pdf ↩︎
Austria-Forum: Februarkämpfe 1934; Maiverfassung. https://austria-forum.org/af/AEIOU/Maiverfassung ↩︎
Wikipedia: 1934 Estonian coup d’état; Kārlis Ulmanis. https://en.wikipedia.org/wiki/1934_Estonian_coup_d%27%C3%A9tat ↩︎
Foundation of the Hellenic World: The imposition of the 4th of August dictatorship. https://fhw.gr/projects/cooperations/f_policy36_45/en/text/132.html ↩︎
Bundeszentrale für politische Bildung (2016): Vor 80 Jahren: Beginn des Spanischen Bürgerkriegs. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/231078/vor-80-jahren-beginn-des-spanischen-buergerkriegs/ ↩︎
Deutscher Bundestag: 1930–1933. Die Zerstörung der demokratischen Republik. https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/100-jahre-weimar/machtuebergabe-972588 ↩︎ ↩︎ ↩︎
Piper, E.: Zerstörung der Demokratie 1930–1933. Informationen zur politischen Bildung: Weimarer Republik, Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/izpb/weimarer-republik-346/332906/zerstoerung-der-demokratie-1930-1933 ↩︎
Deutsches Historisches Museum, LeMO: Ergebnis der Reichstagswahl am 31. Juli 1932. https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/reichstagswahl-31-juli-1932.html ↩︎
Bundeszentrale für politische Bildung (2018): Reichstagsbrand – auf dem Weg in die Diktatur. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/265402/reichstagsbrand-auf-dem-weg-in-die-diktatur/ ; Wortlaut: https://germanhistorydocs.org/de/deutschland-nationalsozialismus-1933-1945/verordnung-des-reichspraesidenten-zum-schutz-von-volk-und-staat-reichstagbrandverordnung-28-februar-1933 ↩︎
Deutscher Bundestag, Textarchiv: 23. März 1933 – Ermächtigungsgesetz. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/1933-03-23-ermaechtigungsgesetz-938540 ; Rede von Otto Wels: https://germanhistorydocs.org/de/deutschland-nationalsozialismus-1933-1945/rede-des-sozialdemokratischen-reichstagsabgeordneten-otto-wels-gegen-den-erlass-des-ermaechtigungsgesetzes-23-maerz-1933.pdf ↩︎ ↩︎
Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste (2003): Analyse vom 14. März 2003 (Webarchiv). https://webarchiv.bundestag.de/archive/2005/0127/bic/analysen/2003/2003_03_14.pdf ↩︎
Linz, J. J. (1978): The Breakdown of Democratic Regimes. Crisis, Breakdown, and Reequilibration. Johns Hopkins University Press, Baltimore. Zur Typologie: PostData, „Party Opposition and Democratic (Dis)loyalty in Latin America“. https://revistapostdata.com.ar/index.php/postdata/article/view/358 ↩︎
Levitsky, S., Ziblatt, D. (2018): How Democracies Die. Crown, New York; Zusammenfassung: Universität Potsdam (PDF). https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/files/6289/wtp23_S18_32.pdf ↩︎
Loewenstein, K. (1937): Militant Democracy and Fundamental Rights, I und II. American Political Science Review 31(3), 417–432, und 31(4), 638–658. https://www.cambridge.org/core/journals/american-political-science-review/article/abs/militant-democracy-and-fundamental-rights-ii/E0D3B181752D31C3884660E614F40D28 ↩︎
Gallus, A. (2026): Streitbare Demokratie – wehrhafte Demokratie. Karl Loewenstein. Konrad-Adenauer-Stiftung, Geschichtsbewusst. https://www.kas.de/de/web/geschichtsbewusst/essay/-/content/streitbare-demokratie-wehrhafte-demokratie-karl-loewenstein ↩︎
Merritt, A. J., Merritt, R. L. (1970): Public Opinion in Occupied Germany. The OMGUS Surveys. University of Illinois Press, Urbana, S. 171–172; via German History in Documents and Images. https://germanhistorydocs.org/en/occupation-and-the-emergence-of-two-states-1945-1961/omgus-survey-of-trends-in-attitudes-toward-national-socialism-1945-47 ↩︎
Duden Learnattack, Schülerlexikon Geschichte: Alliierte Politik zur Entnazifizierung der Deutschen. https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/alliierte-politik-zur-entnazifizierung-der-deutschen ; Fragebogen: https://germanhistorydocs.org/de/die-besatzungszeit-und-die-entstehung-zweier-staaten-1945-1961/fragebogen-zur-entnazifizierung-1946.pdf ↩︎
Bundeszentrale für politische Bildung: Grundgesetz für Einsteiger, Lehrerteil (PDF). https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/5698b_lehrerteil_gg_fuer_einsteiger_online_191209.pdf ; Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Verfassungstag 23. Mai. https://www.lpb-bw.de/verfassungstag-23mai ↩︎
Die Verfassung des Deutschen Reichs („Weimarer Reichsverfassung“) vom 11. August 1919, Art. 25, 48, 54. German History in Documents and Images (PDF). https://ghdi.ghi-dc.org/pdf/deu/ghi_wr_WEIMARconstitution_GER.pdf ↩︎
Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Deutschland und der Ausnahmezustand. https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/netzdebatte/246570/deutschland-und-der-ausnahmezustand/ ↩︎ ↩︎
Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste (2005): Analyse vom 18. Juli 2005 zur Auflösung des Bundestages (Webarchiv). https://webarchiv.bundestag.de/archive/2007/0404/bic/analysen/2005/2005_07_18b.pdf ↩︎
Grundgesetz, Art. 67. Gesetze im Internet. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_67.html ↩︎ ↩︎
Grundgesetz, Art. 79. Gesetze im Internet. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_79.html ↩︎ ↩︎ ↩︎
Grundgesetz, Art. 21. Gesetze im Internet. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_21.html ↩︎ ↩︎
Grundgesetz, Art. 18. Gesetze im Internet. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_18.html ↩︎
Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: WD 1-3000-034/13 (PDF). https://www.bundestag.de/resource/blob/405264/1c43548de5a3630781ec4e94366e64ae/WD-1-034-13-pdf.pdf ↩︎
Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 17. August 1956, 1 BvB 2/51, BVerfGE 5, 85. https://www.servat.unibe.ch/dfr/bv005085.html ↩︎
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Al Jazeera (20. August 2013): CIA admits organising 1953 Iran coup. https://www.aljazeera.com/news/2013/8/20/cia-admits-organising-1953-iran-coup ↩︎
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National Security Archive (4. Dezember 2025): Covert Action in Chile. The Significance of the Church Committee Report 50 Years Later. https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/intelligence/2025-12-04/covert-action-chile-significance-church-committee-report-50 ; U.S. Senate, Select Committee to Study Governmental Operations with Respect to Intelligence Activities (1975): Covert Action in Chile, 1963–1973. Staff Report. ↩︎
O’Donnell, G. (1973): Modernization and Bureaucratic-Authoritarianism. Studies in South American Politics. Institute of International Studies, University of California, Berkeley. https://repositorio.cedes.org/handle/123456789/3606 ↩︎
Huntington (1991), S. 3; Universidade Lusófona: Education and social change in times of revolutionary transition. https://www.ulusofona.pt/en/event/education-and-social-change-in-times-of-revolutionary-transition ↩︎
Wikipedia: Carnation Revolution. https://en.wikipedia.org/wiki/Carnation_Revolution ↩︎
swissinfo.ch (2024): Portugal’s ‘carnations lady’ who gave name to 1974 revolution dies at 91. https://swissinfo.ch/eng/portugal%27s-%27carnations-lady%27-who-gave-name-to-1974-revolution-dies-at-91/88169126 ↩︎
Executive Digest: Auswertung des INE zur Wahlbeteiligung seit 1975. https://executivedigest.sapo.pt/?p=754034 ↩︎
Observador (2016): Nos 40 anos da Constituição portuguesa, já aprovadas sete revisões ao texto. https://observador.pt/2016/04/01/nos-40-anos-da-constituicao-portuguesa-ja-aprovadas-sete-revisoes-ao-texto/ ↩︎
Wikipedia: Metapolitefsi. https://en.wikipedia.org/wiki/Metapolitefsi ↩︎
To Vima: 1974 referendum. The definitive abolition of the monarchy. https://www.tovima.com/vima-history/1974-referendum-the-definitive-abolition-of-the-monarchy ↩︎
Wikipedia: Spanish transition to democracy. https://en.wikipedia.org/wiki/Spanish_transition_to_democracy ↩︎
Wikipedia: 1977 Spanish Amnesty Law. https://en.wikipedia.org/wiki/1977_Spanish_Amnesty_Law ↩︎ ↩︎
Aguilar, P. (1996): Memoria y olvido de la Guerra Civil española. Alianza, Madrid; referiert in Cuadernos de Historia Contemporánea, Universidad Complutense. https://revistas.ucm.es/index.php/CHCO/article/download/66123/4564456552799/4564456577955 ↩︎
Wikipedia: Moncloa Pacts. https://en.wikipedia.org/wiki/Moncloa_Pacts ↩︎
Wikipedia: 1978 Spanish constitutional referendum. https://en.wikipedia.org/wiki/1978_Spanish_constitutional_referendum ↩︎
The Objective (25. Februar 2026): Muere el teniente coronel Antonio Tejero. https://theobjective.com/espana/2026-02-25/muere-teniente-coronel-antonio-tejero-23f/ ↩︎ ↩︎
Revista de Derecho Político, UNED: Die Wahl vom 28. Oktober 1982 (PDF). https://revistas.uned.es/index.php/derechopolitico/article/download/8243/7894/12109 ↩︎
O’Donnell, G., Schmitter, P. C. (1986): Transitions from Authoritarian Rule. Tentative Conclusions about Uncertain Democracies. Johns Hopkins University Press, Baltimore/London. https://press.jhu.edu/books/title/10937/transitions-authoritarian-rule ↩︎ ↩︎
Huntington (1991), Kap. 3; Wikipedia: The Third Wave. Democratization in the Late Twentieth Century. https://en.wikipedia.org/wiki/The_Third_Wave:_Democratization_in_the_Late_Twentieth_Century ↩︎
Diario de Cuyo (2022): La dictadura argentina terminó de cavar su propia fosa con la guerra. https://www.diariodecuyo.com.ar/noticias/la-dictadura-argentina-termino-de-cavar-su-propia-fosa-con-la-guerra-94849.html ↩︎
Los Andes (2018): 35 años después, el día que Alfonsín se puso al hombro la democracia. https://www.losandes.com.ar/35-anos-despues-el-dia-que-alfonsin-se-puso-al-hombro-la-democracia/ ↩︎
Chequeado: Marziotta y su frase sobre el periodismo que fue la CONADEP. https://chequeado.com/hilando-fino/marziotta-y-su-frase-sobre-el-periodismo-que-fue-la-conadep/ ; ICMP: Argentina. https://icmp.int/the-missing/where-are-the-missing/argentina/ ↩︎
Chequeado: Qué fue el Juicio a las Juntas. https://chequeado.com/hilando-fino/que-fue-el-juicio-a-las-juntas/ ↩︎ ↩︎
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Senado Notícias (2020): Senadores comemoram os 32 anos da Constituição. https://www12.senado.leg.br/noticias/materias/2020/10/05/senadores-comemoram-os-32-anos-da-constituicao ↩︎
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Radio Prague International: Charter 77. https://english.radio.cz/charter-77-original-signatory-communist-czechoslovakias-most-important-protest-8204191 ↩︎
Kirkpatrick, J. (1979): Dictatorships and Double Standards. Commentary 68(5), November 1979; Ruhr-Universität Bochum, Quellensammlung: Kirkpatrick, „Dictatorships and Double Standards“, 1979. https://www.ruhr-uni-bochum.de/gna/Quellensammlung/11/11_kirkpatrickdictatorshipsdoublestandards_1979.html ; Wikipedia: Dictatorships and Double Standards. https://en.wikipedia.org/wiki/Dictatorships_and_Double_Standards ; U.S. Department of State, Office of the Historian: FRUS 1981–1988, Bd. 1, Dokument 2. https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1981-88v01/d2 ↩︎
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Bundeszentrale für politische Bildung (2019): Vor 30 Jahren: Solidarność gewinnt bei Parlamentswahlen in Polen. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/292187/vor-30-jahren-solidarnosc-gewinnt-bei-parlamentswahlen-in-polen/ ↩︎
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Die Bundesregierung: Ungarn öffnet seine Grenze. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/deutsche-einheit/ungarn-oeffnet-seine-grenze-337804 ↩︎
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Die Bundesregierung: Volkskammer sagt Ja zur Einheit. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/deutsche-einheit/volkskammer-sagt-ja-zur-einheit-353950 ↩︎
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Fukuyama, F. (1989): The End of History? The National Interest 16, 3–18. https://www.jstor.org/stable/24027184 ↩︎
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Scientific American (28. Januar 2011): How Was Egypt’s Internet Access Shut Off? https://www.scientificamerican.com/article/egypt-internet-mubarak/ ↩︎
Naharnet: Egypt since Morsi’s ouster. 10 key dates. https://naharnet.com/stories/en/212357-egypt-since-morsi-s-ouster-10-key-dates ↩︎ ↩︎ ↩︎
CBS News: Syria death toll passes 191,000, UN says. https://www.cbsnews.com/amp/news/syria-death-toll-passes-191000-un-says ↩︎
Europarat, Venedig-Kommission: Adoption of the Tunisian Constitution. https://www.coe.int/en/web/venice-commission/-/event-1818 ↩︎
AGI (9. Oktober 2015): Tunisian National Dialogue Quartet wins Nobel Peace Prize. https://www.agi.it/estero/tunisian_national_dialogue_quartet_wins_nobel_peace_prize-308263/news/2015-10-09/ ↩︎ ↩︎
Al Jazeera (25. Juli 2021): Tunisia’s president dismisses prime minister after protests. https://www.aljazeera.com/news/2021/7/25/tunisias-president-dismisses-prime-minister-after-protests ; Arab Reform Initiative. https://www.arab-reform.net/?p=23643 ↩︎ ↩︎ ↩︎
Diamond, L. (2015): Facing Up to the Democratic Recession. Journal of Democracy 26(1), 141–155. https://www.journalofdemocracy.org/articles/facing-up-to-the-democratic-recession/ ↩︎
Levitsky, S., Way, L. A. (2015): The Myth of Democratic Recession. Journal of Democracy 26(1), 45–58. https://www.journalofdemocracy.org/articles/the-myth-of-democratic-recession/ ↩︎
Bermeo, N. (2016): On Democratic Backsliding. Journal of Democracy 27(1), 5–19. https://www.journalofdemocracy.org/articles/on-democratic-backsliding/ ↩︎
Lührmann, A., Lindberg, S. I. (2019): A third wave of autocratization is here. What is new about it? Democratization 26(7), 1095–1113. DOI 10.1080/13510347.2019.1582029. Universität Göteborg: https://www.gu.se/en/news/more-and-more-democracies-are-creeping-towards-dictatorships ↩︎
Levitsky, S., Ziblatt, D. (2018): How Democracies Die. Crown, New York (deutsch: Wie Demokratien sterben. DVA, München 2018). https://www.penguin.de/buecher/steven-levitsky-wie-demokratien-sterben/ebook/9783641222918 ↩︎ ↩︎
Europäisches Justizportal: Ungarn, nationale Rechtsordnung (PDF). https://e-justice.europa.eu/pdf-export/2416_en ; Wikipedia: Fundamental Law of Hungary. https://en.wikipedia.org/wiki/Fundamental_Law_of_Hungary ↩︎
Heinrich-Böll-Stiftung (21. August 2014): Announcing the illiberal state. https://www.boell.de/en/2014/08/21/announicing-illiberal-state ↩︎
FIDH: The European Parliament stands up for the core principles of the EU. https://www.fidh.org/en/region/europe-central-asia/hungary/the-european-parliament-stands-up-for-the-core-principles-of-the ↩︎ ↩︎
Al Jazeera (12. April 2026): Hungary election. https://www.aljazeera.com/news/2026/4/12/hungary-election-early-results-show-magyars-tisza-ahead-of-orbans-fidesz ; CNN (12. April 2026). https://www.cnn.com/2026/04/12/world/live-news/hungary-election-orban-magyar ; Endergebnis: Wikipedia: 2026 Hungarian parliamentary election. https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Hungarian_parliamentary_election ↩︎ ↩︎ ↩︎
Euronews (29. Mai 2026): Hungary unlocks €16.4bn in EU funds after Magyar secures deal with Brussels. https://www.euronews.com/my-europe/2026/05/29/hungary-unlocks-164bn-in-eu-funds-after-magyar-secures-deal-with-brussels ; Al Jazeera (29. Mai 2026). https://www.aljazeera.com/news/2026/5/29/eu-to-release-billions-in-frozen-funds-for-hungary-amid-magyar-reforms ↩︎
Al Jazeera (15. Juni 2026): Hungarian MPs approve PM limits to block potential return of Orbán. https://www.aljazeera.com/news/2026/6/15/hungarian-mps-approve-pm-limits-to-block-potential-return-of-orban ; Telex (15. Juni 2026): Hungarian Parliament adopts amendment to Fundamental Law which prevents Viktor Orbán from ever being PM again. https://telex.hu/english/2026/06/15/hungarian-parliament-adopts-amendment-to-fundamental-law-which-prevents-viktor-orban-from-being-pm-again ; OSW (14. Juli 2026): Amending Hungary’s constitution to dismantle Fidesz’s grip on power. https://www.osw.waw.pl/en/publikacje/analyses/2026-07-14/amending-hungarys-constitution-to-dismantle-fideszs-grip-power ↩︎
Europäische Kommission (2026): Rule of Law Report 2026, Country Chapter Hungary, SWD(2026) 917 final, 17. Juli 2026 (PDF). https://commission.europa.eu/document/download/0e737e3a-55fd-424e-883d-72c2d3092be1_en?filename=Country+chapter+-+Hungary+-+EN.pdf ; CMS: Hungary adopts constitutional reform and major tax package. https://cms.law/en/hun/legal-updates/hungary-adopts-constitutional-reform-and-major-tax-package ↩︎
Rat der EU: Durchführungsbeschluss (EU) 2026/2324 vom 13. Oktober 2026 (Aufhebung der Maßnahmen gegen Ungarn und des Durchführungsbeschlusses (EU) 2022/2506). https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32026D2324 ; zum Artikel-7-Verfahren: Euronews (7. September 2026): MEPs on track to end Article 7 ‘nuclear option’ against Hungary. https://www.euronews.com/my-europe/2026/09/07/exclusive-meps-on-track-to-end-article-7-nuclear-option-against-hungary ↩︎
Al Jazeera (27. Oktober 2021): Top EU court fines Poland €1m a day over judicial reform. https://www.aljazeera.com/amp/news/2021/10/27/top-eu-court-fines-poland-1m-euros-a-day-overjudicial-reform ; JURIST. https://www.jurist.org/news/2021/10/cjeu-fines-poland-1m-euros-per-day-for-failure-to-implement-judicial-reforms ↩︎ ↩︎ ↩︎
Bertelsmann Stiftung: BTI Country Report Poland. https://bti-project.org/en/reports/country-report/POL ; Euromaidan Press (11. Dezember 2023). https://euromaidanpress.com/2023/12/11/polish-sejm-votes-out-morawiecki-selects-tusk-as-new-pm/ ↩︎
CBS News: Trump-backed conservative narrowly wins Poland’s presidential election. https://www.cbsnews.com/news/trump-backed-conservative-narrowly-wins-polands-presidential-election/ ; Notes from Poland (19. Februar 2026). https://notesfrompoland.com/2026/02/19/president-vetoes-bill-reforming-judicial-body-at-heart-of-polands-rule-of-law-crisis/ ↩︎
Doha Institute: The April 2017 Constitutional Referendum in Turkey. What Next? https://www.dohainstitute.org/en/PoliticalStudies/Pages/The_April_2017_Constitutional_Referendum_in_Turkey_What_Next.aspx ↩︎
Human Rights Watch (3. März 2026): Türkiye. Leading Opponent of Erdoğan on Trial. https://www.hrw.org/news/2026/03/03/turkiye-leading-opponent-of-erdogan-on-trial ↩︎
SecurityWeek (5. November 2021): Hungarian Official: Government Bought, Used Pegasus Spyware. https://www.securityweek.com/hungarian-official-government-bought-used-pegasus-spyware/ ; Direkt36: What happened in Hungary since the Pegasus spyware revelations. https://www.direkt36.hu/en/igy-hullottak-az-igazsag-morzsai-a-pegasus-ugy-ket-eve-alatt/ ↩︎
TVN24 (April 2024): Prosecutor General: 578 people targeted with Pegasus in 2017–2022. https://tvn24.pl/tvn24-news-in-english/pegasus-targeted-578-people-in-2017-2022-says-polands-chief-prosecutor-st7872288 ↩︎
Lührmann, A., Tannenberg, M., Lindberg, S. I. (2018): Regimes of the World (RoW). Opening New Avenues for the Comparative Study of Political Regimes. Politics and Governance 6(1). https://www.cogitatiopress.com/politicsandgovernance/article/view/1214/714 ↩︎
V-Dem Institute (2026): Democracy Report 2026. Unraveling the Democratic Era? Universität Göteborg, 18. März 2026 (PDF). https://v-dem.net/documents/75/V-Dem_Institute_Democracy_Report_2026_lowres.pdf ; Zusammenfassung: Democracy Without Borders. https://www.democracywithoutborders.org/41651/v-dem-report-finds-global-democracy-is-back-at-1978-levels/ ↩︎ ↩︎
Freedom House (2026): Freedom in the World 2026. The Growing Shadow of Autocracy. https://freedomhouse.org/report/freedom-world/2026/growing-shadow-autocracy ; Länderbericht USA: https://freedomhouse.org/country/united-states/freedom-world/2026 ↩︎ ↩︎
Economist Intelligence Unit: EIU Democracy Index 2025. Democracy stabilises after eight years of decline. PR Newswire. https://www.prnewswire.com/news-releases/eiu-democracy-index-2025-democracy-stabilises-after-eight-years-of-decline-302734863.html ↩︎
Global Voices (26. September 2024): Anura Kumara Dissanayake wins Sri Lanka’s presidential election. https://globalvoices.org/2024/09/26/anura-kumara-dissanayake-wins-sri-lankas-presidential-election-and-calls-for-a-snap-parliamentary-elections/ ↩︎
Al Jazeera (27. März 2024): Senegal opposition’s Faye won over 54% of vote. https://www.aljazeera.com/news/2024/3/27/senegal-oppositions-faye-won-over-54-of-vote-full-provisional-results ↩︎
AP via Yahoo News: UN says Bangladesh’s ex-regime may have committed crimes against humanity. https://www.yahoo.com/news/un-bangladeshs-ex-regime-may-100027648.html ↩︎
The Diplomat (Februar 2026): BNP wins election, Tarique Rahman to take oath as Bangladesh’s next prime minister. https://thediplomat.com/2026/02/bnp-wins-election-tarique-rahman-to-take-oath-as-bangladeshs-next-prime-minister/ ↩︎
OPB/AP (3. Dezember 2024). https://www.opb.org/article/2024/12/03/south-korea-martial-law/ ; PISM: South Korea’s President Yoon Suk Yeol Removed from Office. https://www.pism.pl/publications/south-koreas-president-yoon-suk-yeol-removed-from-office ; International IDEA, Democracy Tracker, Republic of Korea, Juni 2025. https://www.idea.int/democracytracker/report/republic-korea/june-2025 ↩︎ ↩︎
AP (8. Dezember 2024): Syrian government falls to fast-moving rebels, ending 50 years of iron rule by the Assad family. https://www.clickondetroit.com/news/world/2024/12/08/syrian-government-falls-to-fast-moving-rebels-ending-50-years-of-iron-rule-by-the-assad-family/ ↩︎
Al Jazeera (17. September 2025): Who is Sushila Karki, Nepal’s new interim prime minister? https://www.aljazeera.com/news/2025/9/17/who-is-sushila-karki-nepals-new-73-year-old-interim-prime-minister ; House of Commons Library, CBP-10622. https://commonslibrary.parliament.uk/research-briefings/cbp-10622/ ↩︎
Global Voices (12. Januar 2023): Bolsonaro supporters attempt coup, storming Brazil’s Three Powers headquarters. https://globalvoices.org/2023/01/12/bolsonaro-supporters-attempt-coup-storming-brazils-three-powers-headquarters/ ; Encyclopaedia Universalis: 1er–10 janvier 2023. https://www.universalis.fr/evenement/1er-10-janvier-2023-assaut-de-milliers-de-militants-bolsonaristes-contre-le-siege-des-institutions-a-brasilia/ ↩︎
Al Jazeera (11. September 2025): Brazil’s Bolsonaro found guilty of coup plot by top court. https://www.aljazeera.com/news/2025/9/11/brazils-bolsonaro-found-guilty-of-coup-plot-by-top-court ↩︎ ↩︎
Al Jazeera (29. November 2024): Georgia protesters clash with police after PM suspends EU membership talks. https://www.aljazeera.com/news/2024/11/29/georgia-protesters-clash-with-police-after-pm-suspends-eu-membership-talks ; Reuters via U.S. News (21. Oktober 2026): Georgian court begins hearing lawsuit seeking ban on major opposition parties. https://www.usnews.com/news/world/articles/2026-10-21/georgian-court-begins-hearing-lawsuit-seeking-ban-on-major-opposition-parties ↩︎
AP (25. Oktober 2026): Polls have opened in a Serbian election pitting a student-led protest movement against populist leader Aleksandar Vučić. https://www.clickondetroit.com/news/world/2026/10/25/polls-have-opened-in-a-serbian-election-pitting-a-student-led-protest-movement-against-populist-leader-aleksandar-vucic/ ; Al Jazeera (25. Oktober 2026): Serbia’s Vucic concedes election defeat to student-led movement. https://www.aljazeera.com/news/2026/10/25/serbia-voter-turnout-highest-in-decades-as-students-oppose-longtime-leader ; France 24 (25. Oktober 2026): Serbia’s Vucic concedes defeat in historic snap election with record turnout. https://www.france24.com/en/europe/20261025-serbia-s-vucic-concedes-defeat-in-historic-snap-election-with-record-turnout ; Balkan Insight (25. Oktober 2026): Serbian Strongman Vucic Concedes Defeat in Snap Elections. https://balkaninsight.com/2026/10/25/serbian-strongman-vucic-concedes-defeat-in-snap-elections/bi/ ; France 24/AFP (25. Oktober 2026): Serbia’s student movement ousts longtime leader in parliament poll. https://www.france24.com/en/live-news/20261025-serbia-on-track-for-high-turnout-as-students-challenge-ruling-party ; Regierung der Republik Serbien (26. Oktober 2026): Latest RIK data: Student List wins 52.65%, United Serbia 39.22% of vote. https://www.srbija.gov.rs/vest/en/290649/latest-rik-data-student-list-wins-5265-united-serbia-3922-of-vote.php ; Balkan Insight (26. Oktober 2026): Student List Wins Outright Majority in Serbian Parliamentary Polls. https://balkaninsight.com/2026/10/26/student-list-wins-outright-majority-in-serbian-parliamentary-polls/bi/ ; Sitzverteilung nach den Stimmen aus dem Ausland: Wikipedia: 2026 Serbian parliamentary election. https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Serbian_parliamentary_election ↩︎ ↩︎
Wikipedia: Thirty-sixth Amendment of the Constitution of Ireland. https://en.wikipedia.org/wiki/Thirty-sixth_Amendment_of_the_Constitution_of_Ireland ; Amnesty International Irland (29. Juni 2017): Amnesty International welcomes Citizens’ Assembly report as road map for abortion reform. https://www.amnesty.ie/amnesty-international-welcomes-citizens-assembly-report-road-map-abortion-reform/ ; UK Government Communication Service: Ireland’s Citizens’ Assembly on abortion rights. https://www.communications.gov.uk/case-study/irelands-citizens-assembly-on-abortion-rights/ ↩︎
Wikipedia: Democratic Opposition of Serbia. https://en.wikipedia.org/wiki/Democratic_Opposition_of_Serbia ; International Crisis Group (2000): Yugoslavia’s Presidential Election. The Serbian People’s Moment of Truth, Balkans Report Nr. 102 (PDF). https://www.crisisgroup.org/sites/default/files/102-yugoslavia-s-presidential-election-the-serbian-people-s-moment-of-truth.pdf ; National Democratic Institute (11. September 2000): Serbia 2000 Election Watch (PDF). https://ndi.org/sites/default/files/1071_yu_2000electwatch_5.pdf ↩︎
Institute of International and European Affairs: The 2022 Hungarian Elections. Orbán Renewal. https://www.iiea.com/blog/the-2022-hungarian-elections-orban-renewal ↩︎
Levitsky, S., Ziblatt, D. (2018): How Democracies Die, Kap. 1 und 2; Altavilla, C. (18. September 2020): A Review of How Democracies Die. ReVista, Harvard University. https://revista.drclas.harvard.edu/how-democracies-die ; von der Goltz, A. (27. Februar 2023): The Not-So-Sudden Death of Weimar Democracy. American-German Institute, Johns Hopkins University. https://aicgs.org/2023/02/the-not-so-sudden-death-of-weimar-democracy/ ; Anwar, U., Atif, M. (2025): How Democracies Die (Rezension). Journal of Liberty and International Affairs 11(2), 177–180. https://doi.org/10.47305/jlia.2025.1884 ↩︎
Levitsky, S., Way, L. A. (2005): International Linkage and Democratization. Journal of Democracy 16(3), 20–34. https://www.journalofdemocracy.org/articles/international-linkage-and-democratization/ ↩︎
van de Walle, N. (2012): Between Authoritarianism and Democracy (Rezension von Levitsky und Way, Competitive Authoritarianism). Journal of Democracy 23(1), 169–173. https://www.journalofdemocracy.org/articles/books-in-review-between-authoritarianism-and-democracy/ ↩︎
Levitsky, S., Way, L. A. (2010): Competitive Authoritarianism. Hybrid Regimes after the Cold War. Cambridge University Press, Cambridge. Frei zugänglich ist eine frühe Entwurfsfassung von Kapitel 1 und 2: Competitive Authoritarianism. The Origins and Dynamics of Hybrid Regimes in the Post-Cold War Era, Stanford University, Freeman Spogli Institute (PDF), S. 1–4, 29, 68–70. https://fsi-live.s3.us-west-1.amazonaws.com/s3fs-public/evnts/media/Levitsky-Way-Stanford.pdf ↩︎ ↩︎
Tolstrup, J. (2015): Black knights and elections in authoritarian regimes. Why and how Russia supports authoritarian incumbents in post-Soviet states. European Journal of Political Research 54(4), 673–690. ↩︎
Przeworski, A., Limongi, F. (1997): Modernization. Theories and Facts. World Politics 49(2), 155–183. https://www.la.utexas.edu/users/chenry/core/Course%20Materials/Przeworski97/Adam%20Przeworski%20and%20Fernando%20Papaterra%20Limongi%20Neto%20-%20Modernization%20Theories%20and%20Facts%20-%20World%20Politics%20492.htm ; zu Argentinien als Ausreißer: Mainwaring, S., Pérez-Liñán, A. (2002): Level of Development and Democracy. Latin American Exceptionalism, 1945–1996. Kellogg Institute, Working Paper 301 (PDF). https://kellogg.nd.edu/sites/default/files/old_files/documents/301_0.pdf ↩︎ ↩︎
Weltbank: The World Bank in China. https://www.worldbank.org/ext/en/country/china ; Al Jazeera (14. Februar 2011): Chinese economy overtakes Japan. https://www.aljazeera.com/economy/2011/2/14/chinese-economy-overtakes-japan ↩︎
Boix, C. (2003): Democracy and Redistribution. Cambridge University Press, Cambridge; Acemoglu, D., Robinson, J. A. (2006): Economic Origins of Dictatorship and Democracy. Cambridge University Press, Cambridge; Rezension: Subramanian, A. (2006), Finance & Development, Internationaler Währungsfonds, Juni 2006. https://www.imf.org/external/pubs/ft/fandd/2006/06/books.htm ; Einordnung als Umverteilungstheorien: Ansell, B. W., Samuels, D. J. (2014): Inequality and Democratization. An Elite-Competition Approach. Cambridge University Press, Einleitung. https://www.cambridge.org/core/books/abs/inequality-and-democratization/introduction/39529349737E80F170BCE432CECF59A9 ↩︎
Norris, P., Inglehart, R. (2019): Cultural Backlash. Trump, Brexit, and Authoritarian Populism. Cambridge University Press, Cambridge. https://www.hks.harvard.edu/publications/cultural-backlash-trump-brexit-and-authoritarian-populism ; Colantone, I., Stanig, P. (2018): The Trade Origins of Economic Nationalism. American Journal of Political Science 62(4), 936–953. https://ideas.repec.org/a/wly/amposc/v62y2018i4p936-953.html ↩︎